Anklage wegen Amtsanmaßung
Mit Blaulicht-Attrappe auf privater Einsatzfahrt?

Everswinkel -

Hilfssheriffs gibt‘s hierzulande eigentlich nicht. Das müsste auch jenem 23-jährigen Everswinkeler klar gewesen sein, als er sich – so der Vorwurf – am 22. Oktober vergangenen Jahres mangels vorhandenem Polizei-Wagen in seinen kleinen Renault Twingo setzte, mit Karacho über die K20 bretterte und dabei zwischenzeitlich wohl ein mobiles Blaulicht einschaltete.

Mittwoch, 28.02.2018, 08:12 Uhr

Das Blaulicht ist der Polizei sowie Rettungskräften vorbehalten. Ein Everswinkeler soll mit einer Attrappe unterwegs gewesen sein.
Das Blaulicht ist der Polizei sowie Rettungskräften vorbehalten. Ein Everswinkeler soll mit einer Attrappe unterwegs gewesen sein. Foto: Klaus Meyer

So jedenfalls düste er mit geschätzt mehr als 100 Sachen an einem verdutzten 50-jährigen Everswinkeler Autofahrer vorbei. „Amtsanmaßung“ lautet jetzt die Anklage der Staatsanwaltschaft. Der 23-Jährige muss sich vor dem Warendorfer Amtsgericht verantworten.

Ein erster Versuch der Aufklärung wurde am Montag unternommen. Der ungelernte Arbeitslose, der zusammen mit Ehefrau und einem Kleinkind in Everswinkel lebt, wollte selbst keine Angaben zur Sache machen. Insofern schilderte allein der Staatsanwalt jenen Vorgang, bei dem der 23-Jährige eine LED-Attrappe eingesetzt und damit den Eindruck einer Zivilstreife erweckt habe.

Geladener Zeuge nicht erschienen

Jener 50-jährige Zeuge, ein Werkstattleiter aus der Vitus-Gemeinde, war kurz nach dem Einbiegen auf die K20 von dem Renault Twingo überholt worden. Er habe dann umgehend die Polizei alarmiert, „weil der recht schnell und schnack an mir vorbei ist“. Das Blaulicht sei auf der Beifahrerseite hinter der Windschutzscheibe positioniert gewesen. „Ich habe gedacht, das ist nicht die Polizei“, begründete der Zeuge seinen Anruf bei den Ordnungshütern.

Dass der Fall nun weder genau aufgearbeitet noch entschieden werden konnte, lag allein an der Tatsache, dass ein weiterer geladener Zeuge nicht zum Termin erschien. Die Vorsitzende Richterin verhängte somit gegen ihn ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro und setzte einen neuen Termin an. Im März soll Licht in diese ominöse Geschichte mit der Blaulicht-Fahrt gebracht werden.

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