Der Nepp mit Handelsregistereinträgen
„Das ist doch alles Verarsche“

Westerkappeln -

Detlef Wartemann ist mit seiner Firma vom niedersächsischen Hasbergen über die Grenze nach Westerkappeln gezogen. „Hätte ich gewusst, welcher Rattenschwanz da dran hängt, hätte ich in Hasbergen eine Briefkastenfirma behalten.“ Und als hätte er nicht schon genug Papierkram am Hals, bombardierten ihn noch etliche „Dienstleister“ mit Rechnungen für Handelsregistereinträge, hinter denen nichts als Nepp steckt.

Dienstag, 06.02.2018, 16:20 Uhr

Fünf Rechnungen hat Detlef Wartemann von dubiosen Absendern bekommen. Hätte er alle gezahlt, läge der Schaden bei mehreren tausend Euro.Unternehmer Detlef Wartemann hat sich nicht aufs Kreuz legen lassen. Er kann sich aber gut vorstellen, dass andere Firmen im hektischen Alltagsgeschäft auf Fake-Briefe hereinfallen.Fünf Rechnungen hat Detlef Wartemann von dubiosen Absendern bekommen. Hätte er alle gezahlt, läge der Schaden bei mehreren tausend Euro.
Fünf Rechnungen hat Detlef Wartemann von dubiosen Absendern bekommen. Hätte er alle gezahlt, läge der Schaden bei mehreren tausend Euro.Unternehmer Detlef Wartemann hat sich nicht aufs Kreuz legen lassen. Er kann sich aber gut vorstellen, dass andere Firmen im hektischen Alltagsgeschäft auf Fake-Briefe hereinfallen.Fünf Rechnungen hat Detlef Wartemann von dubiosen Absendern bekommen. Hätte er alle gezahlt, läge der Schaden bei mehreren tausend Euro. Foto: Frank Klausmeyer

Bei einem Umzug hat man schon als Privatmann genug um die Ohren. Ein Unternehmer hat noch mehr Laufereien. Das kann Detlef Wartemann nur bestätigen. Er ist mit seinem Betrieb vom niedersächsischen Hasbergen über die Grenze nach Westerkappeln gezogen. „Hätte ich gewusst, welcher Rattenschwanz da dran hängt, hätte ich in Hasbergen eine Briefkastenfirma behalten.“ Und als hätte er nicht schon genug Papierkram am Hals, bombardierten ihn noch etliche „Dienstleister“ mit Rechnungen, hinter denen nichts als Nepp steckt.

Der 54-jährige Chef der Wartemann & Klose Schornsteintechnik GmbH ist im Umkreis von 100 Kilometern und zuweilen bundesweit im als Schornsteinbauer und -sanierer unterwegs. „Ich mache Sachen, die keiner machen will oder machen kann oder die sehr groß sind – wie am Klinikum Osnabrück.“ Sein Schwerpunkt liegt auf der Planung von Schornsteinanlagen.

Seit 1995 ist Detlef Wartemann selbstständig. Damals übernahm er in Hasbergen den Betrieb vom Vater. Genauso lange wohnt er in Westerkappeln an der Tegelstraße in Westerbeck, wo er mit seiner Frau deren Elternhaus umbaute.

Und dort ist seit Anfang November auch die Firma ansässig. In Hasbergen hatte Wartemann ein großes Gewerbeobjekt mit Büro und Lagerhalle. „Schweren Herzens“ sei er mit dem Betrieb nach Westerkappeln gezogen. Der Preisdruck in der Branche und Veränderungen in den Gewerken hätten ihn dazu gezwungen, erzählt er.

Die Umsiedlung machte beim zuständigen Amtsgericht in Steinfurt den Eintrag ins Handelsregister erforderlich. Die Gebühr über 140 Euro ist beglichen. Auf die Kostennote des Notars wartet der Unternehmer noch. Noch am Tag der Eintragung – das war der 18. Januar – flatterte Wartmann eine Rechnung für den Handelsregisterauszug – Untertitel „Registerbekanntmachungen für Bund und Länder“ auf den Schreibtisch. 790,05 Euro sollte er binnen drei Werktagen zahlen. Erst im Anschluss werde die Veröffentlichung im Handels- und Gewerberegister erfolgen.

Kurz danach meldete sich die „Unternehmensinformationen Verwaltung und Zentrale“ aus Nürnberg mit der „Bitte“, innerhalb von fünf Tagen 509,32 Euro für die Aufnahme in die Datenbank von UVZ Info zu überweisen. Mit Eingangsstempel vom 29. Januar hat Wartemann ein fast identisches Schreiben der Unternehmensinformation – dieses Mal „Verwaltung und Auskunft“ und auch aus Nürnberg – erhalten. „Bitte dringend bearbeiten“ steht dort über der Zusammenstellung der Kosten für die Veröffentlichung – inklusive Mehrwertsteuer 568,82 Euro. Ein Überweisungsvordruck liegt freundlicherweise bei.

