Wildkamera in Glandorf
Experten: Es ist eindeutig ein Wolf

Glandorf/Lienen -

Das Tier, das auf den Bildern einer Wildkamera in Glandorf zu sehen ist, ist eindeutig ein Wolf. Diese Fotos seien allerdings kein Indiz dafür, dass sich Wölfe bereits in der Region angesiedelt hätten. Wer einem Wolf begegnet, soll Ruhe bewahren und „respektabel“ auf Distanz gehen.

Montag, 07.01.2019, 13:36 Uhr aktualisiert: 07.01.2019, 14:37 Uhr
In die Fotofalle getappt: Am Neujahrstag um 20.16 Uhr nahm eine Wildkamera im Osnabrücker Südkreis einen Wolf auf. Das Tier wurde von Experten als Wolf identifiziert.
In die Fotofalle getappt: Am Neujahrstag um 20.16 Uhr nahm eine Wildkamera im Osnabrücker Südkreis einen Wolf auf. Das Tier wurde von Experten als Wolf identifiziert. Foto: NWM-TV/Rötrige

Bei dem Tier, das am Abend des Neujahrstages im Osnabrücker Südkreis von einer Wildkamera fotografiert wurde, handelt es sich nach Ansicht eines Experten zweifelsfrei um einen Wolf. Die Bilder, die im Grenzgebiet zwischen Glandorf und Bad Laer aufgenommen wurden, zeigten „definitiv einen Wolf“, sagte Wolfsberater Raoul Reding von der Niedersächsischen Landesjägerschaft jetzt auf Nachfrage.

Das auf mehreren Fotos abgebildete Raubtier weise alle entsprechenden Merkmale auf, bis hin zu der für Wölfe typischen Gesichtszeichnung. Die Sichtung im Osnabrücker Südkreis erfülle somit die Kriterien für einen sogenannten C 1-Nachweis: C 1 steht nach den bundeseinheitlichen Standards für das Monitoring von Großraubtieren für einen „eindeutigen Nachweis“.

Vermutlich ein "Durchzügler"

Keineswegs sicher ist es nach Angaben des Hannoveraner Experten hingegen, dass der Wolf damit bereits in der Region Osnabrück heimisch geworden ist. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen Durchzügler“, sagte Reding. Von einem territorialen Wolf, also einem Tier, das ein bestimmtes Waldgebiet zu seinem festen Revier erkoren hat, könne erst gesprochen werden, wenn über mehrere Monate immer wieder Nachweise erbracht würden. Diese können durch Fotofallen wie die des Hardensetteners Bernd Rötrige entstehen, aber zum Beispiel auch durch den wiederholten Fund von Wolfsfährten oder -kot.

Wolfsberater Reding wird in Absprache mit dem zuständigen Jagdpächter in den kommenden Wochen möglicherweise in die Region reisen, um sich selbst ein Bild zu machen.

Die Wolfssichtung erfolgte im Außenbereich östlich von Hardensetten unweit der Heideseen – also weit entfernt von geschlossener Wohnbebauung.

Verhaltenstipps bei einer Wolfsbegegnung

1/8
  • Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich einem Wolf in freier Wildbahn begegne? Das NRW-Umweltministerium gibt für den „äußerst unwahrscheinlichen“ Fall folgende Tipps:

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nicht versuchen, sich dem Wolf zu nähern, ihn anzufassen oder zu füttern!

    Das Bild zeigt „Wolfsflüsterer“ Jos de Bruin im Naturwildpark „Granat“ in Haltern-Lavesum.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nicht weglaufen, am besten stehen bleiben und abwarten, bis sich der Wolf zurück zieht.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Wenn man selbst den Abstand vergrößern will, langsam zurück ziehen.

    Foto: Bernd Thissen (dpa)
  • Man kann den Wolf auch vertreiben, indem man auf sich aufmerksam macht, zum Beispiel, indem man das Tier laut anspricht, in die Hände klatscht oder mit den Armen winkt.

    Foto: Julian Stratenschulte (dpa)
  • Da Wölfe die Nähe des Menschen mieden, sei es selbst in einem Gebiet, in dem Wölfe ihr Revier haben, äußerst unwahrscheinlich, ein Tier zu Gesicht zu bekommen, betont das Umweltministerium.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor allem bei jungen und unerfahrenen Wölfen könne es aber vorkommen, dass die Neugier stärker sei, als die Furcht.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Jede Sichtung eines Wolfs sollte möglichst bald an das zuständige Landesumweltamt gemeldet werden – in NRW unter der Nummer 02361-3050 (werktags) bzw. 0201-714488 (außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende) oder per E-Mail wolf_nrw@lanuv.nrw.de erreichbar.

