Nach der Insolvenz der Bäckerei Bosse
Ein Wirtschaftskrimi vor Gericht

Mettingen/Tecklenburger Land -

Es ist ein echter Wirtschaftskrimi mit vielen, mit jahrelangen Fortsetzungen. Er handelt von der Insolvenz einer gar nicht mal so kleinen Bäckerei im kleinen Dorf Mettingen. Bosse hieß sie. 

Mittwoch, 05.09.2018, 21:47 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 05.09.2018, 17:16 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 05.09.2018, 21:47 Uhr
Das ungenutzte Gebäude der Bäckerei Bosse an der Westerkappelner Straße in Mettingen: Hier soll aber absehbar ein Handwerksbetrieb einziehen. Gegen Ludwig-Eugen Vogt (kleines Foto) wird es Verfahren vor Gericht geben.
Das ungenutzte Gebäude der Bäckerei Bosse an der Westerkappelner Straße in Mettingen: Hier soll aber absehbar ein Handwerksbetrieb einziehen. Foto: Oliver Langemeyer

Zudem spielt der Name des früheren Geschäftsführers Ludwig-Eugen V. eine Rolle. Und tausende E-Mails mit teils sehr heiklen Inhalten. Wie Matthias Bieling, Richter und Pressesprecher am Amtsgericht Münster, auf Anfrage bestätigt, wird sich das Gericht bald mit diesem Wirtschaftskrimi befassen.

Ludwig-Eugen V. wird der Beschuldigte sein. Bevor der erste Termin am Freitag, 21. September, ab 10 Uhr im Saal 16 C des Amtsgerichtes über die Bühne gehen wird, hier eine kleine Chronologie dieses außergewöhnlichen Vorgangs:

► 2008: V. steigt als kaufmännischer Leiter in die Bäckerei Bosse ein.

►2008: Neugründung als B.O.S.S.E. GmbH

►April 2012: Umfirmierung „Meisterbäckerei 100 Jahre Backkultur GmbH“

►August 2012: Das Unternehmen hat 291 Beschäftigte, 30 Filial-Standorte

►Mitte August 2012: Nach gescheiterten Vergrößerungsplänen treten Liquiditätsprobleme auf. Ein Insolvenzantrag wird gestellt und wenige Tagen später wieder zurückgezogen.

►Mitte August 2012: Nur wenige Tage später kommt es erneut zum Insolvenzantrag. Ein Rechtsanwalt wird zum Insolvenzverwalter bestellt. Das Unternehmen soll saniert und fortgeführt werden.

►Ende August 2012: Es gibt einen schon länger dauernden Rechtsstreit vor dem Landgericht zwischen den Alteigentümern der Bäckerei Bosse und Ludwig-Eugen V., ob die Verträge zur Übertragung des Unternehmens an Vogt rechtsgültig sind. V. unterliegt am Landgericht, das Oberlandesgericht in Hamm bestätigt das Urteil. Die Verträge müssten rückabgewickelt werden. Der Insolvenzverwalter hält an seinen Sanierungsplänen fest und versucht, zu vermitteln.

►Anfang Oktober 2012: In den Räumen der Bäckerei in Mettingen gibt es einen Polizeieinsatz. Eine scharfe Waffe und Munition werden in einem Hotel in Ibbenbüren, wo V. zeitweise wohnt, gefunden. Verfahrensbeteiligte sollen bedroht worden sein. Die Waffe gehört V.. Er wird vorläufig festgenommen und verbringt eine Nacht in Polizeigewahrsam. Bedroht worden sein soll unter anderem der Insolvenzverwalter. Er wird polizeilich als Zeuge vernommen.

►Anfang Oktober 2012: Es wird bekannt, dass bei der Staatsanwaltschaft (Wirtschaftsabteilung) gegen V. wegen Steuerhinterziehung Ermittlungen laufen.

►Ende März 2013: Das Bäckerei-Unternehmen Coors aus Osnabrück übernimmt 16 Bosse-Filialen und expandiert ins Tecklenburger Land.

►Ende März 2013: V. erhebt über Monate und Jahre hinweg in zahllosen E-Mails, in Anträgen, Strafanzeigen und Publikationen im Internet schwerste Vorwürfe. Er äußert maßlose, beleidigende und rechtlich relevante Vorwürfe gegen alle Verfahrensbeteiligten, unter anderem auch gegen die Kreissparkasse Steinfurt. V. schaltet die Staatskanzlei NRW ein, den Direktor des Amtsgerichtes Münster, die damalige NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die Staatsanwaltschaft in Münster, das Bundeskanzleramt, das Amtsgericht Bielefeld, das OLG in Hamm, das Präsidium des NRW-Landtages, den NRW-Petitionsausschuss, den Präsidenten des Landgerichtes Münster und viele andere mehr. Er macht Schadenersatzansprüche in erheblicher Millionenhöhe geltend.

►Anfang Juni 2013: Vor dem Amtsgericht Ibbenbüren soll gegen V. wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verhandelt werden. Er erscheint nicht vor Gericht. Er wohnt im französischen Elsass nahe Straßburg.

►Seit 2013: V. setzt Feldzug mit Unmengen von E-Mails und auch Buch- und sonstige Veröffentlichungen im Internet fort.

►Heute: Nach einer Termin-Mitteilung der Justizbehörden in Münster wird es vor dem Amtsgericht ein Verfahren gegen Ludwig-Eugen V., der inzwischen 62 Jahre sein dürfte, geben. Dafür sind die teils seit langer Zeit laufenden Verfahren an weiteren Gerichten zusammengefasst worden. So könnten nun der Waffenbesitz, die Bedrohung, die Steuerhinterziehung und auch Wirtschaftsstrafsachen verhandelt werden. Vier Prozesstage sind angesetzt worden.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6029548?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Nachrichten-Ticker