Salzgrotte auf Rädern
Silly genießt Meeresluft im Pferdehänger

Ochtrup -

Meeresklima tut nicht nur Menschen gut, sondern auch Pferden. Weil ihre Stute Silly an einem anhaltenden Husten litt, hat Ramona Lücker aus einem normalen Pferdeanhänger ein Sole-Mobil gemacht. Dem deutschen Reitpony ging es schnell besser und es genießt immer noch gelegentliche Wellness-Anwendungen.

Freitag, 28.09.2018, 07:09 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 28.09.2018, 06:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 28.09.2018, 07:09 Uhr
Um ihrer Silly zu helfen, hat Ramona Lücker ein Sole-Mobil für Pferde angeschafft, in dem sie künstlich ein Meeresklima erzeugt.
Um ihrer Silly zu helfen, hat Ramona Lücker ein Sole-Mobil für Pferde angeschafft, in dem sie künstlich ein Meeresklima erzeugt. Foto: Heidrun Riese

Eine mobile Salzgrotte für Pferde? Wer zum ersten Mal von dieser Idee hört, rümpft bei der Vorstellung vielleicht die Nase. Tatsächlich hat Ramona Lücker genau zu diesem Zweck einen handelsüblichen Hänger mit der entsprechenden Technik zum Vernebeln einer Solelösung ausgerüstet – damit es den wiehernden Vierbeinern ein bisschen in den Nüstern sowie im Hals kitzelt und sie anschließend frei durchatmen können.

Mit Medikamenten nicht lösbar

Alles begann damit, dass ihr eigenes Pferd im Sommer vergangenen Jahres mit andauerndem Husten zu kämpfen hatte. In einer Klinik in Dülmen wurde dem Leiden von „Don‘t be silly“, die aber immer nur Silly genannt wird, mit Röntgenaufnahmen und Bronchoskopie auf den Grund gegangen. „Da war festsitzender Schleim in der Lunge, der sich mit Medikamenten nicht lösen ließ“, berichtet die Ochtruperin, die vom Tierarzt zwei Möglichkeiten aufgezeigt bekam.

Entweder müsse die Stute für ein halbes Jahr an die Nordsee oder aber sich einer Lungenspülung unterziehen, die mit einem einwöchigen Aufenthalt in der Klinik und mehrere Infusionen verbunden gewesen wäre. Für Ramona Lücker kam weder die eine noch die andere Option infrage. „Das war keine so schöne Vorstellung“, blickt sie zurück. „Wer möchte sein Pferd schon für eine so lange Zeit weggeben? Und eine Lungenspülung ist auch nicht ohne.“

Wie die Luft nach einem Gewitter

So begab sich die 32-Jährige im Internet auf die Suche nach einer Alternative und stieß auf die Idee mit dem Sole-Mobil, das sie schließlich für ihre Stute anschaffte. Von außen sieht es erstmal wie ein ganz normaler Pferdehänger aus. In der Sattelkammer befindet sich allerdings keine Reitausrüstung. Dort verbirgt sich die Technik. „Umweltluft wird in Reinsauerstoff und negative Ionen zerlegt“, erklärt Ramona Lücker das Verfahren.

Den damit erzeugten Effekt beschreibt sie folgendermaßen: „Das ist wie Frischluft nach einem Gewitter.“ Es fühle sich nicht nur gut an, die hohe Sauerstoffkonzentration helfe dem Körper außerdem dabei, die Totes-Meer-Salzlösung, die für das gewünschte Klima vernebelt wird, aufzunehmen. Letztlich funktioniert eine Salzgrotte für Pferde also genau wie eine für Menschen. Nur sieht der Raum ein bisschen anders aus – eben wie ein ganz normaler Pferdehänger, in dem durch eine Öffnung auf Nasenhöhe die angenehme Luft herausströmt.

Auch das Pferd merkt den Effekt

Daran, wie Silly ihre Nüstern dem weißen Nebel entgegenstreckt, ist zu erkennen: Auch das Pferd merkt den Effekt. Das deutsche Reitpony genießt die gelegentlichen Wellness-Anwendungen, mit denen seine Besitzerin mittlerweile auch ein Nebengewerbe betreibt und sowohl Pferde am eigenen Stall behandelt als auch mit dem Hänger zu anderen Höfen fährt. Und das Ergebnis lässt sie selbst immer wieder staunen: „Schon beim ersten Mal war bei Silly nach nur 25 Minuten ein Blubbern zu hören. Da hat sich bereits der Schleim gelöst, und nach ein paar Tagen war bereits eine Besserung festzustellen.“ Auch jetzt läuft nach kurzer Zeit bereits wieder die Nase.

Die Hälfte aller Pferde betroffen

Erkrankungen der Atemwege, wie bei der braunen Stute, oder der Haut, aber auch Allergien seien übrigens gar nicht so selten. Von ihrem Tierarzt hat Ramona Lücker die Information erhalten, dass mittlerweile die Hälfte aller Pferde darunter leide. „Tendenz steigend.“ Genau wie den Menschen tut auch den Tieren der kurze Aufenthalt im künstlich erzeugten Meeresklima gut. Er sei auch zur Regeneration von Turnierpferden geeignet oder sorge als natürliches Dopingmittel für einen Leistungsschub. „Vor allem aber stärkt es das Immunsystem“, betont die Och­truperin, die den Tierarzt in diesem Jahr nur zum Impfen bestellen musste. „Ich sage immer: Vorsorge ist besser als Nachsorge.“ Das gefällt auch Silly, deren Nüstern sich schon wieder weiten, als sich salzige Nebelschwaden im Pferdehänger ausbreiten. Nicht nur Menschen genießen die Meeresluft.

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