Tower Barracks
Weitere Vorwürfe gegen US-Kaserne in Dülmen

Der DGB-Kreisvorsitzende, Ortwin Bickhove-Swiderski, ist sauer: „Spätestens nach dem Bericht der Dülmener Zeitung hätte ich erwartet, dass die Dülmener Verwaltungsspitze und die Politik sich mit den schweren Verstößen gegen den Arbeitsschutz in den Tower Barracks befassen.“ 

Freitag, 13.07.2018, 18:06 Uhr

Tower Barracks: Weitere Vorwürfe gegen US-Kaserne in Dülmen
Mit Cadmium belastete Holzkisten sollen auch unter freiem Himmel deponiert gewesen sein. Foto: Markus Michalak

Stattdessen schweige die Lokalpolitik ebenso beharrlich wie die Verantwortlichen der US Army zu den Vorwürfen. „Auch wenn die Stadt Dülmen nicht unmittelbar zuständig ist - eine politische Reaktion auf die Vorwürfe erwarte ich. Und zwar auch von unserer Bürgermeisterin Lisa Stremlau.“

Tatsächlich melden sich nach dem Zeitungsartikel über den sorglosen Umgang mit Cadmium-Staub immer mehr besorgte Beschäftigte. In unserer Redaktion und beim DGB. So berichtet ein Arzt, dass einer seiner Patienten Monate lang Fahrzeuge abschleifen musste, welche die Army in Krisenherden auf der ganzen Welt einsetzt. „Noch liegen die Blutwerte nicht vor, aber es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass auch mein Patient ohne die nötige Schutzausrüstung mit giftigen Substanzen arbeiten musste.“

Cadmium-belastete Holzkisten unter freiem Himmel

Bickhove-Swiderski weiß von Beschäftigten, die über unzumutbare Arbeitsbedingungen in den Lackier-Zelten berichten. Keine Abluft, unzureichender Atemschutz, keine Pausen, stundenlanger Kontakt mit einer undefinierten weißen Staubschicht. Inzwischen ist die Lackiererei laut DGB nach Mannheim ausgelagert worden.

Und die Gewerkschaft hat, wie unsere Zeitung auch, erfahren, dass die mit Cadmium belasteten Holzkisten unter freiem Himmel deponiert waren. „Das Cadmium ist somit in die Luft und ins Grundwasser eingedrungen“, befürchtet Bickhove-Swiderski.

DGB will möglicherweise Staatsanwaltschaft einschalten

Der Deutsche Gewerkschaftsbund stellt klare Forderungen, um die Arbeitsbedingungen für die bei der Army beschäftigten Menschen zu verbessern:
- Das Amt für Arbeitsschutz muss deutsches Arbeitsrecht und deutschen Gesundheitsschutz durchsetzen.
- Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann und die Bezirksregierung müssen sich unverzüglich mit dem Thema befassen.
- Alle Mitarbeiter müssen sofort medizinisch untersucht werden.
- Alle Inspektionsberichte müssen öffentlich gemacht werden.

Sollte weiterhin nichts geschehen, will der DGB nötigenfalls die Staatsanwaltschaft einschalten und den Petitionsausschuss des Landes NRW anrufen.
Inzwischen hat die US Army auf den Bericht der Dülmener Zeitung reagiert. „Wir werden die Vorwürfe umfassend aufklären. Es gelten auf unseren Stützpunkten stets die strengsten Arbeitsschutzregeln, entweder die US-amerikanischen oder die des jeweiligen Gastlandes“, erklärt eine Sprecherin. Zu den konkreten Fragen werde die Army in Kürze Stellung nehmen.

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