Astronaut im Telgter Gymnasium
In 90 Minuten um die Welt

Telgte -

Mucksmäuschenstill war es in der Aula des Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums, als der deutsche Astronaut Gerhard Thiele von seiner Mission mit der Raumfähre Endeavour im Jahr 2000 erzählte. Die Schüler erfuhren, dass die Pyramiden von Gizeh das einzige aus dem All erkennbare Bauwerk sind.

Donnerstag, 11.01.2018, 18:20 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 11.01.2018, 17:04 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 11.01.2018, 18:20 Uhr
Proppenvoll war die Aula des Telgter Gymnasiums, als der Astronaut Gerhard Thiele von seinem Raumflug mit der Endeavour im Jahr 2000 berichtete.
Proppenvoll war die Aula des Telgter Gymnasiums, als der Astronaut Gerhard Thiele von seinem Raumflug mit der Endeavour im Jahr 2000 berichtete. Foto: Flockert

Kleine Kinder träumen davon, wenn sie groß sind, Lokomotivführer zu werden. Werden sie dann älter, verändert sich der Berufswunsch. Für viele steht Astronaut dann ganz weit oben auf der Liste. Einmal schwerelos durchs Weltall schweben – das wäre doch was. Doch für kaum einen erfüllt sich dieser Wunsch. Einer jedoch, dem es vergönnt war, mit einem Space-Shuttle die Welt zu umrunden, war am Donnerstag im Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium zu Gast: der Astronaut Gerhard Thiele.

Der heute 64-Jährige war im Jahr 2000 mit der Raumfähre Endeavour elf Tage lang im Weltall unterwegs. Die Hauptaufgabe der sechsköpfigen Crew bestand darin, die Erde zu vermessen. Seine größte Sorge habe damals darin bestanden, die auf der Erde wartenden Wissenschaftler zu enttäuschen und durch Fehler die Daten zu ruinieren.

Die anwesenden Schüler – in erster Linie aus den Physikkursen der Oberstufe und den Differenzierungskursen der Klasse neun – erfuhren, dass die Raumfähre drei bis vier Sekunden nach ihrem Start schon schneller unterwegs war als Sebastian Vettel mit seinem Formel-1-Boliden. „Wenn die Feststoffraketen starten, da ist schon Pfeffer dahinter“, erinnerte er sich mit einem Lächeln zurück.

Thiele berichtete, dass eine Erdumrundung 90 Minuten dauert, wobei die Fähre jeweils 45 Minuten auf der Tag- und auf der Nachtseite unterwegs sei.

Anhand eines aus dem All geschossenen Fotos erklärte Gerhard Thiele, dass bei der Umkreisung auf der Erde nur ein Bauwerk zu erkennen ist. Nein, es ist nicht die Chinesische Mauer, sondern es sind die Pyramiden von Gizeh in Ägypten.

Mit einer vielfach vorherrschenden Meinung hatte er gleich zu Beginn seines spannenden Vortrags aufgeräumt: Nämlich, dass nur Astronauten Raumfahrt machen. Das sei so falsch. „Hinter den Sechsen steht ein sehr sehr großes Team, dass schon lange bevor wir dazukommen alles vorbereitet“, erzählte Thiele. Rund dreieinhalb Jahre lang sei die Mission von rund 300 Personen vorbereitet worden. Die Astronauten selbst seien erst anderthalb Jahre vor dem Start dazugestoßen.

Auf die Frage, ob er noch einmal fliegen würde, antwortete er ohne Zögern: „Aber ja. Jeder, der schon einmal geflogen ist, der will noch einmal fliegen.“

Gerhard Thiele war nach 2002 nun schon zum zweiten Mal in Telgte zu Gast. In diesen Genuss kam bislang keine andere Schule. Dieses Privileg wurde dem Gymnasium aus der Emsstadt zuteil, weil die Familie von Mathe- und Physiklehrerin Brigitte Schneider schon lange mit der des Raumfahrers befreundet ist. Die Kinder seien in Brühl schon zusammen zur Schule gegangen.

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