Urteile im Brandstifterprozess
„Ladeninhaber hatte Tatherrschaft“

Westerkappeln/Münster -

Im Brandstifterprozess wurden am Freitag am Landgericht Münster die Urteile verkündet: Die vier Angeklagten, die sich für einen Brand in einem Laden im Ortskern von Westerkappeln zu verantworten hatten, müssen jeweils für mehrere Jahre ins Gefängnis. 

Freitag, 16.11.2018, 18:48 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 16.11.2018, 18:45 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 16.11.2018, 18:48 Uhr
Urteile im Brandstifterprozess: „Ladeninhaber hatte Tatherrschaft“
Angespannt warteten die Angeklagten und ihre Verteidiger auf die Urteilsverkündung. Nur der Ladeninhaber (vorne, 2. von links) wirkte gelöster und lächelte immer wieder zu Freunden und Verwandten im Zuschauerraum hinüber. Foto: Frank Klausmeyer

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen galten am Freitag bei der Urteilsverkündung im Prozess um die Brandstiftung im Westerkappelner Orientladen. Zu von einigen Beobachtern erwarteten Handgreiflichkeiten zwischen den vier Angeklagten kam es jedoch nicht. Insbesondere der Bruder des Ladeninhabers äußerte am Ende der Verhandlung aber seinen Groll auf die beiden mitangeklagten Iraker, die ihn der Beteiligung beschuldigt hatten. Denn auch er ist zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Der Ladeninhaber selbst erhielt wegen besonders schwerer Brandstiftung mit sieben Jahren und sechs Monaten die längste Freiheitsstrafe. Damit ist die 2. Große Strafkammer exakt dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt. Der 27-Jährige habe die Tatherrschaft gehabt, führte der Vorsitzende Richter Oliver Pleus in seiner gut 90-minütigen Urteilsbegründung aus.

Genügend Anhaltspunkte für Verurteilung

Der ein Jahr jüngerer Bruder wurde wegen Beihilfe zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Dessen Verteidiger hatte am Vortag einen Freispruch gefordert, weil sein Mandant nichts von den Plänen gewusst habe. Das sah die Kammer anders: Es gebe genügend objektive Anhaltspunkte für eine Verurteilung. So soll der 26-Jährige den beiden Irakern 200 Euro für den Benzinkauf und dazu ein Feuerzeug gegeben haben.

Für ihren Schuldspruch stützte sich die Kammer im Wesentlichen auf die Aussagen dieser beiden Männer, die für je fünf Jahre ins Gefängnis müssen. Diese hätten zwar teilweise widersprüchliche Angaben gemacht und sich schwer getan, chronologische Abläufe genau zu schildern. „Es gibt aber keine bewusste Lüge“, stellte der Vorsitzende Richter fest. In zahlreichen überprüfbaren Punkten hätten sich die Geständnisse des 22- und des 23-Jährigen bestätigt. Auch deshalb hat die Kammer den Bruder des Ladeninhabers für schuldig befunden. „Warum sollten sie ihn belasten, wenn er nichts damit zu tun hatte ? An ihrer eigenen Schuld ändert das doch nichts“, meinte Pleus.

Detonation im Herzen Westerkappelns

Die beiden Iraker waren in der Nacht zum 7. Februar in den Orientladen im Herzen Westerkappelns eingebrochen, schütteten acht Liter Benzin aus und legten Feuer. Weil sich bereits ein hochexplosives Gas-Luft-Gemisch gebildet hatte, gab es eine heftige Detonation. Die Brandstifter wurden dabei selbst schwer verletzt. Sie waren zunächst zu Fuß nach Osnabrück geflüchtet und setzten sich einige Tage später nach Belgien ab. Dort stellten sie sich selbst der Polizei.

Orientladen in Westerkappeln ausgebrannt

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  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Heinrich Weßling
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Heinrich Weßling
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Heinrich Weßling
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Weil sie frühzeitig gestanden und damit wesentlich zur Aufklärung des Verbrechens beigetragen hätten, greife die sogenannte Kronzeugenregelung, die eine mildere Strafe ermögliche. Dagegen spreche der hohe Sachschaden und die Gefährdung und Verletzung anderer Menschen. Fünf Jahre Haft seien deshalb tat- und schuldangemessen, erklärte der Vorsitzende Richter.

Angeblicher Drahtzieher nicht auffindbar

Auch der Ladeninhaber hat im Verlauf des Verfahrens ein Geständnis abgelegt und dabei behauptet, sein Bruder habe nichts von den Plänen gewusst. Er selbst habe seinen Tatbeitrag jedoch heruntergespielt, indem er einen 30-jährigen Bekannten als Drahtzieher belastete, sagte der Vorsitzende Richter. Die Rolle dieses Mannes, der eigentlich auch auf der Anklagebank sitzen sollte, blieb bis zuletzt unklar. Der Iraker soll sich im Sommer in sein Heimatland abgesetzt haben und gilt als nicht auffindbar. Er war zuvor aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil zu dem Zeitpunkt angeblich kein dringender Tatverdacht mehr bestand. Er scheint aber nicht nur den Kontakt zu den Brandstiftern hergestellt zu haben, sondern war wohl auch eine treibende Kraft bei der Planung. Dafür sprechen eine Vielzahl von Telefonaten mit dem Ladeninhaber vor und nach der Tat sowie eine Zahlung des Bruders über 2500 Euro.

Finanzielle Probleme als Motiv

Das Motiv für den Ladeninhaber war für die Kammer recht eindeutig: seine finanziellen Probleme. Warf der im März 2017 eröffnete Orientladen anfangs noch Einiges ab, fielen die Umsätze zuletzt unter monatlich 5000 Euro. Im Oktober ging das Geld aus.

In dieser Zeit wurde die Inventar- und Betriebsausfallversicherung kräftig erhöht. Allein die Umsätze waren dadurch mit 300.000 Euro im Jahr versichert. Der 27-Jährige sei jedoch fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die komplette Summe versichert sei. Dabei galt die Police nur für die tatsächlichen Umsätze. In der Absicht, Schulden zu begleichen und vielleicht auch ein Auto zu kaufen, seien die Tatpläne dann konkret geworden, erläuterte der Vorsitzende Richter.

Bereits wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Dass der Ladeninhaber psychische Probleme nach dem Tod eines Streitschlichters am 11. März 2017 in Ibbenbüren hatte und deshalb nach eigener Aussage zunehmend Kokain konsumierte, wollte das Schwurgericht nicht ausschließen. Der 27-Jährige und sein Bruder waren deshalb im Frühjahr vom Schöffengericht in Ibbenbüren wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Die Brandstiftung steht nach Überzeugung der Kammer aber nicht im Zusammenhang mit dem Hang zu Drogen. Eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, wie vom Verteidiger angeregt, komme deshalb nicht in Frage.

Eine Woche haben die Beteiligten nun Zeit für einen Revisionsantrag. Die Staatsanwaltschaft erklärte bereits ihren Verzicht. Vor allem beim Bruder des Ladeninhabers erscheint ein Einspruch gegen den Schuldspruch nicht ausgeschlossen. In Sachen fahrlässiger Tötung in Ibbenbüren ist übrigens noch ein Berufungsverfahren der beiden Brüder anhängig.

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