Unterschiedliche Zahlen für Telgte
Teure falsche Einwohnerzahl

Telgte -

Leben in Telgte 19 829 Menschen? Oder sind es 20 256? Wenn es nach den Statistiken von IT.NRW geht, ist erstere Zahl richtig. Das Einwohnermeldeamt in der Emsstadt gibt die größere heraus. Die Diskrepanz liegt bei 427. Da für Zuweisungen die Zahlen von IT.NRW herangezogen werden, hat das für die Stadt negative finanzielle Auswirkungen.

Dienstag, 11.12.2018, 20:00 Uhr
Die Bevölkerung in Telgte wächst. Wie groß die Einwohnerzahl wirklich ist, darüber geben die Statistiken unterschiedliche Auskünfte.
Die Bevölkerung in Telgte wächst. Wie groß die Einwohnerzahl wirklich ist, darüber geben die Statistiken unterschiedliche Auskünfte. Foto: dpa

Am 30. Juni dieses Jahres zählte die Stadt Telgte 19 829 Einwohner, vermeldete jetzt zumindest das Statistische Landesamt NRW in Düsseldorf. Diese Zahl wird bei einigen Bürgern Verwunderung hervorrufen. Unter 20 000? Ist Telgtes Bevölkerung geschrumpft. Nein, sagte Kämmerer Stephan Herzig. Die vom Bürgerbüro herausgegebene Zahl von 20 256 (Stand 12. Juli 2018) sei korrekt.

Aber wie kommt es zu dieser Diskrepanz? Diese ist durch die Volkszählung „Zensus 2011“ entstanden. Die Einwohnerzahl wurde damals nur durch Stichproben ermittelt. Lediglich jeder zehnte Haushalt wurde befragt. „Man wollte die Zahl mit verhältnismäßigen Mitteln erheben“, erinnert sich Herzig an den Grund, weshalb nicht alle Haushalte kontaktiert werden. Auf der Grundlage von „Zensus“ wurde die Bevölkerungsstatistik seither fortgeschrieben.

Offiziell hat Telgte damit 427 Einwohner weniger als im Stadtgebiet tatsächlich wohnen. Das hat negative finanzielle Auswirkungen, denn Schlüsselzuweisungen und weitere finanzielle Zuwendungen des Landes wie beispielsweise die Krankenhausinvestitionszulage werden anhand der Einwohnerzahl berechnet. Und dabei gilt der Grundsatz: Je mehr Einwohner eine Stadt hat, desto mehr Geld bekommt sie. So kann es also passieren, dass Städte und Gemeinden tatsächlich weniger Einwohner haben als IT.NRW ausweist. Trotzdem bekommt die Kommune dann mehr Geld als ihr anhand der eigentlichen Bevölkerungszahl zustünde. Mehrere Kommunen haben gegen diese Bemessungsgrundlage bereits Verfassungsbeschwerde eingelegt, sind damit aber gescheitert. „Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass die Vorschriften von ,Zensus 2011’ verfassungsgemäß sind“, berichtet Herzig.

Somit sei es nicht zulässig, die Statistik bei IT.NRW zu korrigieren. „Es gibt ein sogenanntes Rückspielverbot“, so Herzig. „Das heißt, dass ein Datenabgleich zwischen Stadt und IT.NRW nicht erlaubt ist.“

„Damit hilft uns unsere eigentlich höhere Einwohnerzahl auch in Zukunft nichts. Für alles, was behördlich eine Rolle spielt, dafür ist die Zahl von IT.NRW maßgeblich“, so Herzig. Bleibt den Städten, die bei der IT.NRW-Einwohnerzahl schlecht wegkommen, nur die Hoffnung, dass bei einer neuen Volkszählung irgendwann eine korrekte Zahl ermittelt wird.

Die vom Statistischen Landesamt veröffentlichten Zahlen weisen im Übrigen auch aus, dass in Telgte Mitte dieses Jahres mehr Frauen als Männer lebten. Ihr Anteil lag bei 51,8 Prozent.

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