Großes Interesse am Dorfladen-Projekt in Gimbte
Tante Emma kommt zurück

Greven -

Ein älterer Gimbter erinnerte sich: „In meiner Jugend gab es in Gimbte zwei Dorfläden.“ Irgendwann schlossen sie. Kaputt wegen der Konkurrenz, keine Nachfolger in Sicht. Verblichen im Zeichen der mobilen Neuzeit. Umso erstaunlicher, was am Dienstagabend Wolfgang Gröll im proppenvollen Deutschen Herd verkündete: „Tante Emma is back.“

Donnerstag, 29.11.2018, 14:39 Uhr aktualisiert: 29.11.2018, 15:00 Uhr
Voller Deutscher Herd: Zahlreiche Gimbter informierten sich über die Möglichkeiten, einen Dorfladen einzurichten.
Voller Deutscher Herd: Zahlreiche Gimbter informierten sich über die Möglichkeiten, einen Dorfladen einzurichten. Foto: Günter Benning

Gröll gilt, wie Benjamin Rohling vom Kreis-Projekt „Wertarbeit“ hervorhob, „als Deutschlands bester Unternehmensberater für Dorfläden.“ Das Wertarbeit-Projekt, das vom Kreis gegründet wurde, um schwer vermittelbare Menschen in den Arbeitsmarkt zu hieven, tourt mit ihm über die Dörfer: Dörenthe, Rodde, jetzt Gimbte. Vier oder fünf Orte, meint der Projektmanager Rohling, kämen für die Wiedergeburt des Dorfladens in Frage.

Wobei Gröll mit seinem denglischen Motto schon deutlich macht: Was zurückkommt, ist nicht Tante Emma. Sondern es sind neue Konzepte, die Einkauf und Gemeindeleben verknüpfen. Und es sind auch keine caritativen Spielwiesen, mit Steuergeldern gepolstert. „Wir verstehen uns als Motor“, sagt denn auch Wertarbeit-Geschäftsführer Bernd Morrkamp. Am Ende müssen Läden entstehen, die konkurrenzfest sind.

Dass das geht, zeigte Gröll in einem urbayrisch deftigen Vortrag, in dem er viele gelungene Beispiele von Dorfläden vorzeigte. „Am besten funktionieren die, die von Fachfremden geführt werden“, witzelt er. Also: Ein Laden, der ein Halbjahresminus von 150 000 Euro mit Hilfe eines Professors einfuhr, sei durch einen engagierten Fensterbauer wieder umgedreht worden. Auch Fluglotsen hätten schon erfolgreich Tante-Emma-Läden 2.0 übernommen.

Die erfolgreichen Läden setzten vor allem auf Regionalität. Waren aus der Nachbarschaft, wo der Bauer auch einen vernünftigen Preis für seine Milch bekomme. „Von den HIV-Artikeln“, sagte Gröll, „kann keiner leben.“ HIV? Habe-ich-vergessen-Artikel.

Tatsächlich können viele Dorfläden mit Discounter konkurrieren: Einerseits in der Vielfalt, denn ein Warensortiment von 1700 Artikeln sei nicht ungewöhnlich. Andererseits auch im Preis: „Denn bei den Großen gibt es viele Mogelpackungen.“

Von Gimbte aus liegen die nächsten Supermärkte fünf Kilometer (in Greven) oder drei (in Sprakel) entfernt. Das sei eine gute Voraussetzung, glaubt Gröll.

Bei den anwesenden Gimbtern blieben dennoch Zweifel. Einen wesentlichen äußerte Johannes Wilp: „Wie können wir hier einen Raum finden?“ In Merfeld bei Dülmen, wo gerade ein Dorfladen aufgemacht hat, zahle man zwei Euro Quadratmetermiete. Dafür habe die Initiative aber auch den Laden umgebaut. „Im Speckgürtel von Münster“, glaubt Wilp, „wird das schwer werden.“

Unternehmensberater Gröll sah dabei erst mal gar nicht schwarz. Wenn das Projekt einmal laufe, weiß er aus Erfahrung, lösen sich auch solche Detailfragen. Erst einmal sei zu klären, ob echtes Interesse im Dorf bestehe. Die Patinnen Bruni Averbeck und Ulrike Wirz, die das Dorfladenprojekt im Rahmen des Dorfinnenentwicklungskonzeptes begleiten, laden ein: Am 15. Januar, 16 Uhr, Hotel Schräder.

Nachrichten-Ticker