Ein Stück Dorfgeschichte zerstört
Bankräuber stecken Fluchtfahrzeug in Brand und vernichten historische Kapelle

Warendorf-Einen -

Alfons Schulze Osthoff spricht von einer „sinnlosen Aktion des Vandalismus“. Die Kapelle auf seinem Hof ist ein Stück Dorfgeschichte, die jetzt zerstört wurde. Der Brand steht laut Polizei vermutlich mit dem gesprengten Bankautomaten in der Warendorfer Innenstadt im Zusammenhang. Die Bankräuber entledigten sich in der Kapelle ihres Fluchtfahrzeuges, indem sie den Roller ansteckten. Löscharbeiten brachten sowohl das Fahrgestell sowie die Überreste zweier Geldkassetten zum Vorschein.

Montag, 15.10.2018, 07:40 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 15.10.2018, 02:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 15.10.2018, 07:40 Uhr
Im Zuge des Brandes stürzte das Gewölbe der Kapelle teilweise ein und diverse Kunstschätze, wie Grabplatten aus dem 19. Jhdt wurden unwiederbringlich zerstört.
Im Zuge des Brandes stürzte das Gewölbe der Kapelle teilweise ein und diverse Kunstschätze, wie Grabplatten aus dem 19. Jhdt wurden unwiederbringlich zerstört. Foto: Niels Peter Wissmann

Alfons Schulze Osthoff traute seinen Ohren kaum. Er stand gerade vor dem Spiegel und rasierte sich, als es plötzlich durchs Haus schallte: die Hofkapelle steht in Flammen. Schulze Osthoff, der selber 40 Jahre Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr war, unter anderem stellvertretender Zugführer in Einen, sah dann schon die Katastrophe: meterhohe Flammen schlugen aus den Bleiglasfenstern der historischen Kapelle. Dank des Einener Löschzuges, der schnell vor Ort war, konnte ein komplettes Abbrennen der Kapelle verhindert werden.

Der Brand steht laut Polizei vermutlich mit dem gesprengten Bankautomaten in der Warendorfer Innenstadt im Zusammenhang. Die Bankräuber entledigten sich in der Kapelle offensichtlich ihres Fluchtfahrzeuges, indem sie den Roller ansteckten. Löscharbeiten brachten sowohl das Fahrgestell sowie die Überreste zweier Geldkassetten zum Vorschein.

"Seele des Hofes"

Für Alfons Schulze Osthoff sowie viele Einener ist die Kapelle ein Stück Dorfgeschichte, die jetzt zerstört wurde. Die Kapelle ist Teil der Flurprozession in Einen. Auch wurden hier verstorbene Familienmitglieder, unter anderem Schulze Osthoffs Eltern, vor deren Begräbnis aufgebahrt. Die zwischen 1850 und 1880 erbaute und seit mehr als 30 Jahren unter Denkmalschutz stehende Kapelle hatte einen schweren Hofbrand (4. Juli 1911), zwei Weltkriege und viele Generationen unbeschadet überstanden. Bis jetzt.

Alfons Schulze Osthoff spricht von einer „sinnlosen Aktion des Vandalismus“. Zerstört wurden durch das Feuer zwei über 100 Jahre alte Grabplatten aus Sandstein, sie waren den Urgroßeltern von Alfons Schulze Osthoff gewidmet. Diese Grabplatten und diverse andere Kunstgegenstände, wie ein alter Altartisch aus massiver Eiche oder eine Herz-Jesu Statue aus Gips, machten den Charme der Kapelle aus. „Sie ist die Seele des Hofes.“

Wiederaufbau geplant

Eine Besonderheit brachte der Brand ans Tageslicht. So entdeckte Schulze Osthoff, dass auf der Schlagwetterseite, zwischen Mauerwerk und Putz, Glasscheiben in die Wände eingezogen wurden. Welchen genauen Zweck diese dienten, sei nicht mehr mit Sicherheit zu sagen. Der Eigentümer vermutet: „Vielleicht sollten sie die Wände vor eindringender Feuchtigkeit schützen.“

Schulze Osthoff, der seinen Hof in den vergangenen Jahren in Eigenregie in ein gut florierendes Landgasthaus verwandelt hat, will die Hofkapelle wieder aufbauen. Nicht nur für das Bild des Hofes, sondern auch aufgrund der Verantwortung, die jeder seiner Meinung nach für den eigenen Ortsteil trage.

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