Atomkraftgegner und RWE im Gespräch
Urananlage: Keine Annäherung

Gronau -

33 Jahre nach Inbetriebnahme der Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau hat es ein erstes Treffen von Atomkraftgegnern und der RWE als einer der Eigentümer der Betreibergesellschaft Urenco gegeben. Das Gespräch fand im RWE-Tower in Essen statt und brachte keine Annäherung der Standpunkte. Die Verbände und Initiativen kritisierten, dass die RWE-Spitze am unbefristeten Weiterbetrieb der UAA festhält, heißt es in einer Pressemitteilung der Atomkraftgegner.

Dienstag, 21.08.2018, 08:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 21.08.2018, 08:00 Uhr
Immer wieder protestieren Atomkraftgegner gegen die Urananreicherungsanlage. Auch beim Gespräch mit RWE kam es zu keiner Annäherung der Positionen.
Immer wieder protestieren Atomkraftgegner gegen die Urananreicherungsanlage. Auch beim Gespräch mit RWE kam es zu keiner Annäherung der Positionen. Foto: Klaus Wiedau

Das Treffen fand am Donnerstagnachmittag statt. Für Irritationen sorgte im Nachgang, dass der Fund von Waffenteilen in der UAA weder von den RWE-Vertretern noch vom anwesenden Geschäftsführer der Urenco Deutschland angesprochen wurde. Christina Burchert vom Arbeitskreis Umwelt Schüttorf: „Wir fühlen uns verschaukelt, da wir davon ausgehen, dass die Vertreter von RWE und Urenco von dem Vorfall wussten und ihn bewusst verschwiegen haben. Wir hatten das Gefühl, dass das auch für andere Themen des Gesprächs galt.“

Ein Thema war eine mögliche Verknüpfung der Urenco mit dem US-Atomwaffenprogramm. Es gibt Berichte über Vertragsvereinbarungen zwischen dem Urenco-Konzern und der US-amerikanischen Tennessee-Valley-Authority. Demnach soll Urenco künftig angereichertes Uran für den Betrieb von Atomreaktoren liefern. Diese Reaktoren wiederum produzieren Tritium für das US-Atomwaffenprogramm. Es wird für die Sprengköpfe bei Atomwaffen eingesetzt.

„Auf die mögliche Verknüpfung angesprochen, reagierten die Vertreter von RWE und Urenco mit angeblichen Nichtwissen“, heißt es in der Pressemitteilung. Bezüglich der Einhaltung von internationalen Kontrollverträgen (Atomwaffensperrvertrag und Vertrag von Almelo) sähen RWE und Urenco keine eigene Verantwortung. Das läge in der Verantwortung der Politik und der Atomaufsichtsbehörden.

Dr. med. Angelika Claußen, Europavorsitzende der Internationalen Ärzte für Verhütung des Atomkriegs (IPPNW): „Ein solches Maß an systematischer Verantwortungslosigkeit auf der Seite von RWE entsetzt mich. Da frage ich mich: Schüttelt RWE nicht ebenso seine Verantwortung bezüglich seiner Verschmutzungspolitik in Sachen Kohle und Klimawandel ab?“

Bei der Frage nach Verantwortung des Unternehmens für die Lieferkette und die Einhaltung der Menschenrechte beim Abbau und der Verarbeitung des Urans sahen die RWE-Vertreter laut Pressemitteilung der Atomkraftgegner keine Konzernverantwortung.

Laufende Gespräche mit einem US-amerikanisch/japanischen Konsortium über einen möglichen Verkauf der Urenco wurden dementiert. Auch gebe es keinerlei Gespräche mit der Bundesregierung über eine mögliche Entschädigung im Falle einer Stilllegung der Anlage in Gronau.

Die seit Jahren ungenutzten Uranoxid-Halle wird nach Aussage des Urenco-Geschäftsführers vermutlich auch in den kommenden fünf Jahren nicht in Betrieb genommen. Auf Fragen nach dem zu entsorgenden Atommüll aus Gronau erfuhren die Atomkraftgegner, dass Urenco abgereichertes Uranhexafluorid auf seinem Gelände erneut zur Urananreicherung nutze, falls der Kunde nicht über eigene Uranvorräte verfüge.

Obwohl die Initiativen und Verbände die Haltung von RWE als unkooperativ empfanden, wollen sie mit dem Konzern im Gespräch bleiben. „Wir haben einen Katalog mit 25 Fragen erstellt und warten auf die zugesagte Beantwortung“, wird Peter Bastian vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen in der Mitteilung zitiert.

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