Überraschende Entwicklung im Brandstifterprozess
Gibt es ein Geständnis des Ladeninhabers ?

Westerkappeln/Münster -

Im Prozess um die Brandstiftung im Westerkappelner Orientladen in der Nacht zum 7. Februar deutet sich eine überraschende Entwicklung an. Möglicherweise wird der Ladeninhaber doch ein Geständnis ablegen.

Donnerstag, 20.09.2018, 10:48 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.09.2018, 14:10 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 20.09.2018, 10:48 Uhr
Der Ladeninhaber (hier rechts verdeckt durch einen Hefter) hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Jetzt will er sich vielleicht doch einlassen.
Der Ladeninhaber (hier rechts verdeckt durch einen Hefter) hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Jetzt will er sich vielleicht doch einlassen. Foto: Oliver Werner

„Es ist von unserer Seite aus angeregt worden, Gespräche über eine Verständigung zu führen“, sagt der Osnabrücker Rechtsanwalt Joë Thérond, der den 27-Jährigen zusammen mit Martin Nitzschmann (Kreuzau) verteidigt, auf WN-Anfrage. Dabei stehe die Frage im Raum, welches Strafmaß das Gericht im Falle einer glaubhaften Einlassung für angemessen hielte. „Es kommt darauf an, wie jetzt die Weichen gestellt werden“, erklärt Thérond, der übrigens auch den 16-jährigen Westerkappelner vertritt, der wegen versuchten Mordes an einem 22-Jährigen in der Nacht zum Ostermontag angeklagt ist. Dieses Schwurgerichtsverfahren gegen den Jugendlichen und zwei mutmaßliche Komplizen beginnt – wie berichtet – in der kommenden Woche.

Ob es im Brandstifterprozess zu einer Absprache kommt, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft habe sich am jüngsten Verhandlungstermin am Montag, als der Vorschlag gemacht worden sei, noch nicht dazu äußern wollen, sagt Thérond.

Bislang haben der Westerkappelner Ladeninhaber und sein ein Jahr jüngerer Bruder zu den Vorwürfen eisern geschwiegen. Sie waren zu Prozessbeginn von den 22 und 23 Jahre alten ausführenden Tätern als Auftraggeber für die Brandstiftung schwer belastet worden. Lange sah es so aus, als könne den Brüdern kein Kontakt zu den angeklagten und bei der Explosion schwer verletzten Irakern nachgewiesen werden. Ausgewertete Handydaten scheinen nun aber darauf hinzudeuten, dass es doch eine direkte Verbindung gab. „Die Tendenz geht wohl in Richtung Verurteilung“, meint eine der Nebenkläger-Anwälte zu entsprechenden Hinweisen es Gerichts.

Indes werden die Anklagen wegen versuchten Mordes gegen die vier Beschuldigten möglicherweise fallen gelassen. Das Gericht habe durchblicken lassen, das Verfahren vielleicht auf das Brandstiftungsdelikt beschränken zu wollen, bestätigt Thérond. Der Vorwurf einer Tötungsabsicht ist nach seinen Worten auch nicht mehr gerechtfertigt. So habe der Ladeninhaber im Vorfeld der Tat auf den Einbau einer Brandschutztür bestanden, die das Geschäft und das Treppenhaus zu den darüberliegenden Wohnungen trennt. Überdies sei eine Explosion unbeabsichtigt gewesen, weist Thérond auf die Aussagen der Brandstifter und ein Sachverständigengutachten hin.

Die beiden Iraker hatten in dem Laden mehrere Liter Benzin ausgeschüttet. Der Kraftstoff verflüchtigte sich, so dass eine hochexplosives Benzin-Luft-Gemisch entstanden war. Bei der Detonation und dem anschließenden Feuer wurde bis auf die beiden Täter niemand ernsthaft verletzt. Zwei Bewohner hatten lediglich eine leichte Rauchvergiftung davongetragen.

Das Verfahren gegen die vier Männer wird am Freitag fortgesetzt. Laut bisherigem Terminplan sollen am Mittwoch der kommenden Woche die Plädoyers gehalten werden. Das Urteil wird für Freitag erwartet. Ob es bei diesem Ablauf bleibt, hängt aber wohl auch von einer möglichen Verständigung der Prozessbeteiligten und damit einhergehenden einer Einlassung des Ladeninhabers aus.

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