Smarte Lautsprecher erobern den Alltag
"Alexa, spielen wir Schnick-Schnack-Schnuck?"

Telgte -

Auf Zuruf schalten sie das Licht an oder ermitteln die richtige Temperatur fürs Steak: Smarte Lautsprecher revolutionieren unseren Alltag. Bei Familie Gehling in Telgte sorgt „Alexa“ für Musik und vieles mehr. Selbst vor Heino macht sie nicht halt...

Donnerstag, 08.03.2018, 13:37 Uhr
Smarte Lautsprecher erobern den Alltag: "Alexa, spielen wir Schnick-Schnack-Schnuck?"
Familienbild mit Alexa (v.l.): Mona, Jan, Lara-Sophie, Fabian und Christian Gehling. Foto: Wilfried Gerharz

Achtung, frisch gestrichen! Bei den Gehlings wird renoviert. Hündchen Luna springt zwischen Leiter und Farbeimer umher, ein Teil des Hausstandes ist auf den Balkon ausgelagert, im Wohnzimmer, das von der roten Abendsonne beschienen wird, hängen Kabel von der Decke. „Da sollen neue Lampen hin“, sagt Christian Gehling (49) und lächelt schelmisch. Diese Lampen wecken nämlich das Spielkind im Manne. Um sie einzuschalten, braucht es künftig nur noch drei Worte: „Alexa, Licht an!“

In der ansonsten fünfköpfigen Familie, bestehend aus Mama Mona, Papa Christian, den Kindern Fabian (19), Jan (15) und Lara-Sophie (11), ist Alexa - nach Luna - der jüngste Zuwachs: ein mobiler, über WLAN mit dem Internet verbundener Lautsprecher, der aussieht wie ein Kaffeebecher mit Deckel, es aber faustdick hinter den digitalen Ohren hat.

"Eher noch Spielerei"

In diesem Moment unterbricht die Musik, die bis hierher für leise Untermalung gesorgt hat. Dafür beginnt es auf Alexas Deckel zu leuchten. Ein zirkulierender cyanblauer Lichtring wird sichtbar. „Jetzt hört sie zu“, sagt Lara-Sophie. „Das macht sie immer, wenn man ihren Namen sagt.“ - „Alexa, spiel‘ Heino“, befiehlt Vater Christian. Zwei, drei Sekunden später tönt ein Heino-Klassiker aus der kleinen Box und sorgt beim Gehling-Nachwuchs schlagartig für entsetzte Gesichter. „Alexa, aus!“, rufen alle drei wie aus einem Munde. Dann herrscht wieder Ruhe.

Zu Weihnachten hatte sich Christian Gehling fest vorgenommen zu entschleunigen. Sich den Alltag nicht von Telefon und Terminen diktieren zu lassen. Trotz seines vielfältigen ehrenamtlichen Engagements lässt er seitdem das Smartphone öfter mal links liegen. Nur Alexa hat den technikinteressierten Telgter ein klitzekleines bisschen schwach werden lassen. „Das ist ja eher noch Spielerei“, beschwichtigt er grinsend, während er die quietschfidele Luna zu fangen versucht, die um die Tischbeine Slalom läuft.

Inzwischen sind schon drei Alexas bei den Gehlings eingezogen. Eine hat ihren Platz im Wohnzimmer („Alexa, schalt‘ den Fernseher an“), eine zweite, so klein wie ein Eishockey-Puck, sorgt für die Musik in Küche und Bad, eine dritte wohnt bei Sohnemann Jan. Selbst die Oma hat eine eigene intelligente Box - und wünscht sich die zweite. „Sie muss nur Helene Fischer sagen, und schwupps, kann sie Helene Fischer hören. Für sie ist das perfekt“, sagt Christian Gehling.

Smarte Lautsprecher: Revolution im Haushalt

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  • Selbst beim Schnick-Schnack-Schnuck erweist sich Alexa als clever - und lässt Lara-Sophie beginnen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Der cyanblaue Leuchtring signalisiert: Alexa hört zu und ist bereit, Befehle entgegenzunehmen.

