Sexuelle Gewalt in der Kirche
Bistum Münster legt neue Zahlen vor

Münster -

Das Bistum Münster will am kommenden Dienstag, 25. September, auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz aktuelle Zahlen zum Thema „Sexuelle Gewalt“ im Bistum Münster vorlegen. Dies teilte Bistumssprecher Dr. Stephan Kronenburg am Dienstag mit. Zuvor wird die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer turnusmäßigen Herbstvollversammlung in Fulda die Ergebnisse ihrer in Auftrag gegebenen Studie präsentieren.

Dienstag, 18.09.2018, 19:36 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.09.2018, 19:02 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 18.09.2018, 19:36 Uhr
Blick auf den Paulus-Dom: Das Bistum Münster will parallel zur Bischofskonferenz am kommenden Dienstag aktuelle Zahlen der Studie zum Thema Missbrauch in der Katholischen Kirche vorstellen.
Blick auf den Paulus-Dom: Das Bistum Münster will parallel zur Bischofskonferenz am kommenden Dienstag aktuelle Zahlen der Studie zum Thema Missbrauch in der Katholischen Kirche vorstellen. Foto: Gunnar A. Pier

Belastbare Zahlen wurden zuletzt vor zwei Jahren veröffentlicht. Damals berichtete die „Neue Osnabrücker Zeitung“, dass von 2011 bis 2016 mehr als 6,4 Millionen Euro von Seiten der deutschen Kirche an Opfer sexuellen Missbrauchs gezahlt wurden. Im Bistum Münster wurden danach 122 Anträge von Opfern sexueller Gewalt anerkannt. An diese floss eine Summe von rund 862.000 Euro.

Missbrauchsfälle an Minderjährigen

Nach der 2010 vom deutschen Jesuiten und Schul­direktor Klaus Mertes in Berlin ausgelösten Debatte und Untersuchung zum Missbrauch in der Katholischen Kirche wurden 2010 im Bistum Münster erste Zahlen offengelegt. Zwischen 1948 und 2009 gab es im Bistum Münster nach den damaligen Erkenntnissen der Kommission unter dem langjährigen Regens und späteren Pfarrdechanten von Dülmen, Hans Döink, etwa 60 Priester von insgesamt 4000 Klerikern, die in Fälle sexueller Gewalt verstrickt waren. Das waren rund 1,5 Prozent des Gesamtklerus. Die meisten Fälle lagen schon länger zurück. Aus der Zeit von 2002 bis 2010 lagen der Kommission damals zehn Meldungen vor.

Davon bestätigten sich vier als Missbrauchsfälle an Minderjährigen, in einem Fall war das Opfer volljährig, in vier Fällen wurde kein Missbrauch festgestellt, die Ermittlungen in einem Fall liefen noch. Von den zehn Meldungen gingen sieben zur Staatsanwaltschaft, es gab vier Verurteilungen, zwei Einstellungen, ein Verfahren war noch nicht abgeschlossen. Aus dem Zeitraum 1948 bis 2001 gab es 56 Beschuldigte, 27 waren damals schon verstorben.

Von 29 verbleibenden Fällen wurden 23 Untersuchungen abgeschlossen, sechs liefen noch. Von den 29 Fällen gingen 17 zur Staatsanwaltschaft, zwölf Opfer wünschten keine Meldung an die Staatsanwaltschaft. Bei den 23 abgeschlossenen Fällen gab es acht Dienst-Entpflichtungen und zehn Freisprüche. Eine kirchenrechtlich endgültige Suspendierung vom Dienst werde, so hieß es damals, wurden nach Auskunft von Bischof Felix Genn erst nach erwiesener Schuld ausgesprochen.

Klare Worte von Münsters Bischof

Der Bischof von Münster hat erst kürzlich, nachdem erste Zahlen der neuen Gesamtstudie durchsickerten, eine bessere Machtverteilung zwischen Bischöfen, Priestern und Laien gefordert und von einer notwendigen Abkehr vom Klerikalismus gesprochen.

Neue Studie ist auf dem Postweg in die Diözesen

Wie der Evangelische Pressedienst berichtete, kommt die Deutsche Bischofskonferenz nun offenbar der Forderung nach, die Studie zu sexuellem Missbrauch durch katholische Kleriker umgehend allen Bischöfen zur Verfügung zu stellen. Die Untersuchung sei inzwischen auf dem Postweg zu den Bischöfen, sagte ein Sprecher der Bischofskonferenz der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstag). Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hatte am Vortag kritisierte, dass die im Auftrag der Bischofskonferenz erstellte Studie einzelnen Medien vorliege, nicht aber den Bischöfen. Er forderte, sie müsse „jetzt und sofort“ allen Bischöfen zugänglich gemacht werden.

Zwischen 1946 und 2014: Über 3600 Missbrauchs-Fälle

Die Deutsche Bischofskonferenz will die von Wissenschaftlern aus Mannheim, Heidelberg und Gießen erstellte Untersuchung, die sogenannte MHG-Studie, am Dienstag kommender Woche in Fulda vorstellen. Zuvor hatten das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und die Wochenzeitung „Die Zeit“ erste Zahlen daraus veröffentlicht. Danach sollen sich zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 Kleriker an 3677 überwiegend männlichen Minderjährigen vergangen haben.

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