Streetworker berichten über ihre Arbeit
„Wir sind für unsere Klienten da“

Gronau -

Jugendliche und junge Erwachsene, die sozial benachteiligt, stigmatisiert, straffällig geworden und von Ausgrenzung bedroht sind – das ist die Zielgruppe der beiden Streetworker in Gronau, Christin Schlattmann und Olaf Reckers. „Das sind Jugendliche, die von der Jugendhilfe und der Schule nicht mehr erreicht werden und auch nicht erreicht werden wollen“, erläuterten die beiden am Dienstagabend dem Jugendhilfeausschuss.

Donnerstag, 08.03.2018, 10:40 Uhr

Die „Nightaction“ gehört zu den Angeboten, die die Streetworker in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen regelmäßig durchführen. Beim letzten Mal gab es im Jugendzentrum St. Josef – neben vielen anderen Aktionen – ein Kickerturnier.
Die „Nightaction“ gehört zu den Angeboten, die die Streetworker in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen regelmäßig durchführen. Beim letzten Mal gab es im Jugendzentrum St. Josef – neben vielen anderen Aktionen – ein Kickerturnier. Foto: Martin Borck

Auch von den Angeboten in den Jugendzentren fühlen sich die jungen Leute meist nicht angesprochen. Folge: Sie treffen sich an öffentlichen Plätzen – wie auf dem Laga-Gelände.

„Viele dieser jungen Leute kommen mit der Leistungsgesellschaft und dem dort erforderlichen hohen Bildungsniveau nicht zurecht. Sie fallen aus dem Raster heraus. Wir versuchen, sie aufzugfangen“, sagten Schlattmann und Reckers.

Dabei nehmen sie die jungen Leute erstmal so, wie sie sind. „Das müssen wir, wenn sie an sie herankommen wollen.“ Die Angebote sind niedrigschwellig und an der Lebenswelt der Klientel orientiert. „Freiwilligkeit ist wichtig. Wenn uns Jugendliche ablehnen – was kaum vorkommt – müssen wir das auch mal aushalten können“, so Christin Schlattmann.

Zu den Zielen der Streetworker gehört es, die psychische Widerstandskraft ihrer Klientel zu stärken und ihre Sozialkompetenz zu erweitern. „Sie sollen lernen, sich selbst zu organisieren. Je länger wir mit jemandem unterwegs sind, desto mehr soll er selbst für sich regeln.“

Die jungen Leute sollen eine neue Lebensperspektive entwickeln und verwirklichen können. Auch in akuten Krisensituationen stehen die Streetworker zur Verfügung.

„Wir arbeiten mit Schulen, Schulsozialarbeitern, dem Jugendamt, der Drogenhilfe, der Schuldnerberatung und anderen Stellen zusammen“, sagte Reckers. „Wir vermitteln in der Einzelfallhilfe gegebenenfalls Fachleute, zu denen wir die Jugendlichen auch begleiten.“ Zum Beispiel wenn es um die Rückkehr in die Schule geht oder zum Gespräch in die Jugendberufshilfe oder auch zur Schuldnerberatung. Dabei stellt Reckers klar: „Wir machen parteiliche Arbeit. Wir sind in erster Linie für unsere Klienten da. Wir scheuen uns nicht davor, ihnen ihre Rechtsansprüche deutlich zu machen.“ Durch die Begleitung wird den jungen Leuten die Schwellenangst genommen“, so Schlattmann.

Auch in der Gruppenarbeit setzen die Streetworker Akzente: Fahrten, Fußballturniere und die „Nightaction“, aber auch Graffiti-Aktionen gehören dazu.

Wolfgang Lobjinski, langjähriger Leiter des Jugendzentrums St. Josef, schätzte die gute Zusammenarbeit mit den Streetworkern. Ausschussmitglied Daniel Speer lobte sie als diejenigen, die an die jungen Leute herantreten, wenn Schule und Jugendhilfe nicht mehr greifen. Auch Doris Ströing (Fachdienstleiterin) betonte die Notwendigkeit der Streetworker. „Sie motivieren ihre oft beratungsmüde Klientel, Hilfe überhaupt anzunehmen.“

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