Unliebsame Überraschung bei der Wohnungssuche
Phantom-Wohnung angeboten

Greven -

Peter Nierling sucht eine Wohnung. Aber das ist in Greven schwer. Noch ärgerlicher ist es, wenn Phantom-Wohnungen angeboten werden.

Samstag, 11.08.2018, 17:51 Uhr

Peter Nierling sucht eine bezahlbare Wohnung – bislang vergeblich. Der Markt ist angespannt.
Peter Nierling sucht eine bezahlbare Wohnung – bislang vergeblich. Der Markt ist angespannt. Foto: oh

Er hat ein regelmäßiges Einkommen, raucht nicht, hält keine Haustiere. Aus Sicht eines Immobilienbesitzers ein echter Wunsch-Mieter. Und doch ist es für Peter Nierling schwer, ja fast unmöglich, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Spätestens zum 1. November braucht er eine neue Wohnung. Doch schon jetzt weiß er: einfach wird es nicht.

„Es ist in Greven sehr schwer, etwas zu finden“. sagt der 44-Jährige. „Oft sind die Nebenkosten exorbitant hoch.“ Für eine normale Zwei-Zimmer-Wohnung werde in Greven gern mal 500 Euro kalt verlangt. „Das zieht sich so durch“, weiß er nach den ersten Wochen der Suche. Mit Nebenkosten liege man dann schnell bei 700 Euro. „Das ist nicht bezahlbar“, sagt er.

Wohnungssuche auch über soziale Medien

Es gebe in der Stadt schlicht wenige verfügbare Wohnungen – und diese seien dann entsprechend teuer. Es seien eben viele Menschen auf der Suche, das treibe die Preise nach oben. „Da macht sich die Nähe zu Münster bemerkbar“, sagt Nierling. Seine Konsequenz: Er weitet seine Suche inzwischen auch auf Ein-Zimmer-Wohnungen aus, die etwas günstiger zu haben sind, und schaut sich auch im Umland (Emsdetten, Saerbeck) um. Besondere Ansprüche zur Lage hat er ohnehin nicht.

Es ist mysteriös.

Peter Nierling

Natürlich nutzt der Grevener die sozialen Medien, um Freunde und Bekannte zu bitten, an ihn zu denken, wenn sie ein passendes Wohnungs-Angebot sehen. Doch auf seinen Facebook-Aufruf meldete sich nun auch eine Frau, die er gar nicht kannte. Sie gab an, eine Wohnung vermieten zu wollen und lud ihn zur Besichtigung ein. 50 Quadratmeter für 380 Euro kalt.

Einladung zu Phantom-Besichtigung

„Das ist schon okay für Greven. Ein legitimer Preis.“ Peter Nierling erschien zum vereinbarten Zeitpunkt am Treffpunkt – von der vermeintlichen Vermieterin aber keine Spur. Dafür gab der Mieter der Wohnung (die gar nicht zu haben war) Auskunft: Er wohne dort schon 20 Jahre und wolle auch da wohnen bleiben. Nierling und eine weitere erschienene Interessentin waren verdutzt. Erst recht als sie erfuhren, dass neulich schon mal jemand zu einer Besichtigung gekommen sei, die es dann nicht gab.

Es haben sich unheimlich viele gemeldet.

Peter Nierling

Als Peter Nierling anschließend versuchte, die angebliche Vermieterin via Facebook zu erreichen, liefen alle Versuche ins Leere. Sie hatte ihn geblockt. Als Nierling daraufhin via Facebook sein Leid klagte und warnte, stellte sich heraus: auch andere hatten schon negative Erfahrungen mit dieser Person gemacht. „Es haben sich unheimlich viele gemeldet.“ Mal war die angeblich freie Wohnung an der Saerbecker, mal an der König-, mal an der Barkenstraße. Zu einem Mietvertrag kam es nie, wie sich Peter Nierling von den anderen Betroffenen hat berichten lassen.

Derber Spaß um Leute auszuspionieren?

Was die Frau (oder eine Person, die vorgibt, diese Frau zu sein) veranlasst, mit der Not von Wohnungssuchenden zu spielen, bleibt offen. Ein derber Spaß? Der Versuch, Leute auszuspionieren? Eine Art Vorauswahl von interessierten Mietern? „Es ist mysteriös“, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann. Fragen dieser Zeitung ließ die Frau unbeantwortet, an anderer Stelle gab sie an, dass ihr Konto gehackt worden sei – vom Ex, der sie in Verruf bringen wolle. Ob das stimmt? Unklar. „Das Ganze ist und bleibt suspekt“, sagt Nierling. Ein Besuch bei der Polizei brachte nichts ein, da kein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist.

Nierling lässt sich davon nicht beirren und sucht weiter. Natürlich, denn die Uhr tickt. Spätestens in zweieinhalb Monaten muss er etwas gefunden haben.

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