Wiederbelebung wird teuer
Tiefgarage: Umbauen und sanieren – oder zuschütten

Gronau -

Die städtische Tiefgarage ist "nach 45 Jahren am Ende ihrer Lebenszeit". Umbau- und Sanierung kosten rund 6,7 Millionen Euro. Und dabei würden sogar 82 Parkplätze wegfallen.

Freitag, 07.12.2018, 18:24 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 18:46 Uhr
Der Plan zeigt, wie das Gebäude Drio III (gelb) in die Struktur der Tiefgarage eingreifen würde. Rechts die Einfahrt zur Garage, links unten die Kante von Drio II, die auch in die Garage ragt.
Der Plan zeigt, wie das Gebäude Drio III (gelb) in die Struktur der Tiefgarage eingreifen würde. Rechts die Einfahrt zur Garage, links unten die Kante von Drio II, die auch in die Garage ragt. Foto: Ingenieurbüro Smolnik

Die Analyse fiel kurz und präzise aus: „Sie werden irgendetwas machen müssen, denn Sie können sie so nicht stehenlassen.“ Gemeint ist die städtische Tiefgarage. Die ist, wie Ingenieur Volker Smolnik (Münster) jetzt vor dem Bauausschuss darlegte „nach 45 Jahren am Ende ihrer Lebenszeit“. Für die Wiederbelebung nannte er in der Folge eine Zahl, an der viele Politiker schwer zu schlucken hatten: Rund 6,7 Millionen Euro.

Diese „ganz ansehnliche Summe“ (Smolnik) komme zusammen, wenn alle notwendigen Arbeiten zusammengerechnet werden. Dabei muss differenziert werden zwischen dem grundsätzlichen Sanierungsbedarf wegen „zahlloser Schäden“ und den Auswirkungen des geplanten Drio-Projektes – konkret die Gebäude Drio II und III – im Zuge der Innenstadtentwicklung. Smolnik: „Beide Baukörper verursachen erhebliche Einschnitte in die Statik der Tiefgarage.“ Das mache „erhebliche statische Nachrüstungen“ nötig.

Jeder Parkplatz schlägt mir rund 62.000 Euro zu Buche

Als Beispiel nannte er ein Detail: Für die Gründung des Gebäudes Drio III, das mittig in der Tiefgarage stehen soll, muss der Boden aufgebrochen werden. Dabei wird die bestehende Abdichtung nach unten („schwarze Wanne“), und nach oben (Decke) zerstört. Um die Decke wieder tragfähig zu machen, müssen Stützen in die Garage eingezogen werden – die ebenfalls unter der BodenSohle zu gründen sind.

Allein die Ertüchtigung der Tiefgaragen-Sohle schlägt mit 1,48 Millionen Euro zu Buche. Die Betonsanierung kostet 1,23 Millionen Euro, die Abdichtung der Tiefgaragen-Decke mit Dämmung gegen Tropfwasser 538 000 Euro. Dazu kommen weitere Positionen wie Lüftung, Rauchabzug oder die Erneuerung der Elektro-Installation. Zudem halte ein Altbau bei Sanierungen immer auch Überraschungen bereit. „Wir arbeiten hier nach Plänen aus den 1970er-Jahren“, so Smolnik. Um etwa für die Betonsanierung das genaue Ausmaß zu erfahren, müsste die Decke geöffnet werden.

Am Ende von Umbau und Sanierung bleiben laut Smolnik von den heute 191 Parkplätzen 109 übrig – umgerechnet auf die 6,7 Millionen-Investition jeder Platz also mit rund 62.000 Euro zu Buche schlagen. Zum Vergleich: Normalerweise liegen die Kosten bei 25.000 bis 35.000 Euro je Platz.

Angesichts der „überraschenden Zahl“ stellte Martin Dust (CDU) die Frage, was passiere, wenn der Rat Nein sage zu Umbau- und Sanierung. „Dann haben wir da ein Loch, das immer mehr verfällt. Oder einen See unter Tage. Kippen wir den voll mit Beton?“ Dust wollte den Expertenrat: „Was sollen wir tun, wenn wir die Tiefgarage nicht mehr nutzen wollen?“

Ersatz für wegfallende Parkplätze schaffen

„Sie können das Loch so nicht lassen. Rückbauen, abbrechen und verfüllen“, so Smolniks Antwort darauf. Was das kostet, darauf gab es indes keine mit Zahlen unterlegte Antwort. Auf Nachhaken von Ulrich Brügger (SPD) immerhin soviel: „Rückbau und Verfüllen ist natürlich günstiger als eine Sanierung.“

Aber: Im Zusammenhang mit der Beantwortung dieser Frage müsse auch analysiert werden, welche „Sowieso-Kosten“ die Stadt habe, wenn einerseits das Baufeld für Drio III geschaffen werden müsse und anderseits eine Verfüllung der umliegenden Tiefgarage erfolgen solle. „Das müssen wir rechnen“, so Andrea Winkler, Leiterin des Fachdienstes Gebäude- und Liegenschaftsmanagement. Diesen Auftrag habe die Verwaltung bisher nicht gehabt.

Bei einer Aufgabe der Tiefgarage dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass dann an anderer Stelle Ersatz für die wegfallenden Parkplätze geschaffen werden müsse. Auch das sei mit Kosten verbunden, so Jörg von Borczyskowski (UWG). Martin Dust gab auch zu bedenken, dass es bei der Tiefgarage „um die wertvollsten Parkflächen in der Innenstadt geht“. Robert Brandt (Linke) hatte gleichwohl mit den 6,7 Millionen Euro Probleme: „Für zwei Parkplätze lässt sich ein Einfamilienhaus bauen – ist das noch gerechtfertigt?“ Er regte an, über Ersatz an anderer Stelle – Rathaus – nachzudenken.

Dass die Stadt in der Zwickmühle steckt, wurde aus der Wortmeldung von Werner Bajorath (SPD) deutlich: „Wenn man den Vertrag mit Drio und die Vereinbarungen zu Drio III sieht, dann müssen wir wohl. . .“, sah er die Stadt in der Pflicht zu Umbau und Sanierung der Tiefgarage.

Bei einer Gegenstimme beschloss der Ausschuss am Ende, die Planungen für Umbau und Ertüchtigung weiterzuführen zu konkretisieren – unter der Voraussetzung, dass ein Vertrag mit den Drio-Investoren zustande kommt. Ermittelt werden, zudem die Kosten, die auf die Stadt zukommen, wenn das Drio-Projekt realisiert, die Tiefgarage aber nicht weiter genutzt werden sollte. Und auch zu möglichen Einsparungen beim Umbau (ohne maschinelle Lüftung, sondern mit Lüftungseinschnitten in der Decke), sollen Zahlen ermittelt werden.

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