Landgericht Münster: Beihilfe zum Drogenhandel
Mit Marihuana-Plantage zur eigenen Harley

Münster -

Auf dem Parkplatz des Landgerichts Münster stehen schwere Maschinen. Im Gerichtssaal 23 sitzen die dazu passenden, schwere Jungs, in Kutten und mit Tatoos in den gespannten Gesichtern und auf den massigen Armen. Gut 50 Rocker haben sich am Donnerstag freigenommen, um bei der Verhandlung gegen zwei Angeklagte aus Greven und Ibbenbüren anwesend zu sein.

Freitag, 21.09.2018, 16:15 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 21.09.2018, 15:50 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 21.09.2018, 16:15 Uhr
 
  Foto: Zoll

Wohl zur Unterstützung der Angeklagten. Denen nicken sie in den Pausen immer wieder zu, zeigen mit beiden Daumen nach oben. Aber sie hören auch gespannt zu, was Zeugen über die Machenschaften des Rockerclubs Bandidos Steinfurt und anderer Clubs zu sagen haben.

Auf der Anklagebank sitzt ein 58-jährige Grevener. Das T-Shirt des gelernten Betriebsschlossers verrät seine Leidenschaft: Harleys. Leider konnte sich der Präsident des Rockerclubs White-Bunch Ibbenbüren eben diese nicht leisten.

Der Mann wollte offenbar bei der Rockervereinigung Bandidos andocken – aber ohne eigene Harley Davidson in eines ihrer Chapter eintreten? Keine Chance!

Tipp von Steinfurter Bandidos-Präsident 

Um seinen Motorrad-Traum doch noch zu verwirklichen, schlug ihm ein guter Freund laut Anklage einen lukrativen Nebenverdienst vor. Der damalige Präsident der Bandidos Steinfurt habe ihm den Tipp gegeben, einer Gruppe von Holländern, die im großen Stil mit Drogen handelte, Räumlichkeiten für eine Marihuana-Plantage zu vermitteln.

Bis zu 40 Kilo verkaufsfertige Drogen pro Ernte – das Kilo wollten die Niederländer für 3000 Euro an den Mann bringen. Die Experten übernahmen die Gärtnerarbeiten. Der Angeklagte sollte 50 Prozent der Einnahmen erhalten, heißt es in der Anklageschrift.

Erste Etage des Clubhauses zum Hanf-Anbau genutzt

Gemeinsam mit dem Vizepräsidenten der White-Bunch-Rocker, der neben ihm auf der Bank sitzt, soll der Angeklagte aus Greven einen anderen Freund involviert haben. Dieser machte mit, stellte ab Oktober 2014 den Keller seines Einfamilienhauses, in Rheine zur Verfügung. Auch die erste Etage des Clubhauses der Wild-Bunch in Ibbenbüren wurde laut Staatsanwaltschaft zum Anbauen von Hanfpflanzen genutzt.

Nicht nur Drogen-Verkauf, wird den Angeklagten vorgeworfen. Sondern auch Strom-Klau: Das Überbrücken der Stromzähler für die Hanfplantage ersparte rund 6000 Euro bei der Energierechnung.

Bereits 2015 wurden die Plantagen von der Polizei entdeckt. Das Amtsgericht Ibbenbüren hatte den Angeklagten damals freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft Münster legte jedoch Berufung ein. Es sind vier weitere Verhandlungstage angesetzt, an denen auch die Holländer verhört werden sollen.

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