Wegfall der Linie X 150 bringt Problem für Unternehmen
Personal kommt nicht zum Betrieb

Ladbergen -

Die geplante Einstellung der Busline X 150 der Stadtwerke Osnabrück (Osnabrück-Ladbergen-FMO) zum 31. August bewegt die Gemüter im Heidedorf. Die Gemeinde hat eine Stellungnahme an den Kreis Steinfurt übermittelt und Gründe dargelegt, die gegen die Aufgabe dieser Verbindung sprechen. Jetzt bringt Dr. Christoph Müller, CEO (Chief Executive Officer = geschäftsführendes Vorstandsmitglied) der Mobile Tronics GmbH an der Goethe­straße 52, einen neuen Aspekt ins Spiel. Worum es ihm geht, erläutert er in einem offenen Brief an Osnabrücks Oberbürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Wolfgang Griesert, Flughafenchef Prof. Dr. Rainer Schwarz und Ladbergens Bürgermeister Udo Decker-König.

Dienstag, 03.07.2018, 16:50 Uhr

Das ÖPNV-Angebot für Ladbergen wird immer dünner. Zum 31. August soll die Linien X 150 nach Osnabrück und zum FMO gestrichen werden.
Das ÖPNV-Angebot für Ladbergen wird immer dünner. Zum 31. August soll die Linie X 150 nach Osnabrück und zum FMO gestrichen werden. Foto: Luca Pals

In dem Schreiben heißt es: „Seit 18 Jahren bin ich mit meinem Unternehmen in Ladbergen angesiedelt. Wir sind eines der wenigen Unternehmen in Deutschland, die über Erfahrungen mit autonomen Mobil-Maschinen verfügen und entsprechende Innovationen erfolgreich in die Praxis umsetzen. Die Standortentscheidung wurde gefällt aufgrund der guten Verkehrsanbindung und der Nähe zum FMO.“

Das Unternehmen sei auf hochqualifizierte Ingenieure und gute Verkehrsanbindung angewiesen, schreibt Christoph Müller. Aufgrund von Problemen in der Personalbeschaffung und des fehlenden Breitbandausbaus in Ladbergen sei 2011 ein Schwesterunternehmen in Breslau/Polen gegründet worden, welches mittlerweile fast viermal so groß sei wie das Unternehmen in Ladbergen, „obwohl unsere Gesamtkosten wesentlich höher sind und in Ladbergen großes räumliches Erweiterungs-Potenzial zur Verfügung stünde, welches wir dort sehr teuer bezahlen müssen.“

In den vergangenen Jahren habe Mobile Tronics in Ladbergen mit Studenten von Hochschule und Universität in Osnabrück zusammengearbeitet. „Die Verkehrsanbindung mit dem X 150 war dabei essenziell, da Studenten mit dem Semesterticket den Bus genutzt haben. Wir waren froh über die Änderung der Strecke durch Ladbergen, da damit der Bus quasi vor unserem Büro hielt“, heißt es im offenen Brief. Mit Einstellung des X 150 entfalle weitgehend die Möglichkeit der Hochschulzusammenarbeit am Standort in Ladbergen. „Um technische Studenten aus Steinfurt brauchen wir uns nicht zu bemühen, da diese quasi eine Tagesreise auf sich nehmen müssen, um zu uns zu kommen. Somit wird sich weiteres Wachstum zwangsweise und unfreiwillig nach Polen verlagern, obwohl wir dringend deutschsprachiges Personal in Ladbergen bräuchten“, bedauert der CEO.

Statt ein Angebot einzustellen seien kreative Ideen zur Entwicklung gefragt, ist sich Müller sicher, und fragt: „Oder will sich Osnabrück in Zukunft als Stadt mit Flughafen, aber ohne öffentliche Verkehrsanbindung dorthin präsentieren?“ Er selbst sei weltweit unterwegs und nutze eigentlich nur öffentliche Verkehrsmittel vom Flughafen zu einem Stadtzentrum. „Wie dies auch in kleineren Städten geht, lässt sich in Skandinavien studieren.“

Weiter schreibt Christoph Müller: „Wenn es um die Kosten geht: Haben eigentlich weder die Gemeinde Ladbergen noch der Flughafen, noch die Stadt Osnabrück Interesse an einer Busanbindung nach Osnabrück? Die Stadt ist ein Hauptgesellschafter des Flughafens und zweiter Namensgeber. Aber klar, Parkgebühren bringen dem FMO Geld, der Bus kostet, allem Öko-BlaBla zum Trotz.“

Der Flughafen Münster-Osnabrück verliere mit dem Einstellen des X 150 die Rail& Fly-Anbindung über Osnabrück und damit Fluggäste. Auch Zwischenübernachtungsgäste aus Ladbergen hätten keine Möglichkeit mehr, mit dem Bus zum Hotel oder Flughafen zu fahren.

Der CEO bringt Ideen ein: So gebe es in anderen NRW-Grenzregionen Schnellbusse der Regionalverkehr Münsterland (RVM) nach Osnabrück. „Warum nicht vom FMO über Ladbergen nach Lengerich? Mit Anschluss an den Schnellbus nach Münster am FMO oder in Ladbergen? Warum nicht eine Schnellbuslinie einrichten, die vom FMO über Ladbergen und Lengerich nach Osnabrück fährt? Gegebenenfalls ab Lengerich vernetzt mit lokalen Buslinien über die Autobahn, was eine Anbindung von Tecklenburg aus sowohl zum FMO als auch nach Osnabrück ermöglichen würde? Und/oder statt der vollständigen Einstellung der X 150 eine Reduktion des Fahrplans. Tagsüber muss kein Stundentakt aufrechterhalten werden. Da reichen auch zweistündige Intervalle vollständig aus.“

Ein einmal eingestelltes Angebot sei schwerer wieder zu etablieren als es clever und kundenorientiert zu modifizieren“, so Christoph Müller. Daran müssten sich die Stadt Osnabrück, der FMO, die Gemeinde Ladbergen und gegebenenfalls andere Gemeinden beteiligen.

„Wir waren gerade dabei, unsere Zusammenarbeit mit den Hochschulen in Osnabrück zum nächsten Studienjahr zu verstärken. Dies wird durch die Einstellung der Busverbindung nun fast unmöglich. Wenn wir nicht mit Immobilien gebunden wären, würden wir eine Standortverlegung jetzt ernsthaft in Erwägung ziehen. Auch die digitalisierte Wirtschaft benötigt leider noch öffentliche Verkehrsanbindungen“, schließt der Kaufmann seinen offenen Brief.

Bürgermeister Udo Decker-König kennt nach eigener Auskunft auch dieses Problem. Wiederholt seien Gespräche mit den zuständigen Personen geführt worden. Die Aussage sei immer die gleiche gewesen: Die sehr geringen Fahrgastzahlen machen die Linie nicht wirtschaftlich. Am Donnerstag, 5. Juli, sind der Verwaltungschef und Vertreter von CDU, SPD, Grünen und FDP beim Kreis zu Gast. Ergebnis offen.

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