Besichtigung
Einblicke in ein Krematorium

Ochtrup -

Scharf geführt wird in der Töpferstadt zurzeit die Debatte um den geplanten Bau eines Krematoriums auf einem Areal am Langenhorster Bahnhof. Nachdem die Investoren bereits mit einer Gruppe von Politikern eine Feuerbestattungsanlage besichtigt hatten, luden sie nun auch die breite Öffentlichkeit dazu ein. Am Donnerstagmittag startete der Bus.

Samstag, 28.04.2018, 06:00 Uhr
Das Krematorium in Diepholz wurde im November eröffnet.
Das Krematorium in Diepholz wurde im November eröffnet. Foto: Anne Spill

Rund 20 Bürger nahmen das Angebot der Investoren, sich ein Krematorium anzusehen, an. Während sie an der Ochtruper Stadthalle in den Bus einstiegen, verteilte eine Gruppe von erklärten Gegnern ein von sechs Personen unterzeichnetes Schreiben. Darin fordert sie einen „argumentativen Austausch“ von Befürwortern und Gegnern des geplanten Krematoriums, zum Beispiel in der Ochtruper Stadthalle.

Die Busfahrt führte ins niedersächsische Diepholz. Das dortige Krematorium wurde im November eröffnet. „Es entspricht im Wesentlichen dem, was wir in Och­trup geplant haben“, erläuterte Hajo Steffers als ein Vertreter der FBM GmbH & Co. KG, die den Bau in der Töpferstadt plant. Die Feuerbestattungsanlage im nahe gelegenen Enschede sei nicht nur größer und unterscheide sich im technischen Ablauf. „In den Niederlanden ist es außerdem im Gegensatz zu Deutschland Vorschrift, dass die Asche 30 Tage im Krematorium verbleiben muss“, erklärte Steffers. Erst danach sei die Bestattung möglich.

Einäscherung bei etwa 850 Grad

In Diepholz wartete mit Svend-Jörk Sobolewski der Geschäftsführer der Cremtec GmbH auf die Gruppe aus der Töpferstadt. Er zeigte den Besuchern die Anlage. Vom Abschiedsraum führte der Rundgang zunächst zu den beiden Öfen. Dort demons­trierte Sobolewski anhand eines leeren Sargs die Einfahrt. Die Einäscherung erfolge bei etwa 850 Grad, erfuhren die Gäste. „Der Sarg entzündet sich selbst“, erläuterte der Fachmann.

Eine weitere Station der Führung war der Technikraum. Dort würden sämtliche Abläufe überwacht, erläuterte Sobolewski und ließ die Gruppe auf die Monitore blicken. Über den Verwaltungstrakt führte der Weg zu dem sichtgeschützten Bereich, in den die Bestatter die Verstorbenen bringen, und zum Kühlraum, in den manche Besucher ebenfalls einen Blick warfen.

Den Weg der Asche bis in die Urne zeichnete Sobolewski anschließend nach. Besonderes Interesse hatten die Besucher an der Filteranlage des Krematoriums. „Kommt da am Ende nur warme Luft aus dem Schornstein?“, fragte ein Besucher nach den Emissionen. „Im Mai in der Blütezeit liegen circa acht Prozent Staub in der Luft, im Ruhrgebiet im Sommer sechs Prozent, und hier null bis maximal ein Prozent“, versicherte der Cremtec-Geschäftsführer.

Im kleinen Café des Krematoriums diskutierten die Besucher im Anschluss untereinander, aber auch mit den Investoren über ihre Eindrücke. Viele erklärten, die Fahrt mit gemischten Gefühlen angetreten zu haben. Manche seien skeptisch gewesen, wieder andere „waren von Anfang an offen demgegenüber“. Einige Besucher zeigten sich nach der Führung erstaunt darüber, „wie viel Technik dahintersteckt“. Als „piekfein“ beschrieb ein Ochtruper die Anlage, „ausgereift“ wirkte sie auf einen anderen. „Ich war positiv überrascht“, sagte hinterher zum Beispiel Günther Blome.

Wirkte die Stimmung dem Vorhaben der Ochtruper Investoren gegenüber grundsätzlich positiv, zeigten sich manche Teilnehmer vom geplanten Standort am Lan­genhorster Bahnhof jedoch nicht überzeugt. „Vielleicht gibt es ja noch andere Möglichkeiten“, sagte ein Ochtruper.  

Das Verfahren

Die Politik hat im März beschlossen, in das Bauleitplanverfahren einzusteigen: Das heißt, dass sich der Fachausschuss und der Rat in den kommenden Monaten intensiv mit den planungsrechtlichen Voraussetzungen für das Vorhaben der Investoren auseinandersetzen werden. Im Rahmen des Verfahrens, das erfahrungsgemäß mindestens ein Jahr dauert, gibt es zudem eine öffentliche Auslegung. Spätestens dann haben alle Beteiligten die Möglichkeit, Stellung zu beziehen und ihre Anregungen, Bedenken sowie Argumente vorzubringen, die wiederum vor einer Abstimmung abgewogen werden müssen. Abstimmen dürfen nur Ratsmitglieder, die in dieser Sache nicht befangen sind. Bei einem positiven Votum könnten die Investoren danach einen Bauantrag stellen. Über die Genehmigung entscheidet dann jedoch nicht die Stadt Ochtrup.

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