Letztes Fördergefäß im Bergwerk Ibbenbüren
Schlussakkord für die Steinkohle

Westerkappeln/Ibbenbüren/Tecklenburger Land -

Mit dem Attribut historisch sollte man vorsichtig umgehen. Am Dienstag kurz nach 14 Uhr gab es aber im Bergwerk Ibbenbüren einen solchen Moment. Das letzte Fördergefäß wurde im Beisein zahlreicher Ehrengäste zu Tage gebracht. Der offizielle Schlussakkord für den Steinkohlebergbau im Tecklenburger Land.

Dienstag, 04.12.2018, 18:08 Uhr aktualisiert: 05.12.2018, 10:36 Uhr
Das letzte Fördergefäß wurde zu Tage geholt: Besonders für die Bergleute war das ein emotionaler Moment.
Das letzte Fördergefäß wurde zu Tage geholt: Besonders für die Bergleute war das ein emotionaler Moment. Foto: Frank Klausmeyer

Als das Einschlagsignal ertönt und die Skipanlage das letzte Kohlegefäß ans Tageslicht befördert, herrscht bis auf das Grollen der Maschine Grabesstille in der Schachthalle des Ibbenbürener Bergwerks. Gebannt verfolgen der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, Bürgermeister aus dem Tecklenburger und zahlreiche weitere Ehrengäste sowie Vertreter der Ruhrkohle AG (RAG) und natürlich die Kumpel das Ereignis. „Ein symbolischer Akt für das Ende einer rund 500-jährigen Bergbaugeschichte“, erklärt Dr. Heinz-Werner Voß, Sprecher der Geschäftsführer der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH.

Die Kohle in diesem finalen Fördergefäß war schon am 17. August, dem letzten Fördertag abgebaut, für den Festakt aber so lange unter Tage belassen worden. Nach diversen Abschiedsfeiern in der Region für den und vom Steinkohlebergbau – so im Juni mit einem Tscherper-Frühstück in Handarpe – gab es am Tag der heiligen Barbara, der Schutzpatronin aller Kumpel, den offiziellen Schlussakkord.

Westerkappeln war sicher in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr die Herzkammer des hiesigen Kohlereviers, aber die Gemeinde ist über ein halbes Jahrtausend betrachtet bedeutsamer Teil dieser Bergbaugeschichte. Kohle ist am östlichen Schafberg vermutlich schon im 16. Jahrhundert gefördert worden – begünstigt durch die oberflächennahe Lage der Flöze „Glücksburg“ und „Bentingsbank“. Zur Ableitung der Grubenwässer legte man bereits 1741 den 368 Meter langen „Preußischen Adlerstollen“ an. Später folgten der „Schafberger Oberstollen“ und schließlich der „Tiefe Schafberger Stollen“ mit einer Länge von 1433 Metern. In den Jahren 1824 bis 1826 wurde auf diese Stollen der Morgensternschacht angelegt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser – mit Unterbrechungen – betrieben, bevor er 1979 endgültig stillgelegt und verfüllt wurde.

Der 28 Meter hohe gemauerte Förderturm steht noch immer wie ein Wahrzeichen auf dem Schafberg. 2010 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Letztes Fördergefäß im Bergwerk Ibbenbüren

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  • Mit einem Festakt wurde das letzte Fördergefäß im Ibbenbürener Bergwerk gewürdigt. Foto: Heinrich Weßling
  • Mit einem Festakt wurde das letzte Fördergefäß im Ibbenbürener Bergwerk gewürdigt. Foto: Heinrich Weßling
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  • Mit einem Festakt wurde das letzte Fördergefäß im Ibbenbürener Bergwerk gewürdigt. Foto: Heinrich Weßling
  • Mit einem Festakt wurde das letzte Fördergefäß im Ibbenbürener Bergwerk gewürdigt. Foto: Heinrich Weßling
  • Mit einem Festakt wurde das letzte Fördergefäß im Ibbenbürener Bergwerk gewürdigt. Foto: Heinrich Weßling
  • Mit einem Festakt wurde das letzte Fördergefäß im Ibbenbürener Bergwerk gewürdigt. Foto: Heinrich Weßling

Hunderte, vielleicht auch Tausende Westerkappelner, sind dort und vor allem auf der Zeche in Ibbenbüren und auf dem Nordschacht in Mettingen in Lohn und Brot gekommen. Das Wohngebiet Hollenbergs Hügel war in den 1950er Jahren als Bergarbeitersiedlung erschlossen worden. „Den Kumpel, die jahrzehntelang unter extremen Bedingungen gearbeitet haben, gebührt Dank“, sagt die Westerkappelner Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer am Rande der Veranstaltung. Deren Leistung dürfe nicht in Vergessenheit geraten.

Westerkappeln sei Teil der Kohleregion Ibbenbüren, betont die Bürgermeisterin. Gemeinsam mit den anderen Kohlekommunen habe man frühzeitig den Konversionsprozess angeschoben, um für den Ausstieg aus der Steinkohle gewappnet zu sein. Dass dabei ein Schwerpunkt auf die Zechengelände in Ibbenbüren und Mettingen gelegt werde, sei natürlich. Von diesen Standorten gehe aber eine Strahlwirkung für die ganze Region aus, erklärt Große-Heitmeyer.

Frank Sundermann, SPD-Landtagsabgeordneter aus Westerkappeln, hatte beim letzten Fördergefäß gemischte Gefühle: „Bei aller Freude, dass etwas Neues kommt, hört etwas auf, womit ich groß geworden bin.“ Schon sein Großvater habe unter Tage gearbeitet, ebenso sein Onkel.

Ministerpräsident Laschet erinnert in seiner Ansprache an „sehr harte Zeiten“, die nicht vergessen werden dürften. „Die Bergleute haben Gesundheit und Leben riskiert für die Energieversorgung eines ganzen Landes.“ Das letzte Steinkohlebergwerk Deutschlands – Prosper-Haniel – wird am 21. Dezember geschlossen. Für die Zukunft der dortigen Region werde zur Ruhrgebietskonferenz eingeladen. „Im Münsterland ist man aufgrund der guten Arbeitsplatzsituation auf den Ausstieg vorbereitet“, spricht der Ministerpräsident in die Mikrofone.

Die RAG werde den Wandel im Kohlerevier Ibbenbüren weiter begleiten, versichert der Vorstandsvorsitzender Peter Schrimpf insbesondere den im Betriebsmittellager anwesenden Lokalpolitikern.

Dort erklingt zum Schluss des Festaktes das Steigerlied. „Da werden einige Tränen fließen“, ist Volker Krause, bei der RAG Anthrazit Ibbenbüren für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, sicher. Auch ihm geht diese Feier emotional sehr nahe. „Eigentlich gibt es gar nichts zu feiern. Das ist ein trauriger Moment“, sagt einer der Bergleute.

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