    Foto: Gunnar A. Pier

Hunde anleinen

Laut Reding gibt es keinen Anlass, diesen Bereich nun zu meiden. Er empfiehlt Wanderern oder Spaziergängern aber, sich mit den allgemeinen Empfehlungen für den Aufenthalt in Wolfsgebieten vertraut zu machen und auch ihre Kinder darüber zu informieren. So sollten Hundebesitzer ihre Tiere unbedingt an der kurzen Leine führen, um zu verhindern, dass Wolf und Hund aufeinandertreffen, da der Wolf den Hund als „feindlichen Artgenossen“ identifizieren könnte.

Wer einem Wolf begegnet, sollte sich ruhig verhalten und nicht weglaufen, wohl aber – wie bei jedem Wildtier – eine „respektable“ Distanz beibehalten. Da der Wolf selbst den Menschen möglicherweise noch gar nicht bemerkt hat, sollte man sich außerdem bemerkbar machen, etwa durch ein Händeklatschen. So werde verhindert, dass sich der Wolf erschrickt. Sollte sich das Tier weiter annähern, könne es durch ein Ausbreiten der Arme und lautes Rufen vertrieben werden.

Erste bestätigte Wolfssichtung

Die Bilder wären die erste bestätigte Wolfssichtung im Südkreis. Bisher gab es mehrfach mutmaßliche Sichtungen, bis hin zu einem gerissenen Reh im Grenzgebiet zu Lienen Mitte April 2018.

Damals war der Glandorfer Antonius Recker, dessen Jagdrevier direkt an der niedersächsischen Grenze in Lienen liegt, von einem Bewohner eines frei stehenden Hauses innerhalb seines Reviers hinzugerufen worden: Frühmorgens sei dieser vom „Todesschrei eines Tieres“ geweckt worden, wie Antonius Recker schildert.

Speichelprobe fehlt

Der Mann „zog die Rollläden hoch, um sofort der Sache nachzugehen“. Er ging raus und fand etwa 50 Meter vom Hof entfernt das verendete und mit einem Kehlbiss getötete Reh. Allein daran könne jedoch niemand erkennen, welches Tier zugebissen hat: „Das kann ein Wolf oder ein Hund gewesen sein“, sagt Jan-Dirk Hubbert, einer von fünf Wolfsberatern im Kreis Steinfurt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die bei Wildrissen eigentlich obligatorische Speichelprobe fehlt – der Fundort wird durch Umwelteinflüsse innerhalb kurzer Zeit bis zur Unkenntlichkeit verunreinigt. Eine Speichelprobe zur Feststellung der DNA des „Verursachers“ wurde nicht genommen, möglicherweise auch, weil der Fundort zu grenznah war, und die Zuständigkeit nicht so schnell geklärt werden konnte.

Weitere Vorfälle

Als die Polizei meldete, dass am 2. Januar 2018 zwei Schafe auf einer Weide am Schulenburger Weg in Ladbergen gerissen worden waren, war mancher mit Spekulationen schnell bei der Hand. Es dauerte gar nicht lange, da kam (wieder einmal) der Wolf ins Spiel. Inzwischen steht fest: Johannes Tiltmann, Sprecher der Kreispolizeibehörde Steinfurt, der vor dieser Annahme gewarnt hatte, hat recht behalten. Der Wolf, so Experten, ist unschuldig. Eine genetische Analyse, teilt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) mit, weist einen Hund als Täter nach.

Es war ebenfalls kein Wolf, der im November 2017 in Lengerich ein Schaf gerissen hat. Das hat das LANUV Nordrhein-Westfalen mitgeteilt. „Es ist keine Wolf-DNA am Kadaver gefunden worden, dafür aber Hunde-DNA“, erklärt Wilhelm Deitermann auf Nachfrage der WN. Der Kadaver des Schafes war am 13. November vom Halter weitgehend skelettiert auf ei­ner Weide an der Poststraße aufgefunden worden.

Speichelreste an dem Kadaver des ostfriesischen Milchschafes sind vom Senckenberg Institut – es ist als Nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf mit der DNA-Analyse vom LANUV beauftragt worden – eindeutig einem Hund zugeordnet worden.

...
Nachrichten-Ticker