Und am gleichen Tag erhielt der Westerkappelner Unternehmer die Rechnung der „Handelsregisterbekanntmachungen“ über 882,98 Euro. Wenn keine Zahlung binnen fünf Tage erfolge, würden die Daten nicht veröffentlicht und gelöscht. Eine nachträgliche Registrierung aufgrund Nichtzahlung führe zu weiteren Kosten, steht da fettgedruckt. Perfide: Im Briefkopf schwebt neben einer schwarz-rot-gelben Säule ein kleiner Bundesadler. „Das sieht richtig professionell aus“, findet Wartemann.

Dazwischen kam ihm noch ein Aufnahmeformular für den Eintrag ins „Firmenregister für Industrie Handel und Handwerk“ ins Haus. Die Unterschrift hätte ihn bei einer Laufzeit von zwei Jahren 850 Euro netto pro Jahr gekostet.

Diese und natürlich alle anderen Rechnungen hat der 54-Jährige geflissentlich ignoriert. „Das ist doch alles Verarsche“, warnt er alle Unternehmer, im hektischen Alltagsgeschäft nicht auf solche Fake-Briefe hereinzufallen. Denn dies passiert immer wieder, wie auch die Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf und die Polizei bestätigen.

Erst bei genauerem Hinsehen ist in den Schreiben etwas zu lesen von Offerten, also Angeboten, oder „voll fakultativen“ Zahlungen, was soviel bedeutet wie völlig freiwillig.

„Man sollte das eigentlich zur Anzeige bringen“, meint Wartemann. Andererseits bringe das wahrscheinlich außer Arbeit und zusätzlichen Ärger nichts. „Die Briefe sind durchdacht geschrieben. Da waren sicher Rechtsanwälte am Werk“, vermutet er. Für die Absender scheine das ein lukratives Geschäftsmodell zu sein. „Sonst gäbe es so etwas nicht.“

Zahlungserinnerungen oder gar Mahnungen hat Detlef Wartemann von den dubiosen Anbietern in den vergangenen Tagen keine bekommen. Und auch keine neuen Rechnungen. „Wenn nichts bezahlt wird, wissen die, das nichts mehr kommt.“

Bauernfängern ist nur schwer beizukommen

Bei der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf melden sich immer wieder Firmen, die auf angebliche „Handelsregisterbekanntmachungen“ hereingefallen sind. „Das kann im allgemeinen Geschäftsverkehr oft untergehen“, bestätigt Juristin Claudia Nolte.

Die einzig ordentliche Rechnung kommt von der Oberjustizkasse. Alles andere ist Fake. Diese Briefe haben jedoch oft einen behördlichen Anschein. Nolte spricht von „arglistiger Täuschung“. Mit den Hinweisen, dass die Rechnung binnen weniger Tage beglichen werden muss, wird zusätzlicher Druck aufgebaut. Erst dem Kleingedruckten ist verklausuliert zu entnehmen, dass es sich nur um ein Angebot für die Aufnahme in irgendeine ominöse Online-Datenbank handelt. Fraglich ist allerdings, ob es diese Register überhaupt gibt und welchen Nutzen sie haben.

Den Bauernfängern ist nur schwer beizukommen. In einem Brief, den der Westerkappelner Unternehmer Detlef Wartemann bekommen hat, wird zwar der Name des Sachbearbeiters genannt, den gibt es aber offensichtlich genauso wenig wie seine angegebene Durchwahl. Die Rufnummer existiert nicht.

Wer auf den Schwindel hereinfällt, hat wohl nur geringe Chancen, das Geld zurückzubekommen. Das Geschäft dürfte mangels Erreichbarkeit der „Dienstleister“ nur schwer rückabgewickelt werden können. „Im Zweifelsfall muss man klagen“, sagt Nolte. Aber gegen wen ? Und Richter träfen schnell die Feststellung, „dass wer lesen kann, klar im Vorteil ist.“

Strafanzeigen verlaufen schnell im Sande. „Grundsätzlich muss geprüft werden, ob es sich um einen Betrug handelt oder nicht“, sagt Reiner Schöttler, Sprecher der Kreispolizeibehörde Steinfurt. Aus den rechnungsähnlichen Offerten gehe in der Regel hervor, dass es kein Schreiben des Amtsgerichtes ist. Im Falle eines begründeten Betrugsverdachts prüfe die Staatsanwaltschaft aber jeden Einzelfall, versichert Schöttler. „Meistens gehen die Täter sehr geschickt vor und sind nicht greifbar.“

Mittelsmänner würden zuweilen ermittelt. Und es habe in der Vergangenheit auch schon Verurteilungen gegeben. Die Hintermänner seien dann in Ländern abgetaucht, mit denen es keine Rechtshilfeabkommen gibt, berichtet der Polizeisprecher.

Auch Schöttler rät dazu, solche Briefe immer genau zu lesen. „Und ein Blick ins Internet kann auch nicht schaden.“ Denn dort wird in der Regel in diversen Foren vor den Machenschaften der Nepper gewarnt.

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