Schutzchlorung soll Vergangenheit bleiben
Licht an: Keine Chance für Keime

Warendorf -

Zwei Schritte hat die Geschäftsführung der Stadtwerke unternommen, um künftig auf Chlor gegen Keime im Trinkwasser verzichten zu können: Offenbar anfälliges Material in der Wasserreinigung ist durch anderes ersetzt. Im April wird eine UV-Licht-Bestrahlung eingebaut. Die tötet Keime, falls noch einmal welche auftreten sollten.

Donnerstag, 08.03.2018, 11:00 Uhr

Die sind raus: Keramikdüsen zur Luftdurchsprudelung im Wasserwerk. Nach mühsamer Suche fand sich hier vereinzelter Keimbefall. Die Sprudler sind durch welche aus Kunststoff ersetzt. Das ist der Flachbett-Belüfter im Wasserwerk an der Beelener Straße. In den weißen Keramik-Röhren zur Luft-Anreicherung des Wassers (kl. Bild) war die Keimbelastung aufgetreten. Deshalb sind sie jetzt entfernt und durch welche aus Kunststoff ersetzt.
Die sind raus: Keramikdüsen zur Luftdurchsprudelung im Wasserwerk. Nach mühsamer Suche fand sich hier vereinzelter Keimbefall. Die Sprudler sind durch welche aus Kunststoff ersetzt. Das ist der Flachbett-Belüfter im Wasserwerk an der Beelener Straße. In den weißen Keramik-Röhren zur Luft-Anreicherung des Wassers (kl. Bild) war die Keimbelastung aufgetreten. Deshalb sind sie jetzt entfernt und durch welche aus Kunststoff ersetzt. Foto: Jörg Pastoor

Chlorgeschmack im Trinkwasser wie zuletzt zum wiederholten Mal im Oktober? Den Stadtwerken geht bei dem im August 2016 erstmals aufgetretenen Problem coliformer Keimbelastung jetzt sozusagen ein Licht auf. Neben Eingriffen ins Filtersystem des Brunnenwassers wird bald eine neue Reinigungsstufe ins Rohrnetz des Wasserwerks an der Beelener Straße eingebaut. Das Wasser läuft dann durch eine Bestrahlungseinheit. Deren ultraviolettes Licht hat nur eine Aufgabe: Wenn es nach dem mehrstufigen Reinigungsverfahren noch einmal wieder Keime geben sollte, erledigt die Lichteinheit sie. „Danach ist auf jeden Fall alles tot“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Urs Reitis.

Das war eine Situation, die selbst Fachleute so noch nie hatten.

Wassermeister Dietmar Schulze-Relau

Chlor gegen Keime 

Das Verfahren, das mancher aus der Aquaristik kennt, ist die ultima ratio. Die rätselhaften Fälle der Verunreinigung im August und Oktober 2016 sowie im Oktober 2017 hatten Reitis, Wassermeister Dietmar Schulze-Relau und dessen Team ratlos gemacht. Bei den vorgeschriebenen Proben sei weder in der für die Säuberung des Wassers nötigen Außenluft-Ansaugung noch im Wasser selbst Auffälliges gewesen. Im sogenannten Flachbett-Belüfter aber doch. „Es gab keine großen Aufkeimungen, immer nur einen, zwei Keime“, sagt Urs Reitis im Ortstermin an der Beelener Straße. Die Vorschrift ist aber klar: „Es müssten null sein.“ Logischer Schritt: der Griff zum Chlor. Wie viel? „1000 Liter Wasser beinhalten einen einzigen Tropfen Chlor“, teilt Unternehmenssprecherin Alice Kaufmann mit.

 

Verbesserung der Trinkwasseraufbereitung in Warendorf

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  • Blick ins Innere des Wasserwerks.

    Foto: Jörg Pastoor
  • Stadtwerke erhöhen Sicherheit im Rohrnetz Foto: Jörg Pastoor
  • Eine Entnahmestelle im Wasserwerk an der Beelener Straße.

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  • Die Luftzufuhr. Hier gelangten die Keime wohl in den Wasserkreislauf.

    Foto: Jörg Pastoor
  • Die aus Keramik bestehenden Luftdüsen. Sie sind durch welche aus Kunststoff ersetzt worden.

    Foto: Jörg Pastoor
  • Stadtwerke erhöhen Sicherheit im Rohrnetz Foto: Jörg Pastoor
  • Der Flachbett-Belüfter.

    Foto: Jörg Pastoor
  • Stadtwerke erhöhen Sicherheit im Rohrnetz Foto: Jörg Pastoor
  • Im Keller des Wasserwerks, an den Pumpen, wird die UV-Anlage eingebaut.

    Foto: Jörg Pastoor
  • Wassermeister Dietmar Schulze-Relau und sein Chef Urs Reitis.

    Foto: Jörg Pastoor
  • Stadtwerke erhöhen Sicherheit im Rohrnetz Foto: Jörg Pastoor
  • Einer der Brunnen in der Emsaue.

    Foto: Jörg Pastoor
  • Das größere Speicherbecken mit 3000 Kubikmetern.

    Foto: Jörg Pastoor
  • Stadtwerke erhöhen Sicherheit im Rohrnetz Foto: Jörg Pastoor

 

1000 Liter Wasser beinhalten einen einzigen Tropfen Chlor.

Stadtwerkesprecherin Alice Kaufmann über die Schutzchlorung

Dietmar Schulze-Relau war damals wie sein Chef verunsichert. „Das war eine Situation, die selbst Fachleute so noch nie hatten.“ Abschnittsweise öffneten und desinfizierten Schulze-Relau und seine Kollegen die gesamte Aufbereitungsanlage aus etlichen Metern Rohren und Filtertanks – in der Hoffnung, die Ursache weg-gereinigt zu haben. Das dauerte: „Sie müssen ja jeweils neu beproben, bis zum Ergebnis dann 48 Stunden warten“, erklärt Urs Reitis. Das ging immer so weiter. Bis sich die Warendorfer an ein Institut in Mülheim wandten.

Kunststoff statt Keramik

Am Ende der Detektivarbeit lief es auf ein System poröser Keramikröhren hinaus, die in einem Zwischenschritt das erstmals vom natürlichen Eisen befreite Wasser mit Luft durchsprudeln – ähnlich wie im Aquarium. Niemand weiß warum, doch hier gab es die vergleichsweise winzigen Keimbelastungen. Also ließ Reitis in Abstimmung mit den Mülheimern die Sprudler aus Keramik gegen solche aus Kunststoff ersetzen. Eine Sonderanfertigung, erstmals in Warendorf eingesetzt. Ergebnis nach drei Wochen: kein Keim. „Wir machen das insgesamt sechs Wochen. Wenn wir dann sichergehen können, haben wir die erste Maßnahme geschafft.“

Sprudeldüsen gegen Spezialanfertigungen ersetzt

Im Keller des Wasserwerks, direkt am Zulauf des gesäuberten Wassers aus den 2000 und 3000 Kubikmeter fassenden Speichern, wird voraussichtlich in der zweiten Osterferienwoche die UV-Anlage ins Rohrnetz eingefügt. Die arbeitet dann dauerhaft, nicht nur bei Bedarf, und zwar an genau der Stelle, an der sonst die Schutzchlorung angeklemmt war. Das kostet eine sechsstellige Summe, ist aber für Urs Reitis das Sicherste. Schließlich geht es um das wichtigste Nahrungsmittel überhaupt.

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