Künftige Heilerziehungspflegerin verfilmt ihre Arbeit
Weil jeder Mensch ein Wunder ist

Warendorf -

Die 22-jährige Saskia Oetterer aus Ahlen macht eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin, arbeitet bei der Lebenshilfe in Warendorf mit geistig beeinträchtigten Menschen. Im Rahmen ihrer Ausbildung durfte sie sich eine Projektarbeit aussuchen. Und drehte ein Video. Gemeinsam mit Menschen, die sie in der Einrichtung in der Revaler Straße betreut und begleitet.

Montag, 05.03.2018, 05:00 Uhr

Saskia Oetterer (22) spielt auf ihrem Smartphone den Film über Klienten der Lebenshilfe ab, den sie zusammen mit anderen Auszubildenden hat drehen lassen.
Saskia Oetterer (22) spielt auf ihrem Smartphone den Film über Klienten der Lebenshilfe ab, den sie zusammen mit anderen Auszubildenden hat drehen lassen. Foto: Jörg Pastoor

Das Lied war zuerst da. 2011, da trug Sänger Andreas Bourani sein Haar noch länger und wurde als Deutsch singender Künstler mit „Staub und Fantasie“ bekannt, erschien „Du bist ein Wunder“. Saskia Oetterer mag das Lied. Es hat etwas mit ihr zu tun, mit dem, was sie gern tut. Die 22-Jährige aus Ahlen macht eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin, arbeitet bei der Lebenshilfe in Warendorf mit geistig beeinträchtigten Menschen. Ihre tägliche Arbeit? „Betreuung der Klienten, Pflege, pädagogische Arbeit“, zählt sie auf.

Als sie sich im Rahmen der Ausbildung für eine Projektarbeit frei entscheiden konnte, war klar: Sie will ein Video. Jetzt ist es fertig. Ein 3:43 Minuten langer Film voller Lebensfreude und Wärme – obwohl die Dreharbeiten im Januar begannen.

Die Menschen in der Einrichtung in der Revaler Straße sind zwischen 29 und 65 Jahren alt. Im Film sieht man ihnen die Freude am Mitspielen an. Niemand spricht, sie bewegen sich zur Musik, setzen den Refrain pantomimisch um, formen Herzen, pusten Konfetti Richtung Betrachter.

Es gab außer Andreas Bouranis Hymne an die Kraft, das Leben zu gestalten, noch andere Inspirationen. Als Ahlenerin war die Kulisse für den Dreh mit einem Neubeckumer Filmer sowieso klar: das dortige ehemalige Bergwerk „Westfalen“, heute ein Gewerbegebiet – ein Ort voller Kraft und Vergangenheit. Zwischen früherem Lokschuppen und Grubenlüfter fing Kameramann Niclas Bosch Gruppenszenen ein, lachende Menschen. Mitgemacht hatten sechs Kolleginnen von Saskia, die bei der St.-Vincenz-Gesellschaft und der Kamener Perthes-Stiftung ihre Ausbildung machen. „Andere nehmen als Projekt Trauerarbeit oder gestalten einen Raum um, wir haben uns für das Video entschieden“, sagt Saskia und lächelt. Sie tüftelten zusammen das Drehbuch aus, überlegten sich die Ausgestaltung des an einen Beitrag der Aktion Mensch angelehnten Films. „Wir wollten das natürlich nicht kopieren.“ Weil diese Projektarbeit Saskia, Judith, Antje, Barbara, Angela und Angelika auch noch Spaß gemacht hat, war das gefühlt nicht mal Arbeit. Zudem identifizieren sie sich mit ihrem Ergebnis, das in ihr Abschlusszeugnis mit einfließen wird.

Insgesamt „bestimmt sechs Stunden“ seien alle Darsteller ans Zechen-Set gegangen. Das ist nicht immer einfach. „Nach ein, zwei Stunden verlieren die Klienten schon das Interesse.“ Doch alle hätten ihre Freude gehabt. Als alles abgedreht und geschnitten war – von einer Drohne aus gefilmte Szenen gehören zur kleinen Geschichte dazu –, schrieb Saskia das Management von Andreas Bourani an, um die Einverständniserklärung für die Verwendung des Liedes zu erhalten. „Wir haben ihm auch freigestellt, ob er noch etwas zu dem Film sagen will. Aber er ist im Moment stark eingespannt“, erklärt Saskia. Jetzt wartet sie die Entscheidung ab. „Die anderen Einrichtungen haben auch schon gesagt, dass sie das Video auf ihren Internetseiten einbinden wollen.“ Zusätzlich will das Team seine Arbeit auf Youtube hochladen, sobald das Bourani-Management das abgesegnet hat.

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