Kurzserie: Gefahr unter Tage
104 Bergleute kamen seit 1960 zu Tode

Tecklenburger Land -

Die Arbeit unter Tage ist gefährlich. 104 Bergleute kamen bei der Ibbenbürener Zeche seit 1960 zu Tode. Bis zum endgültigen Ende der Kohleförderung spielt das Thema Sicherheit für die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH deshalb eine herausragende Rolle. 2017 konnte das Ibbenbürener Bergwerk einen historischen Tiefststand erreichen bei den meldepflichtige Unfällen.

Dienstag, 14.08.2018, 07:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 14.08.2018, 07:00 Uhr
Die Bohrmaschine wird zum Schutz der Bergleute über eine Fernsteuerung in 40 Meter Entfernung gesteuert.
Die Bohrmaschine wird zum Schutz der Bergleute über eine Fernsteuerung in 40 Meter Entfernung gesteuert. Foto: RAG Anthrazit Ibbenbüren

Seit 2010 ist im Revier der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH kein Bergmann mehr tödlich verunglückt. Gefährlich ist es untere Tage natürlich nach wie vor. Bis zum endgültigen Ende der Kohleförderung spielt das Thema Sicherheit für das Unternehmen deshalb eine herausragende Rolle.

2017 konnte das Ibbenbürener Bergwerk einen historischen Tiefststand erreichen: Da gab es 3,0 meldepflichtige Unfälle pro eine Million verfahrene Arbeitsstunden, über Tage gab es gar keinen. Und an 209 Tagen gab es keinen Verbandbucheintrag. „Das ist schon spitze“, sagt Jürgen Kunz, Prokurist bei der RAG Anthrazit Ibbenbüren. Denn natürlich werde wegen eventueller Spätfolgen jeder Kratzer in das Buch eingetragen.

Ganz anders war es noch 1995. Da gab es unter Tage 117 meldepflichtige Unfälle pro eine Million verfahrene Arbeitsstunden, über Tage waren es immerhin noch 16,0.

104 Bergleute kamen in Ibbenbüren seit 1960 zu Tode. Ursache für die tödlichen Unfälle war lange Zeit Steinfall – eine lange tolerierte Unfallursache, bedauert Kunz. „Das gehörte damals dazu, man nahm es hin.“ Später kontrollierte man das Hangende intensiver, es wurde besser gesichert und die Technik verbesserte sich. In den Jahren 1960 bis 1969 gab es insgesamt 44 tödliche Unfälle, 25 Bergleute kamen durch Steinfall ums Leben, acht wurden bei Unfällen mit den Loren (Förderwagen) tödlich verletzt, drei kamen bei Ereignissen am oder auf dem Förderband ums Leben.

Von 1970 bis 1979 kamen 28 Bergleute ums Leben, darunter 15 durch Steinfall, drei durch fallende Gegenstände und drei durch Quetschungen an Maschinenteilen. Erstmals kam es damals zu einem Gas-Kohlen-Ausbruch, bei dem zwei Mitarbeiter starben. „Das Phänomen war vorher gar nicht bekannt.“

Von 1980 bis 1989 wurden 26 Bergleute tödlich verletzt. Gerade in diesen Jahren häuften sich die Gas-Kohle-Ausbrüche. Das schlimmste Unglück erregte 1981 in der ganzen Region Trauer. Damals kamen acht Bergleute ums Leben. Insgesamt waren in dem Jahrzehnt zwölf Bergleute betroffen. Vier kamen um bei Unfällen mit der Hydraulik, drei durch Steinfall, drei beim Transport.

Im Zeitraum von 1990 bis 1999 gab es drei Tote, zwei im Februar 1990 durch einen Gas-Kohle-Ausbruch, einer beim Umgang mit der Hydraulik.

Seit 2000 bis heute sind drei Bergleute getötet worden. Einer bei der Bandfahrung, einer in der Lok unter Tage und einer durch das Umschlagen einer Bohrwagenlafette.

Zum Gedenken an alle im Bergbau verunglückten Bergleute wurde Ende 2017 ein Stein an der Rudolfhalde aufgestellt.

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