Verkehrsinfrastruktur im Münsterland
Lückenschluss: Baustart für letzten B67n-Abschnitt

Münster -

Unter einer Stunde von Münster nach Bocholt? Ist mit dem Auto kaum zu schaffen. Wenn man Verkehrsregeln halbwegs ernst nimmt – und andere Verkehrsteilnehmer auch. Weniger als 60 Minuten für die rund 83 Kilometer sind ein Ziel. Erreichbar ist das aber erst, wenn die B 67n als kreuzungsfreie Schnellstraße zwischen Isselburg und Dülmen endlich fertig gebaut ist.

Freitag, 14.09.2018, 06:30 Uhr
Bis Reken ist die B67n von Westen kommend befahrbar. Montag ist offiziell Baustart für den restlichen Abschnitt bis Dülmen.
Bis Reken ist die B67n von Westen kommend befahrbar. Montag ist offiziell Baustart für den restlichen Abschnitt bis Dülmen. Foto: Gunnar A. Pier

Am Montag beginnen offiziell die Arbeiten am letzten Teilabschnitt. Die neue Bundesstraße wird zwischen Reken und Dülmen weitergebaut. 15,6 Kilometer, drei Spuren, fünf Jahre Bauzeit, rund 80 Millionen Euro Kosten. Die Zahlen muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Was die verkehrliche Erschließung angeht, hat das Münsterland ein Problem. Von Nord nach Süd ist die Verbindung gut, A 1 und A 31 sei Dank. In West-Ost-Richtung wird’s hingegen dünne. Im Süden liegt die A 2, im Norden die A 30. Schnelle Verbindungen dazwischen gibt es nicht.

Das darf so nicht bleiben! Dachten bereits Mitte der 1960er Jahre IHK und Landschaftsverband Westfalen-Lippe, zu dem damals noch die Straßenbauverwaltung gehörte. 1968 legten beide den Plan für eine neue „Ersatzbundesstraße 67“ vor. Ein Jahr später landete der erste Mensch auf dem Mond. Klar: Seitdem ist viel passiert, fertig ist die Straße aber immer noch nicht.

Anziehungskraft für Unternehmen

Im aktuellen Bundesverkehrswegeplan 2030 steht: Die B 67n diene der „Abwicklung großräumiger Verkehre“. Nüchtern-pragmatischer kann man es kaum formulieren. Eine gute Erreichbarkeit macht Räume vor allem attraktiv. Von der „Anziehungskraft für Unternehmen“ sprach mit Blick auf die B 67n im Mai der Landrat des Kreises Coesfeld, Christian Schulze Pellengahr. Das gilt natürlich auch für Otto Normalbürger.

Im Westen Münsters die B 67n, im Osten, quasi als Verlängerung Richtung OWL, die B 64n. Im Westmünsterland liefen die Planungen zeitweise zähflüssig, aber sie liefen – auch, weil ab 2004 eine Unternehmer-Initiative Dampf machte.

Größere Widerstände

1981 wurde der erste Abschnitt zwischen Borken und Reken „unter Verkehr genommen“. 1993 folgte der zweite zwischen Isselburg und Bocholt, 2006 der dritte von Bocholt nach Rhede, 2010 der zwischen Rhede und Borken. Im Osten des Münsterlandes waren die Widerstände immer schon größer. Folglich sind die B-64n-Planungen auch noch nicht so weit gediehen .

Dennoch: mehr als 50 Jahre für den Bau einer Bundesstraße. IHK-Verkehrsexperte und Geschäftsführer Joachim Brendel hält das für grenzwertig. „Das kann man niemandem erklären“, sagt er. Und schiebt nach: „Die Prozesse in und zwischen den beteiligten Behörden sollten evaluiert und wo nötig optimiert werden.“

Gertrud Schulze Spüntrup arbeitet seit Beginn der 1980er Jahre beim Landesbetrieb Straßen-NRW: Sie kennt das B-67n-Projekt aus dem Effeff. „Für den Abschnitt zwischen Dülmen und Reken wurde das Planfeststellungsverfahren erstmals 1981 eingeleitet“, erzählt sie. Dann kam die „Rolle rückwärts“, weil „das Gebiet sensibel“ ist und der damals noch recht neue Naturschutzgedanke auf einmal mächtig wurde.

Trasse neu geplant

Das Verfahren wurde gestoppt, die Trasse komplett neu geplant. Erst 2010 – fast 30 Jahre später – leiteten die Behörden das Planfeststellungsverfahren erneut ein. Umweltschützer murrten zwar, klagten aber nicht. „Unter Würdigung aller Belange haben wir die beste Linienführung erarbeitet“, sagt Schulze Spüntrup.

2023 sollen also auch über den letzten Abschnitt die Au­tos rollen. Die gesamte Strecke ist dann kreuzungsfrei und wechselseitig zweispurig befahrbar. 56 Jahre nachdem die Idee geboren wurde. Deutlich unter einer Stunde Fahrzeit von Münster nach Bocholt: „Das ist dann Realität und ein Gewinn für die Menschen und die Unternehmen in der gesamten Region“, sagt Brendel.

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