Nach Küchenbrand
„Ich verneige mich vor diesen Helfern“

Freckenhorst -

Barbara und Josef Husnik finden es nicht überhaupt nicht selbstverständlich, dass Rettungskräfte von Feuerwehr und Polizei an Tagen, an denen andere mit ihren Familien feiern, für Wildfremde da sind. Am ersten Weihnachtstag nach einem Küchenbrand waren Rettungskräfte und Nachbarn für die Husniks da, die sich nun bei allen Beteiligten bedanken. Das, findet das Paar, sollte allerdings eine Selbstverständlichkeit sein.

Mittwoch, 03.01.2018, 10:52 Uhr

Josef Husnik hat am ersten Weihnachtstag riesiges Glück im Unglück gehabt. Während ein technischer Defekt in der Küche im Obergeschoss seines Hauses einen Brand auslöste, lag er im Nebenzimmer schlafend auf der Couch. Seine Familie wichtelte ahnungslos im Erdgeschoss. Ein aufmerksamer Nachbar bemerkte den Brand, agierte äußerst umsichtig und rettete damit wohl auch Josef Husnik das Leben.
Josef Husnik hat am ersten Weihnachtstag riesiges Glück im Unglück gehabt. Während ein technischer Defekt in der Küche im Obergeschoss seines Hauses einen Brand auslöste, lag er im Nebenzimmer schlafend auf der Couch. Seine Familie wichtelte ahnungslos im Erdgeschoss. Ein aufmerksamer Nachbar bemerkte den Brand, agierte äußerst umsichtig und rettete damit wohl auch Josef Husnik das Leben. Foto: Joke Brocker

Zu den Tugenden, die in anderen Ländern mit Deutschen gerne assoziiert werden, gehört neben Pünktlichkeit, Fleiß und Ordnung auch Höflichkeit. Auch für Josef und Barbara Husnik war das bislang ungeschriebenes Gesetz. Bis sie am Dienstagmorgen in der Zeitung vom Feuerwehreinsatz in Sassenberg während der Neujahrsnacht lasen. Dass die Feuerwehrleute dort während des Einsatzes von einem offenbar Betrunkenen attackiert wurden, machte das ursprünglich aus Kroatien stammende Ehepaar fassungslos.

Neun Verletzte bei Carport-Brand

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  • Acht Menschen haben in der Silvesternacht beim Brand zweier Carports in Sassenberg Rauchgasvergiftungen erlitten.

    Foto: Joachim Edler
  • Sie wurden in Krankenhäuser gebracht. Bei den Löscharbeiten wurde zudem ein Feuerwehrmann leicht verletzt.

    Foto: Joachim Edler
  • Die Flammen hatten von einem Carport auf einen zweiten übergegriffen. Die benachbarten Wohnhäuser blieben verschont.

    Foto: Joachim Edler
  • Bewohner und Besucher, die Silvester gefeiert hatten, konnten sich ins Freie retten, atmeten jedoch den giftigen Rauch ein.

    Foto: Nord-West-Media/dpa

Es sei doch ein Gebot der Höflichkeit, sich bei den freiwilligen Helfern von Polizei und Feuerwehr, den Notärzten, aber auch bei hilfsbereiten Nachbarn zu bedanken, finden die Husniks, die den WN-Artikel zum Anlass genommen haben, sich in aller Form bei all jenen zu bedanken, die ihnen am ersten Weihnachtsfeiertag zur Seite gestanden und Josef Husnik das Leben gerettet haben.

„Mein Nachbar hat mir das Leben gerettet“

Das Paar hatte am ersten Weihnachtstag die beiden Töchter, die Schwiegersöhne und die vier Enkel, zehn, sechs, drei und ein Jahr alt, zu Besuch. Den Weihnachtsbraten samt Kroketten hatte Barbara Husnik mittags in der Küche im Obergeschoss des Hauses in der Thiatildis­straße zubereitet. Stunden später, zur Kaffeezeit, saßen die 61-Jährige, Kinder und Enkel zum Wichteln im Wohnzimmer.

Ihrem Mann war das Ganze zu trubelig. Daher hatte er sich in ein weiteres Wohnzimmer im Obergeschoss zurückgezogen. „Ich wollte im Fernsehen etwas über den Taifun sehen, der über die Philippinen gezogen war“, erzählt der 66-Jährige. Danach habe er sich noch ein wenig aufs Sofa gelegt, sei eingeschlafen und „weg gewesen“. Dass der Herd in der Küche plötzlich lichterloh brannte, bekam der Hausherr nicht mit. Auch dass der Nachbar, der Brandgeruch und schwarzen Qualm registriert sowie Feuer in der Küche im Obergeschoss des Nachbarhauses gesehen und die Feuerwehr alarmiert hatte, Sturm schellte, entging ihm.

„Mein Nachbar hat mir das Leben gerettet“, ist Josef Husnik überzeugt. Wie ernst die Lage war, sei ihm, der auch Tage nach dem Ereignis noch neben sich steht, erzählt, bewusst geworden, als er sich am Abend die Nase putzte. „Wie Kaffeesatz“ habe sich der Ruß auf Nasen- und Rachenschleimhaut gelegt.

 „Ich verneige mich vor diesen Helfern“

Der Einsatz der Rettungskräfte sei vorbildlich gewesen, sind sich die Husniks einig. Schon nach fünf Minuten sei die Feuerwehr vor Ort gewesen. „Die haben ganz professionell gearbeitet. Ohne Hektik, aber zielstrebig“, hat Josef Husnik, der als junger Mann in Kroatien selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr war, beobachtet. Dank des umsichtigen Vorgehens der Wehr, die einen technischen Defekt als Brandursache feststellte, habe es auch keinen Wasserschaden gegeben. Und dass die freiwilligen Helfer trotz des Feiertages ihre eigenen Familien allein gelassen haben, um eigentlich Wildfremden zu helfen, nötigt Josef Husnik Respekt ab: „Ich verneige mich vor diesen Helfern.“

Der Dank des Ehepaares gilt aber auch den Nachbarn, die die gesamte Familie direkt bei sich aufnahmen. „Ich habe ja immer gewusst, dass wir in einer Nachbarschaft wohnen, auf die man zählen kann. Aber das macht mich richtig glücklich“, sagt Barbara Husnik, die seit dem Ereignis nicht mehr richtig gut geschlafen hat. Wohl auch, weil sie sich immer wieder ausmalt, was gewesen wäre, wenn ihr zehnjähriger Enkel sich, wie er das häufig tat, mit seiner Spielkonsole dort oben in die Küche zurückgezogen hätte.

Weil die Feuerwehr dringend davon abgeraten hatte, in der Nacht nach dem Brand in dem verräucherten Haus zu schlafen, quartierte sich das Ehepaar vorübergehend bei einer der Töchter in Warendorf ein. „Am zweiten Weihnachtstag waren wir aber wieder hier“, erzählt Josef Husnik. Schließlich war allerhand zu regeln. Inzwischen beschäftigt der Fall die Versicherung, und Barbara Husnik, die die Böden im Obergeschoss schon mal grob gewischt hat, hofft, dass der verrußte Flur und der Raum, der mal eine Küche war, bald saniert werden. Eine neue Küche allerdings möchte sie dort nicht mehr haben. Der nächste Weihnachtsbraten wird in der Küche im Erdgeschoss gebraten.

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