Prostitution in der Nachbarschaft
Wo Herren nach „Lola“ fragen

Lengerich -

Erst vor wenigen Wochen hat die Stadt Lengerich per Änderung des Bebauungsplans verhindert, dass sich an der Autobahn ein Bordell oder Ähnliches ansiedelt. Einige Bürger reiben sich verwundert die Augen: Dort scheint das einfach zu sein, in ihrer Nachbarschaft, so berichten sie, herrsche reger Verkehr hinter einer Tür, auf deren Klingelschild „Massage“ stehe.

Samstag, 15.12.2018, 06:21 Uhr aktualisiert: 15.12.2018, 10:07 Uhr
Die Stadt hat jüngst mittels Bebauungsplanänderung untersagt, dass sich Rotlicht-Betriebe im Gewerbegebiet an der A1 ansiedeln kann. Zugleich beklagt eine Familie gegenüber den WN, dass bei ihr mitten in Lengerich in direkter Nachbarschaft eine Prostituierte ihrem Beruf nachgeht
Die Stadt hat jüngst mittels Bebauungsplanänderung untersagt, dass sich Rotlicht-Betriebe im Gewerbegebiet an der A1 ansiedeln kann. Zugleich beklagt eine Familie gegenüber den WN, dass bei ihr mitten in Lengerich in direkter Nachbarschaft eine Prostituierte ihrem Beruf nachgeht Foto: Michael Gründel

Die Nachbarsfamilie wollte sich seinerzeit absolute Gewissheit verschaffen. Also wurde erst auf einschlägigen Seiten im Internet recherchiert, dann griff der Schwiegervater des Hausherrn zum Hörer – und bekam prompt Auskunft zu Preisen und Leistungen. Nun waren sich die Lengericher sicher: Im Haus nebenan wurde eine Wohnung von Prostituierten genutzt, um ihrem Gewerbe nachzugehen. Mitten in der Stadt, in einer ganz normalen Wohngegend. Bis heute hat sich daran offenbar nichts geändert.

Nachdem die WN vor Kurzem berichtet hatten, dass die Stadt per Änderung des Bebauungsplan verhindern will, dass sich an der Autobahn ein Bordell oder Ähnliches ansiedelt, fragte sich der Familienvater, warum das in einem Gewerbegebiet so einfach sein soll, er, seine Frau und Kinder es aber hinnehmen müssen, dass direkt vor ihrer Haustür vornehmlich abends immer wieder „Herren“ auf der Suche nach der für sie richtigen Adresse sind und auch schon mal bei ihnen klingeln, um sich kundig zu machen. „Der bisherige ,Höhepunkt‘ war ein ungeladener Gast im Garten auf der Suche nach ,Lola‘ – im Sommer, während unsere jüngste Tochter mit Freundinnen im Pool planschte.“

Das Ziel dieses und offenbar vieler weiterer Männer liegt ein wenig versteckt. Und ein Hinweisschild gibt es natürlich auch nicht, lediglich ein kleiner Zettel mit der Aufschrift „Massage“ auf dem Klingelschildchen neben der Eingangstür deutet an, worum es anscheinend geht.

Bereits vor knapp zwei Jahren sind die Lengericher in der Sache bei der Stadt vorstellig geworden. Das bestätigt Ludger Dierkes, heute Leiter des Fachbereichs zentrale Dienste, damals aber noch für Sicherheit und Ordnung zuständig. „Wir haben uns auch darum gekümmert.“ Vor Ort sei dann klar gewesen, dass die Angaben der Anwohner zutrafen. Damit ging die Sache weiter an den Kreis.

„Durch Aufgabe der Nutzung hat sich die Angelegenheit erledigt“

Aus Steinfurt heißt es auf Anfrage der WN, dass dem Hinweis nachgegangen worden sei. Aber: „Durch Aufgabe der Nutzung hat sich die Angelegenheit erledigt. Weitere Beschwerden haben wir aus dem Bereich nicht bekommen.“

Die Anwohner, die die Sache ins Rollen gebracht hatten, wissen von diesem Fortgang der Dinge und der angeblichen „Aufgabe der Nutzung“ nichts. Eine entsprechende Rückmeldung habe es weder vom Kreis noch von der Stadt gegeben. Was sie bestätigen, ist, dass es wohl eine kurzzeitige Pause gegeben habe. Doch inzwischen herrsche längst wieder reges Treiben, sowohl was die Kundschaft angehe als auch was die Prostituierten betreffe. Die würden „teils wöchentlich bis monatlich“ wechseln und von durchschnittlich vier bis acht Kunden täglich besucht.

Warum die Lengericher das alles so genau wissen, schildern sie auch: „Man muss nur lange genug im Garten zu tun haben, oder in der Küche sitzen, da bekommt man ungewollt eine Menge zu sehen.“ Der Familienvater berichtet zudem, wie er sich erst in diesem Herbst von einem jungen Autofahrer, der „mit laufendem Motor“ vor dem Haus auf seinen Termin gewartet habe, anpöbeln lassen musste. Der Lengericher erzählt, dass er den Unbekannten gebeten habe, sein Auto doch auszumachen. Der habe ihm als Antwort mit den Worten gedroht, „gleich eins auf die Fresse zu bekommen“.

Angesichts solcher Erlebnisse kommt der geplagte Nachbar zu der Einschätzung: „Die Damen verrichten ihr Handwerk sicher im stillen und diskreten Rahmen, jedoch kann man das von den Gästen oftmals nicht wirklich behaupten.“ Damit nicht genug. Durch „Hörensagen“ habe er unterdessen mitbekommen, dass der Vermieter angeblich plane, eine weitere Wohnung an Prostituierte vergeben zu wollen.

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