Wohnungsbrand und Körperverletzung
Syrer erzählt von Messerattacke

Telgte -

Der Wohnungsbrand am Sperberweg geschah am 1. Oktober. Der 21-jähriger Bewohner schildert jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung seine Sicht. Die Behörden ermitteln. Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt sagt: „Uns ist bekannt, dass der Geschädigte einen Hinweis auf mögliche Hintergründe gegeben hat. Unsere Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen.“

Dienstag, 05.12.2017, 07:00 Uhr

Am frühen Morgen des 1. Oktober brannte es in der in der Wohnung des 21-jährigen Mohammad Kamal am Sperberweg, der dabei wohl auch mit einem Messer angegriffen worden ist.
Am frühen Morgen des 1. Oktober brannte es in der in der Wohnung des 21-jährigen Mohammad Kamal am Sperberweg, der dabei wohl auch mit einem Messer angegriffen wurde. Foto: Große Hüttmann/Flockert

In der Nacht zum 1. Oktober brannte es am Sperberweg in der Wohnung des syrischen Flüchtlings Mohammad Kamal. Schon am nächsten Morgen kursierten Gerüchte, dass der 21-Jährige überfallen und mit einem Messer verletzt worden sei. Doch weder Polizei noch Staatsanwaltschaft wollten dies – auch am darauffolgenden Tag – bestätigen. So blieb die Geschichte mysteriös, die Hintergründe sind bis heute ungeklärt.

Doch jetzt berichtet Mohammad Kamal, der vor zwei Jahren allein nach Deutschland flüchtete und dessen Familie in der Türkei eine neue Heimat gefunden hat, wie sich das Ganze aus seiner Sicht zugetragen hat – und was die Hintergründe sein könnten.

Als er an jenem 1. Oktober gegen 0.30 Uhr von einem Besuch in Münster-Coerde nach Telgte zurückgekommen sei, habe er just in dem Moment, als er das Licht in seiner Wohnung einschalten wollte, eine Schlag auf den Kopf bekommen, sei umgefallen und K.O. gegangen. Als er wieder aufgewacht sei, habe er das Feuer in seiner Wohnung gesehen. Eine schwarz gekleidete Person mit schwarzer Haube habe ihn erneut attackiert und ihm ein Messer in den Bauch gestoßen. Der Täter sei über den Balkon und eine Garage geflüchtet, während er selbst geschrien und anschließend per Notruf Polizei und Feuerwehr alarmiert habe. „Die waren dann auch ganz schnell da und haben mich aus dem Flur durch das Treppenhaus gerettet“, erzählt der junge Mann, der inzwischen in Münster lebt, weil er „riesige Angst“ hat, nach Telgte an den Ort des Geschehens zurückzukehren.

Die Rettungskräfte brachten Kamal ins Clemenshospital, wo die Stichverletzung – die Narbe links vom Bauchnabel ist deutlich zu erkennen – genäht wurde. Tief war die Verletzung glücklicherweise nicht, so dass der Syrer nicht operiert werden musste. Nach vier Tagen wurde er entlassen.

Kamal selbst hat eine Verdacht, wer ihn angegriffen und seine Wohnung, aus der im Übrigen Geld, Ringe, eine Kette und ein teures Parfüm fehlten, angesteckt haben könnte. „Am 15. März 2016 bin ich von einem anderen Flüchtling aus Syrien gewürgt worden“, berichtet er. Das geschah in einer Flüchtlingsunterkunft in Coerde. Mohammad Kamal schaltete die Polizei ein und erstattete Anzeige. Er verließ Coerde und zog in ein Asylbewerberheim in Münsters City. Doch der Täter spürte ihn dort auf und bedrohte ihn, wohl mit dem Ziel, dass Kamal seine Klage zurückzöge. Ähnliches geschah später in einem Fitnessstudio in Münster und auch nach seinem Umzug nach Telgte. Mohammad Kamal blieb standhaft. Es kam zur Verhandlung. Der Täter wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Seinen Verdacht, dass es sich bei der Würge-Attacke in Coerde und dem Brand in Telgte um denselben Täter handeln könnte, hat Kamal auch den ermittelnden Behörden mitgeteilt.

Das bestätigt Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt von der Staatsanwaltschaft Münster. „Uns ist bekannt, dass der Geschädigte einen Hinweis auf mögliche Hintergründe gegeben hat. Unsere Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Deshalb können wir uns zu den Einzelheiten nicht äußern“, erklärte Botzenhardt auf WN-Anfrage.

Für Mohammad Kamal hat der Messerangriff weitreichende Folgen. Nicht nur, dass der noch immer nicht schmerzfrei ist – insbesondere beim Treppensteigen und bei Kälte –, er hat auch den geplanten Studienstart verpasst. Mit einem Stipendium der Otto-Benecke-Stiftung, die sich seit über 50 Jahren im Bereich Integration von Zuwanderern engagiert, ausgestattet, wollte er in Köln Medizintechnik studieren. Losgehen kann es jetzt erst frühestens im nächsten Frühjahr.

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