Mehr als fünf Jahre Haft für Raub auf Westfalen-Tankstelle
Täter aus Ascheberg muss Drogenentzug machen

Ascheberg  /  Münster -

Schwer wog für die Richter, wie der mit Helm und Schal maskierte Täter seiner Forderung nach Geld Nachdruck verlieh - das wirkte sich aufs Urteil aus.

Montag, 22.10.2018, 22:02 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 22.10.2018, 20:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 22.10.2018, 22:02 Uhr
 
  Foto: sff

Schwer wog für die Richter, wie der mit Helm und Schal maskierte Täter seiner Forderung nach Geld Nachdruck verlieh: Er zeigte der Kassiererin, dass eine Patrone in seiner Pistole steckte und zog dann den Sicherungsschlitten durch - die Waffe sei bereit zum Abfeuern. Durch die Drohung habe die 19 Jahre alte Aushilfe einen Schock erlitten und eine enorme psychische Belastung durchlebt. Wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung hat das Landgericht am Montag den Täter des Raubüberfalls auf die Westfalen-Tankstelle an der Steinfurter Straße im Mai verurteilt: Der Ascheberger muss insgesamt für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis und in dieser Zeit eine Entzugstherapie von Alkohol und Drogen in einer geschlossenen Einrichtung machen.

Anwältin: Mandant habe sich spontan für den Überfall entschieden

Mit der Strafhöhe entsprach das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Anwältin des 24-Jährigen hingegen hatte eine „angemessene“ Haftstrafe ab drei Jahren gefordert, weil lediglich „eine leere Patronenhülse“, so sagte sie, in der Gaspistole gesteckt haben könnte. Auch handele es sich bei dem Raub um einen „minderschweren Fall“, da sich der Angeklagte „spontan“ beim Betanken seines Crossmotorrades an der Zapfsäule für den Überfall entschieden habe.

So urteilte das Gericht

Von einer Spontantat könne keine Rede sein, folgerte indes das Gericht. Zum Beispiel habe der 24-Jährige die Gaspistole mitgenommen, die er sonst zu hause versteckt haben will. Und dass eine volle Patrone eingesetzt war, habe er zeitweilig selbst erklärt.

Der Angeklagte wohnte seit wenigen Monaten in Ascheberg, in einer Wohngemeinschaft mit Freunden. Eine psychiatrische Gutachterin wertete seinen Alkohol- und Cannabis-Gebrauch als Abhängigkeit. Am Tag des Überfalls waren dem Mann und seinen Kumpels offenbar Alkohol und Drogen ausgegangen. Die Strafkammer sah den Überfall auf die Tankstelle als Methode, mit der er zu Geld und dann wieder an Suchtmittel kommen wollte.

Eine Rolle spielte auch der bisherige, belastete Werdegang des Täters: Er wuchs nach eigenen Angaben mit drogenkranken Eltern auf und wurde diesen als Sechsjähriger vom Amt entzogen. Es folgten Aufenthalte in verschiedensten Heimen und Wohngruppen. Erst besuchte er das Gymnasium, fiel dann aber ab, nahm zunehmend Alkohol und Drogen und wurde mehrfach straffällig.

Der Vorsitzende Richter erklärte, dass all dies zwar „ein schwieriger Lebensweg“ bisher gewesen sei. Das könne die Tat aber nicht maßgeblich entschuldigen. „Es gibt auch Menschen, die haben einen schwierigen Lebensweg und begehen keine Straftaten“, sagte er.

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