Brand am Sperberweg
Verhaftung wegen versuchten Mordes

Telgte -

Bislang hatte der Mieter der Wohnung am Sperberweg in Telgte, die am 1. Oktober ausgebrannt ist, als Opfer gegolten. Doch jetzt gibt es eine überraschende Wendung: Der 20-jährige Flüchtling ist wegen versuchten Mordes und besonders schwerer Brandstiftung verhaftet worden.

Donnerstag, 14.12.2017, 12:18 Uhr

Der Mieter der ausgebrannten Wohnung hatte bislang als Opfer gegolten. Am Donnerstagmorgen teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit, dass er verhaftet worden ist.
Der Mieter der ausgebrannten Wohnung hatte bislang als Opfer gegolten. Am Donnerstagmorgen teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit, dass er verhaftet worden ist. Foto: Große Hüttmann

Überraschende Wendung im Fall des Brandes am 1. Oktober: Noch kürzlich hatte der 20-jährige Mieter Mohammad K. im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten berichtet, dass er in seiner Wohnung überfallen und attackiert worden sei und der Einbrecher den Brand gelegt habe. Jetzt ist genau dieser junge Syrer wegen versuchten Mordes und besonders schwerer Brandstiftung verhaftet worden. Das teilten Staatsanwaltschaft Münster, Kreispolizeibehörde Warendorf und Polizeipräsidium Münster am Donnerstagmorgen in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

Früh Zweifel geweckt

„Der vom Mieter geschilderte Ablauf und fehlende Einbruchspuren lösten schon in einem frühen Ermittlungsstadium Zweifel am Tathergang aus“, erklärte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt in Münster. „Der Verletzte hatte angegeben, bei der Rückkehr in seine Wohnung habe ihn ein maskierter Täter zunächst niedergeschlagen, in den Bauch gestochen und anschließend die Wohnung in Brand gesetzt. Umfangreiche Ermittlungen und Spurenauswertungen bestätigten die Zweifel der Ermittler an dieser Schilderung.“

Auf der Suche nach einer neuen Wohnung 

„Der Mieter hatte vor der Tat mehrere Möbelstücke und Elektrogeräte über eine Internetplattform angeboten und sich für eine neue Wohnung interessiert“, erläuterte Kriminalhauptkommissar Frank Schneemann zu den Ermittlungen der Mordkommission des Polizeipräsidiums Münster. „In den Vernehmungen konnte er die Widersprüche zwischen seinen Schilderungen und den gesicherten Spuren nicht ausräumen.“

Keine Hinweise auf Gewalt

Nach einem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Münster hatte die Untersuchung des Verletzten keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung durch Schläge oder Stöße ergeben. Die einen Zentimeter breite, oberflächliche Verletzung der Bauchdecke habe sich der Überfallene vermutlich selber zugefügt, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Mieter in Untersuchungshaft

„Aufgrund der umfassenden Ermittlungen wird der Beschuldigte verdächtigt, das Feuer in seiner Wohnung selber gelegt zu haben, um zu Unrecht Leistungen seiner Hausratversicherung zu beziehen und den geschilderten Überfall zur Vertuschung der Tat vorgetäuscht zu haben“, erklärte der Oberstaatsanwalt weiter. „Durch die Brandstiftung hätten fünf weitere, zur Tatzeit schlafende Mieter getötet werden können. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Münster die Anordnung der Untersuchungshaft für den 20-jährigen Mann aus Telgte beantragt.“

Ein Richter am Amtsgericht Münster folgte dem Antrag und erließ wegen Fluchtgefahr Haftbefehl.

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