Pfarrer Ulrich Terlinden: Kein Missbrauchsvorwurf
Justiz prüft, ob Ermittlungen folgen

Ottmarsbocholt -

Was hat dazu geführt, dass Ulrich Terlinden mit sofortiger Wirkung als Pfarrer freigestellt wurde? Bei dieser Frage, die viele Ottmarsbocholter bewegt, bleibt Raum für Spekulationen. Offenbar wird ihm kein Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen, ergaben WN-Recherchen.

Mittwoch, 12.12.2018, 16:26 Uhr aktualisiert: 13.12.2018, 09:46 Uhr
Pfarrer Ulrich Terlinden: Kein Missbrauchsvorwurf: Justiz prüft, ob Ermittlungen folgen
Das Bistum Münster griff bei dem Fall am Niederrhein strikt durch. Foto: dpa

Die Nachricht, dass Ulrich Terlinden, zum 10. Dezember mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres von seinen Amt als Priester entbunden wurde, dürfte Wellen geschlagen haben. Denn der Geistliche war vielen Angehörigen der St.-Urban-Pfarre ans Herz gewachsen, während andere wegen seiner konservativen Liturgie und seinem teils anachronistisch wirkenden Auftreten den Abstand zu dem Pfarrer wahrten. Zu seinem Abschied Ende 2010 kullerten jedenfalls Tränen und blieben deutliche Spuren. Terlindens Weggang von St. Urban war Bestandteil der Fusion zur Gesamtpfarre St. Laurentius Senden.

Da sich das Bistum nicht zu den Gründen für die Freistellung äußert, bleibt viel Raum für Spekulationen. Laut Medienberichten vom Niederrhein, wo Terlinden seit zwei Jahren als Leitender Pfarrer in Heiliger Johannes der Täufer in Bedburg-Hau tätig war, soll dem 50-Jähriger aber „kein sexueller Missbrauch an Minderjährigen“ vorgeworfen werden. Dieser Hinweis findet sich jedenfalls in einem Brief an die Angehörigen der Pfarrgemeinde, der von örtlichen Medien zitiert wird.

Verfasst hat ihn Theo Kröll, der zum Johannes-der-Täufer-Seelsorgeteam gehört vom Bistum die Aufgaben von Terlinden als Pfarrverwalter übertragen bekommen hat. Gleichwohl, so der Brief weiter, habe die Nachricht von der Suspendierung die Gemeinde „sehr überrollt und für viel Unruhe gesorgt“. Ein Anfrage unserer Zeitung in der Pfarre im Dekanat Kleve blieb unbeantwortet.

"Unangemessenes Kommunikationsverhalten"

Nach unbestätigten Schilderungen aus Bedburg-Hau soll dem einstigen Pfarrer von Ottmarsbocholt ein „unangemessenes Kommunikationsverhalten“ zur Last gelegt werden. Adressat von offenbar online verschickten Nachrichten soll ein 19-Jähriger gewesen sein. Über den Inhalt wurde nichts bekannt. Das Bistum legte aber offenbar strikte Maßstäbe an, um nicht mit dem Vorwurf, konfrontiert zu werden, ungebührliches Verhalten toleriert zu haben, werten Beobachter die prompte Reaktion des münsterischen Bischofs.

Durch seine Pressestelle war bereits am Dienstag mitgeteilt worden, dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden sei. Auf WN-Anfrage bestätigte Günter Neifer, Sprecher der Behörde, am Mittwoch dass eine Anzeige eingegangen ist. Darin werde Terlinden „Beleidigung“ vorgeworfen. Ob entsprechende Anhaltspunkte vorliegen, die Anlass geben, ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen den Priester einzuleiten, werde aber erst noch geprüft, stellte der Oberstaatsanwalt anderslautende Berichte klar. Wer die Anzeige wegen Beleidigung und mit welchem Tenor eingereicht hat, ließ Neifer offen.

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