Vorübergehende Lieferengpässe bei Benzin und Diesel
„Vieles ist Panikmache“

Ahlen -

Wer als Tankstellenbetreiber rechtzeitig bestellt und über ausreichend große Lagermöglichkeiten verfügt, muss keine Engpässe befürchten“, sagt Eckhard Bendix. Öl sei auf dem Markt ausreichend vorhanden, auch wenn es derzeit aufgrund des Niedrigwassers im Rhein Transportprobleme gegeben habe.

Samstag, 10.11.2018, 18:54 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 09.11.2018, 23:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 10.11.2018, 18:54 Uhr
Vorübergehende Lieferengpässe bei Benzin und Diesel: „Vieles ist Panikmache“
Foto: Marion Fenner

„Tanken ist derzeit kein Vergnügen, aber leider lässt es sich nicht vermeiden“, sagt ein Kunde an der Zapfsäule der Tankstelle Bendix, während er Diesel in den Tank seines Autos füllt. Außerdem sei ja ungewiss, wie lange es überhaupt noch etwas gebe. „Teurer sind Benzin und Diesel in den vergangenen Wochen wirklich geworden“, stimmt der Inhaber der Tankstelle, Eckhard Bendix, dem Kunden zu. „Aber Sorge davor, dass die Tanks an den Tankstellen leerbleiben, braucht meiner Ansicht niemand zu haben“, gibt er Entwarnung. Das sei derzeit viel „Panikmache“ , an der er sich nicht beteiligen will.

Trockener Sommer

„Es gibt genug Öl auf dem Markt.“ Es sei mittlerweile jedem bekannt, dass es Lieferengpässe gebe, weil die Schiffe auf dem Rhein nach dem trockenen Sommer und dadurch folgendem Niedrigwasser teilweise nur noch zu einem Viertel beladen werden können. Tankstellenbetreiber müssten sich darauf einstellen, frühzeitig Nachschub bestellen und ihre Tanks notfalls auch einmal randvoll füllen. Ein Ersatztransport über Schiene und Straße deutlich teurer – „von der zusätzlichen Umweltbelastung will ich gar nicht sprechen“.

„Wer vorausschauend plant und seine Tanks unter den Zapfsäulen füllt, kann den Kunden auch immer ausreichend Benzin und Diesel bieten“, ist Bendix überzeugt. Sonst habe er auch schon mal nach Bedarf kleinere Mengen bestellen und kurzfristig einkaufen können, doch in der derzeitigen Situation müsse auch er in den sauren Apfel beißen und seine Tanks gegebenenfalls mit mehr und teurerem Benzin oder Diesel üppiger füllen. „Das ist auch für mich eine sehr teure Angelegenheit.“

Das ist auch für mich eine sehr teure Angelegenheit.

Eckhard Bendix

Dass in der vergangenen Woche an einigen Tankstellen einige Sorten ausverkauft waren, begründet Bendix mit dem Feiertag. „Der 1. November fiel auf einen Donnerstag, wer in dieser Zeit fast täglich Nachschub braucht, weil er nur kleine Mengen bestellt oder lagern kann, konnte nicht kurzfristig beliefert werden.“ Meist habe das nur das weniger nachgefragte E 10 betroffen, das problemlos durch normales Benzin ersetzt werden könne. Das habe sich aber mittlerweile wieder geregelt, auch die Kollegen in der Stadt seien alle wieder gut versorgt.

Ein weiteres Problem, das für die hohen Preise sorge, sei, dass die Tankwagenfahrer an den Tanklagern längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssten und dann weniger Fahrten pro Tag durchführen könnten. Diese Wartezeiten kosteten auch Geld, die sich ebenfalls auf die Preise an der Zapfsäule auswirken. Weitere Lkw-Fahrer einzustellen, ist nicht möglich, diese sind auf dem Arbeitsmarkt nicht zu finden, heißt es beim Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW.

Nachfrage nach Heizöl

„Zu Beginn der Heizperiode steigen die Preise an den Tankstellen in jedem Jahr an, weil die Nachfrage nach Heizöl steigt. Das ist Marktwirtschaft und nichts Neues“, erklärt der Tankstelleninhaber.

Bendix sieht noch einen weiteren Grund für die hohen Preise: „In Ingolstadt ist Anfang September eine Raffinerie explodiert, die auf absehbare Zeit ihre Arbeit nicht aufnehmen kann.“ Die anderen Raffinerien müssen diesen Bedarf zurzeit mit abdecken – wieder ein Grund für knappere Mengen und steigende Preise.

Der Tankstellenbetreiber ist überzeugt, dass es einen Ausverkauf von Diesel und Benzin in Deutschland auf absehbare Zeit nicht geben wird. Wegen eines trockenen Sommers jedenfalls nicht. Auch die Preise an den Tankstellen gingen gestern wieder zurück. Dennoch ist auch er der Meinung, dass es praktische Lösungen geben muss, mit denen der Nachschub gewährleistet wird. Das Transportproblem, vor allem das mit den Tankwagenfahrern, müsse die Politik in Angriff nehmen. Er persönlich setzt weiter auf große, immer vorsorglich gut gefüllte Tanks, um seine Kunden täglich bei ihrer Mobilität unterstützen zu können.  

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