Aus Frust über Ja zur „GroKo“
Ahlener SPD-Urgesteine treten aus der Partei aus

Ahlen -

Die gute Laune, die Norbert Bing und Alois Steinkamp in ihren aktiven Zeiten in der Ahlener SPD verbreiteten, ist spätestens seit Sonntag verflogen: Beide erklärten nach Bekanntgabe des positiven Ausgangs des Mitgliederentscheids über die „GroKo“ ihren Austritt aus der Partei.

Mittwoch, 07.03.2018, 07:11 Uhr

Aus Frust über Ja zur „GroKo“: Ahlener SPD-Urgesteine treten aus der Partei aus
Alois Steinkamp (l.) und Norbert Bing sind aus der SPD ausgetreten. Foto: Archiv

Paukenschlag bei der Ahlener SPD: Dem Stadtverband lagen am Montagabend drei Parteiaustrittserklärungen vor: die von Norbert Bing und Alois Steinkamp sowie eines weiteren Genossen. Für den dritten Namen gab es am Dienstag noch keine offizielle Bestätigung.

„Ich bin maßlos enttäuscht“, erklärt Bing, langjähriger Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, gegenüber unserer Zeitung. Wie Steinkamp gehört er zu den schärfsten Kritikern der „GroKo“, in die die Sozialdemokraten nach dem Mitgliedervotum wieder eintreten wollen. Der Schritt sei ihm nicht leicht gefallen, versichert Bing. Immerhin sei er mehr als 40 Jahre SPD-Mitglied.

Aber es ist wie in einer Ehe: Wenn es nicht mehr stimmt, ist es besser, sich zu trennen.

Norbert Bing

„Aber es ist wie in einer Ehe: Wenn es nicht mehr stimmt, ist es besser, sich zu trennen“, sagt Bing weiter. Nachdem das Ergebnis am Sonntag bekanntgegeben worden sei, habe er umgehend gegenüber dem Stadtverbandsvorsitzenden schriftlich seinen Austritt erklärt. „Das gehört sich doch so wohl“, sagt Bing. Mit Parteifreunden habe er sich nicht mehr beraten, bestätigt aber, dass er vorher mehrfach im Freundeskreis über das Thema Große Koalition und Mitgliederentscheid gesprochen habe.

Die örtliche Partei und ihre Akteure nimmt Bing ausdrück­­lich von seiner Kritik aus und will seinen Parteiaustritt ausschließlich als Quittung für den Parteivorstand auf Landes- und Bundesebene verstanden wissen.

Stinksauer auf die „Mischpoke“ in Berlin

Auch Alois Steinkamp, langjähriger Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion, ist stinksauer auf die „Mischpoke“ in Berlin. Am meisten ärgert er sich über das unprofessionelle Verhalten des Parteivorstandes, der nicht einmal in der Lage sei, eine anberaumte Pressekonferenz pünktlich durchzuführen und die Kandidaten für die vorgesehenen Ministerämter zu benennen. Die SPD werde sich wundern, wenn die Regierung erst einmal stehe, wie die CSU im Landtagswahlkampf versuchen werde, alles am rechten Rand abzugrasen. „Wer mich kennt, weiß, dass ich immer geradeheraus bin“, erklärt Steinkamp, der seit 1989 Genosse war. Er sei nicht mehr bereit gewesen, „dieses Hin und Her“ nach der verlorenen Bundestagswahl mitzumachen.

Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Steven Scholle bedauert die Austritte und versichert, dass sie nichts an den Verdiensten änderten, die sich die Betreffenden erworben hätten. Zugleich äußert Scholle die Hoffnung, dass die Neumitglieder bei der notwendigen Reform der Partei bei der Stange blieben.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5572233?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Nachrichten-Ticker