    Foto: Britta Pedersen/dpa
  • Bei durchgehendem roten Leuchtring sind die Mikrofone ausgeschaltet. Per Knopfdruck können sie wieder aktiviert werden.

    Foto: Franziska Gabbert
  • Amazon Echo Dot ist die „kleine Alexa“, funktioniert aber genauso wie die große. Der Unterschied liegt in der Lautsprecher-Ausstattung und im Sound. Das Gerät kann mit anderen Lautsprecher-Systemen verbunden werden.

    Foto: Franziska Gabbert/dpa
  • Apples HomePod ist die Antwort auf Amazons Echo und Google Home - und punktet vor allem mit der Audio-Qualität. In den anderen Bereichen besteht Nachholbedarf.

    Foto: Christoph Dernbach
  • Google Home ist Googles vernetzter Home-Lautsprecher. Dank des einmaligen Daten-Fundus überzeugt Google Home vor allem mit ständigem Wissenszuwachs.

    Foto: Google/dpa

Alexa hört ständig mit

Fabian, sein ältester Sohn, verzieht schmerzverzerrt das Gesicht. Das mag an Helene Fischer liegen, ganz sicher aber an Alexa. Ihm behagt nicht, dass der smarte Lautsprecher ständig mithört und Unmengen an Daten an Amazon-Server überträgt. „Das kann man doch nicht ernsthaft wollen.“ Tatsächlich sind sieben Mikrofone ständig im Bereitschaftsmodus, sofern man sie nicht bewusst ausschaltet. Auf das Signalwort „Alexa“ hin werden die im Raum gesprochenen Worte aufgenommen und mittels intelligenter Technologie in Daten übersetzt.

Aus Alexa wird so ein cleverer persönlicher Assistent, der die Nachrichten des Tages vorlesen, Pizza bestellen und sogar Schnick-Schnack-Schnuck spielen kann. Galant lässt die kluge Box dabei ihrer Konkurrentin Lara-Sophie den Vortritt. „Stein“, sagt Lara-Sophie. - „Papier“, kontert Alexa. „Papier wickelt Stein ein. 1:0 für mich!“

Alexa ist ein Verkaufsschlager

Amazons smarter Lautsprecher wird unter dem Namen „Echo“ verkauft. Die Nutzer sprechen allerdings nur von „Alexa“, weil die integrierte Sprachsteuerung – Echos Stimme – so heißt.

Alexa steht, genau wie Google Home oder Apples HomePod, für eine Technologie, die dank künstlicher Intelligenz und dauerhafter Verbindung zum Internet aus kleinen Boxen persönliche Assistenten macht. Alexa kann nicht nur Musik auf Zuruf spielen, sondern Haushaltsgeräte oder die Beleuchtung steuern, Einkaufslisten „schreiben“, an Termine erinnern oder die richtige Kerntemperatur fürs Steak ermitteln.

2015 erstmals in den USA erprobt und 2016 nach Deutschland importiert, ist Alexa längst zum Verkaufsschlager avanciert. Unternehmensangaben zufolge wurden 2017 „mehrere zehn Millionen Geräte“ verkauft - mutmaßlich weit mehr als von jedem anderen „Smart Speaker“. Datenschützer beobachten die Entwicklung kritisch, weil sie die Privatsphäre in den eigenen vier Räumen gefährdet sehen. Außerdem mache das Unternehmen Amazon zu wenig transparent, wie es die gespeicherten Daten nutze.

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Skills im Hintergrund

Für echte Gespräche ist die Box – noch – nicht zu haben. Wenn sie auf Aufforderung ein Lied singt oder Rezepte vorliest, dann basiert all das auf App-ähnlichen Anwendungen, die im Hintergrund laufen - so genannten Skills. Als bienenfleißige Datensammlerin wird Alexa allerdings immer schlauer werden, irgendwann die Lieblings-Songs, oder –Rezepte ihrer Nutzer kennen und ihnen Vorschläge machen, die zu Vorlieben und Gewohnheiten ihrer Besitzer passen.

„Bis es so weit ist“, scherzt Mutter Mona Gehling, „wäre es mir lieber, wenn sie beim Gemüseschnibbeln helfen könnte…“

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