52-Jähriger wegen Körperverletzung verurteilt
Kinderfest endet mit Faustschlägen

Tecklenburg -

Es war ein fröhlicher Kindergeburtstag, der im September des vergangenen Jahres in Tecklenburg ein unschönes Ende nahm. Die Bilanz: Ein leicht verletztes Ehepaar sowie viele schockierte Kinder und Erwachsene. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung verurteilte das Amtsgericht Tecklenburg den 52-Jährigen zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 100 Euro.

Donnerstag, 08.03.2018, 08:28 Uhr

52-Jähriger wegen Körperverletzung verurteilt: Kinderfest endet mit Faustschlägen
Foto: dpa

Was war geschehen? Laut Anklage hatte der Mann einen Vater, der seinen Sohn vom Kindergeburtstag bei den Nachbarn abholen wollte, tätlich angegriffen, weil dieser sein Auto vor dessen Einfahrt gestellt hatte. Einer Kopfnuss konnte der 51-Jährige noch ausweichen, zwei Faustschlägen ins Gesicht nicht. Er erlitt Prellungen. Als die Ehefrau des Mannes versichern wollte, dass das Auto gleich wieder weggefahren würde, schubste sie der Angeklagte, so dass sie auf die Straße stürzte und sich am Knie verletzte.

„Wie ein Irrwisch haben sie sich vor den Kindern aufgeführt, wegen einer Nichtigkeit“, führte der Richter dem Mann in seiner Urteilsbegründung vor Augen. Worin diese Nichtigkeit bestand, hatten die Anklage sowie insgesamt zehn Zeugen vor Gericht beschrieben.

Tätlicher Angriff

Das Elternpaar aus Tecklenburg hatte seinen Wagen nur kurz in der Einfahrt des Nachbarn abgestellt, um einem anderen Auto Platz zu machen, in das über eine Rampe ein Kind im Rollstuhl gefahren werden sollte. Keine zwei Minuten später habe der Angeklagte gebrüllt, wem die „Scheißkarre“ gehöre, waren sich die Zeugen einig, dass es unmittelbar nach der verbalen Attacke zu den tätlichen Angriffen gekommen sei.

Daran mochte sich der 52-jährige vor Gericht nicht mehr erinnern. Er habe den Fahrer „x-fach klar und sachlich aufgefordert“, das Auto wegzufahren. Erst als seine Bemühungen „fruchtlos versandeten“, habe er eine Kopfnuss angedeutet und dem Mann „zweimal die Faust aufs Nasenbein gestellt“. „Mehr nicht“, wollte er das Gericht glauben machen, dass er nur „eine mögliche nächste Eskalationsstufe“ habe andeuten wollen. „Ich hasse Gewalt“, sagte er weiter. Die Ehefrau will er nur zur Grundstücksgrenze geschoben haben, sie habe sich dann „theatralisch auf die Straße fallen lassen“, fuhr er fort. „Da kommt er ja endlich“ will er zudem seine Nachbarin haben sagen hören.

Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte

Diesen Ausführungen konnten die Zeugen indes nicht folgen. Sie bestätigten im Wesentlichen die Vorwürfe der Anklage. Auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft sah diese nach der mehrstündigen Hauptverhandlung als erwiesen an und forderte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen.

Der Verteidiger räumte ein, dass sein Mandant überreagiert habe, aber niemanden habe verletzen wollen. Er sah Belastungstendenzen bei der Nachbarin und die gesamte Situation am Tattag als den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Schon seit langem scheint es in der Beziehung zwischen dem Angeklagten und einigen Nachbarn zu gären, wie aus der Einlassung des Mannes und den Aussagen einiger Zeugen deutlich wurde.

"Völlig unverhältnismäßig"

In seinem letzten Wort vor der Verkündung des Urteils betonte der 52-Jährige, es täte ihm leid, dass er überreagiert habe. Den Richter beeindruckte die späte Einsicht nicht. „Mir fehlen die Worte für eine solche Überreaktion“, machte er deutlich, dass er ein solches Verhalten für „völlig unverhältnismäßig“ halte.

Zur Geldstrafe in Höhe von 8000 Euro kommen die Kosten des Verfahrens. Zudem kündigte das verletzte Ehepaar an, zivilrechtliche Ansprüche gegen den Tecklenburger geltend zu machen.

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