Gefährdete Nutztierrassen im Münsterland
Maria Büning hat ein Herz für gefährdete Tiere

Laer -

Über 170 Rassen stehen auf der Roten Liste der bedrohten Nutztiere in Deutschland. Maria Büning hält auf ihrem Hof gleich mehrere, unter anderem 500 Bunte Bentheimer Schweine. Sie hat ein Herz für die alten Rassen.

Samstag, 20.10.2018, 17:40 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 20.10.2018, 14:48 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 20.10.2018, 17:40 Uhr
Im Gehege bekommen die Bunten Bentheimer Schweine von Bäuerin Maria Büning auch mal eine Streicheleinheit.
Im Gehege bekommen die Bunten Bentheimer Schweine von Bäuerin Maria Büning auch mal eine Streicheleinheit. Foto: Wilfried Gerharz

Wenn Maria Büning über das Gatter in das Gehege klettert, grunzen die Schweine noch ein bisschen lauter als sonst. Denn oft hat die Bäuerin Leckereien dabei – oder eine Streicheleinheit. Die Schweine fühlen sich wohl, da ist sich Büning sicher. Auf ihrem Hof in Laer hält sie keine gewöhnlichen Mastschwe ine, sondern Bun te Bentheimer. Die Rasse wäre beinahe ausgestorben. Deshalb hat sich Büning für die Tiere entschieden: um sie zu erhalten.

500 Bunte Bentheimer im Laer

„Es gab nur noch einen Züchter, der an den Tieren festgehalten hat“, sagt Büning. Alte Rassen wurden von fleischreicheren verdrängt. Ihr Mann Martin und sie haben vor über 20 Jahren Zuchttiere übernommen. Heute haben sie etwa 500 Bunte Bentheimer, ausschließlich Masttiere. Ferkel bekommt Maria Büning von einem anderen Landwirt.

Die „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ (GEH) stuft die Bunten Bentheimer als stark gefährdet ein. Und das, obwohl es in Deutschland rund 450 eingetragene Zuchttiere gibt. „Erst ab 5000 Zuchttieren gilt eine Rasse als nicht mehr gefährdet“, sagt Büning. „Da liegt noch viel Arbeit vor uns.“

Gefährdete Nutztiere auf Hof Büning

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  • Etwa 500 Bunte Bentheimer Schweine leben auf dem Hof von Maria Büning – und fühlen sich ganz offensichtlich wohl.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schweine leben in offenen Ställen und verbringen das ganze Jahr draußen. Unterstände und Stroh bieten Schutz gegen Regen und Kälte.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Auch die Bunten Bentheimer holen sich gerne mal eine Streicheleinheit von Maria Büning ab.

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  • Neugierig stecken die Bunten Bentheimer ihre Nasen durch die Gatter ihrer Gehege. Grunzend und quiekend scheinen sie das Geschehen auf dem Hof zu verfolgen.

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  • Auch die Shropshire-Schafe, die auf der Streuobstwiese das Unkraut vernichten, gelten als gefährdet

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  • Die Shropshire-Schafe bekommen ab und zu auch mal eine Streicheleinheit.

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  • Die Les-Bleus-Hühner sind bei vielen Kunden von Maria Büning sehr beliebt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Les-Bleus-Hühner sind bei vielen Kunden von Maria Büning sehr beliebt.

    Foto: Wilfried Gerharz

"Genetische Vielfalt" und "landwirtschaftliche Prägung"

Dass es Höfe wie den der Bünings gibt, hält die Landwirtschaftskammer NRW für sehr wichtig. Vor allem, „um die genetische Vielfalt zu konservieren“, wie Pressesprecher Bernhard Rüb sagt. Außerdem hätten viele Rassen eine „landschaftsprägende Wirkung“. Deshalb gibt es seit über 20 Jahren ein Förderprogramm für Landwirte, die bedrohte Nutztierrassen züchten und halten. Für eine Zuchtsau mit einem Gewicht von über 50 Kilogramm bekommt ein Landwirt pro Jahr 100 Euro, für andere Schweine sind es 60 Euro.

„Das ist schon sehr wenig“, findet Maria Büning. Sie beantragt die Fördermittel jedoch generell nicht, da sie dafür zu wenig Zuchttiere hat. „Aber ich brauche die Tiere auch nicht für die Zucht, sondern für die Vermarktung von Fleisch“, so die Landwirtin.

Es geht um Produkte, die effektiv sind.

Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer

Dass einige Rassen mehr und mehr verschwinden, liegt laut Rüb auch an den Wünschen der Verbraucher. So werden Tiere ebenso wie Getreide und Obst auf Wirtschaftlichkeit, Krankheitsresistenz und Leistung gezüchtet. „Es geht um Produkte, die effektiv sind“, sagt Rüb. So sei das Fleisch der Bunten Bentheimer fetter als das anderer Mastschweine, und das entspreche nicht den Wünschen der Verbraucher. Daraus resultiert laut Rüb auch, dass sich Zucht sowie Haltung gefährdeter Rassen kaum lohne: „Leben kann man davon nicht.“

Bäuerin Maria Büning sieht das anders. Auf ihrem Hof leben mit dem Schwarz-bunten Niederungsrind und dem Roten Höhenvieh noch andere gefährdete Rassen. Im Hühnerstall sind die als gefährdet eingestuften Westfälischen Totleger und Vorwerkhühner zu Hause. Das Fleisch verkauft sie seit Jahren auf Märkten in Münster und Nottuln sowie direkt auf dem Hof. Kunden gebe es genügend, sagt sie.

Für viele Bauern sind die alten Rassen nur ein Hobby. Es geht aber auch in größerem Stil.

Maria Büning

„Man muss den Verbrauchern aber viel erklären“, weiß Büning aus eigener Erfahrung. Zum Beispiel, warum das Fleisch fetter und marmoriert sei. Büning weiß, dass viele Landwirte die bedrohten Tierrassen als Hobby halten: „Es geht aber auch in größerem Stil.“

Büning hat keinen Acht-Stunden-Tag

Für die Bäuerin haben die alten Rassen viele Vorteile. So seien die Bunten Bentheimer robuster. Sie leben das ganze Jahr in offenen Ställen, Unterstände und Stroh schützen vor Kälte und Regen. Eintauschen möchte die Bäuerin ihre Schweine nicht. Obwohl Tiere und Hof täglich mehr als acht Stunden Arbeit bedeuten, macht Maria Büning alles mit ganzem Herzen: „Anders geht es sowieso nicht.“

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