Nach Explosion in Velen
Urteil: Brandstifter muss dreieinhalb Jahre in Haft

Bocholt/Velen -

Eine gewisse Erleichterung ist dem Angeklagten anzusehen gewesen. Der 19-Jährige, der im August des vergangenen Jahres ein Wohn- und Geschäftshaus in Velen in Brand gesetzt hat, muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Donnerstag, 08.03.2018, 19:59 Uhr

Nach Explosion in Velen: Urteil: Brandstifter muss dreieinhalb Jahre in Haft
Feuerwehr-Einsatz nach der Explosion in Velen. Foto: Christiane Göke

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Strafe von fünf Jahren gefordert. Der Beschuldigte habe aus Eigensinnigkeit, aber auch mit eingeschränkter Steuerungsfähigkeit gehandelt, führte der Staatsanwalt in seinem mehr als halbstündigen Plädoyer aus. Deshalb bliebe seiner Meinung nach das Mordmerkmal erhalten. Allerdings entfalle eine Heimtücke. Die Tat „sei Ausdruck einer egozentrischen und unreifen Persönlichkeit des Angeklagten“.

Mit einem verbalen Angriff auf den Anklage-Vertreter begann der Verteidiger des 19-Jährigen sein Plädoyer: Wer so lange plädiere, habe meist keine Argumente, sagte er. Sein Mandant habe zwar billigend in Kauf genommen, dass Menschen gefährdet werden könnten. Er habe aber keine Kenntnisse über Wirkung und Folgen des Feuers gehabt. Das habe der Brandsachverständige bestätigt. Der junge Mann habe sogar großes Glück gehabt, dass er von der Druckwelle nicht selbst erfasst wurde. Eine „maßvolle Jugendstrafe“ auf Bewährung mit einer engmaschigen Kontrolle war die Forderung der Verteidigung.

Fahrlässige Brandstiftung und Gefährdung von Menschen

Vom Vorwurf des versuchten Mordes wich der Vorsitzende Richter dann auch ab. Es blieben fahrlässige Brandstiftung und die Gefährdung von Menschen. In der Summe machte das eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Der 19-Jährige verfolgte das Geschehen genau. Zum milden Strafmaß dürfte auch geführt haben, dass er in der Jugendvollzugsanstalt das Abitur mit der Note 2,7 nachgeholt hatte und noch auf der Anklagebank erklärte, nach der Freiheitsstrafe studieren und den Schaden wiedergutmachen zu wollen. Rund eine halbe Millionen Euro Schaden verblieben nach Einschätzung der Verteidigung.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5576543?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Nachrichten-Ticker