Mozzarella aus dem Münsterland
Bocholter Landwirt züchtet Wasserbüffel

Bocholt -

Ivo wiegt fast eine Tonne und hat große Hörner, aber wenn Martin Mölders ruft, kommt er angetrottet und will kuscheln. Mölders legt ihm den Arm um den Hals, da wird er von hinten geschubst. „Ihr seid so eifersüchtig!“, stellt er fest. Aber darum liebt der Landwirt seine Tiere. „Sensibel wie ein Pferd, stur wie ein Rind und treu wie ein Hund“: Der Bocholter züchtet Wasserbüffel.

Freitag, 09.03.2018, 06:10 Uhr

Ivo will in den Arm, Martin Mölders erfüllt den Wunsch gerne: Der Bocholter Landwirt züchtet Wasserbüffel.
Ivo will in den Arm, Martin Mölders erfüllt den Wunsch gerne: Der Bocholter Landwirt züchtet Wasserbüffel. Foto: Gunnar A. Pier

Die Idee entstand, wie so oft, zufällig. Bei einem gemütlichen Abend mit Freunden und italienischem Essen wurde Silvia und Martin Mölders klar, wie köstlich echter Büffel-Mozzarella ist. Später zu Hause suchten sie im Internet nach Informationen über die hierzulande sehr seltenen Tiere. Was sie fanden, war ihre eigene landwirtschaftliche Zukunft.

Mölders hatten Silvias elterlichen Hof Kragemann übernommen: 30 Sauen, 18 Kühe, ein paar Hühner. Zu viel zum Sterben – aber viel zu wenig zum Leben. Da kam ihnen die neue Idee gerade recht. Schnell waren die ersten vier rumänischen Wasserbüffel-Kühe gekauft.

Doch sie gaben keine Milch. „Die sind sensibel“, haben die frischen Büffel-Besitzer gelernt. Die Tiere müssen Vertrauen in die Menschen um sich herum fassen. Noch heute geben sie weniger Milch, wenn Fremde dabei sind.

Besuch auf dem Büffelhof Kragemann

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  • Wasserbüffel leben vornehmlich in Osteuropa und in Italien.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Rund 70 Tiere aber stehen auf einer Weide bei Bocholt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Aus ihrer Milch lässt sich gut Käse, besonders Mozzarella, herstellen.

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  • Obwohl die Wasserbüffel bis zu einer Tonne wiegen, sind sie sehr anhänglich - zur Freude von Züchter Martin Mölders.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Wenn man sie ruft, kommen sie angetrottet.

    Foto: Gunnar A. Pier
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  • Foto: Gunnar A. Pier

Italienische Wasserbüffel

Silvia und Martin Mölders wechselten zu italienischen Wasserbüffeln, bauten langsam eine Beziehung zu den Schwergewichten auf. Und siehe da, jetzt läuft die Milch: 2500 Liter gibt jede Kuh in etwa pro Jahr.

Sensibel wie ein Pferd, stur wie ein Rind und treu wie ein Hund.

Die Büffel-Züchter über ihre Tiere

Und ihre Besitzer schwärmen in höchsten Tönen von den Vorzügen des ungewöhnlichen Milchviehs. Büffel sind genügsam und fressen ein Drittel weniger als Kühe. Sie sind robust und werden kaum krank, kommen mit feuchten Wiesen klar und geben aromatisches Fleisch.

"Treu wie ein Hund"

Von der typischen Hochleistungs-Milchkuh unterscheidet die Wasserbüffel auch, dass sie noch sehr urtümlich sind. „Da hat noch niemand dran rumgezüchtet“, sagt Martin Mölders. Und er liebt die kumpelige Art. „Treu wie ein Hund“ eben.

Heute leben auf dem Hof Kragemann rund 70 Wasserbüffel, 25 können gemolken werden. Das reicht noch nicht zum Überleben, das Landwirtsehepaar jobbt nebenbei. Doch langsam wollen sie ihre Herde auf 100 Tiere vergrößern, von denen 35 gemolken werden.

Direktvermarktung

Ebenso langsam, aber unaufhörlich wächst die Kundschaft. Immer mehr Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung schätzen den Mozzarella mit dem milden Milch-Geschmack, den kräftigen Brie, die fettreiche Milch und das würzige Fleisch. Sie kommen in den Hofladen oder bestellen online, Restaurants lassen sich beliefern. „Wir haben Spaß an der Direktvermarktung“, sagen Mölders. „Und wir haben hier eine echte Perspektive.“ Die hätte es mit 30 Sauen und 18 Kühen nicht gegeben. Außerdem wollen die alle nicht kuscheln.

Produkte vom Büffelhof Kragemann

Milch: Rund 2500 Liter Milch gibt jede Wasserbüffel-Kuh im Jahr. Sie enthält acht Prozent Fett, Kuhmilch kommt auf gut 3,5 Prozent Fett.

Käse: In einer niederländischen Hofkäserei mit italienischem Käsemeister im nahen Denekamp werden aus der Bocholter Büffelmilch Mozzarella, Brie, Kräuter-Feta und andere Käse-Sorten hergestellt. Star ist der Mozzarella, der einen typischen Eigengeschmack hat.

Fleisch: Die männlichen Tiere werden geschlachtet, wenn sie knapp drei Jahre alt sind. Das Fleisch wird ähnlich wie Rindfleisch geschnitten und verarbeitet, schmeckt aber intensiver mit leichter Wild-Note.

Schädel: Selbst die Schädel mit den kleinen Hörnern sind gefragt – bei Rockern und Wikinger-Freunden.

Leder: Die Haut der Tiere wird beispielsweise zu Armbändern verarbeitet.

http://www.bueffelhof-kragemann.de

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