SEK-Einsatz
Festnahme nach Geiselnahme in Sporthalle - Motiv unklar

Lengerich -

Eine Geiselnahme mitten in der Stadt, 43 Kinder und zwei Betreuerinnen in der Gewalt eines möglicherweise psychisch kranken Täters – ein Horrorszenario, das am Montagabend in der Sporthalle an der Bahnhofstraße unblutig zu Ende ging.

Montag, 07.01.2019, 19:19 Uhr aktualisiert: 08.01.2019, 11:47 Uhr
SEK-Einsatz: Festnahme nach Geiselnahme in Sporthalle - Motiv unklar
Großeinsatz der Polizei am Montagabend in Lengerich. Foto: Jens Keblat

Bereits frühzeitig war von einer Art Bombendrohung, auch von einer Geiselnahme in den sozialen Netzwerken und auch entlang der Straßen mitten in Lengerich die Rede, als am späten Montagnachmittag unzählige Einsatzfahrzeuge vor allem von Polizeibehörden aus allen Himmelsrichtungen durch das Stadtgebiet eilten.

Kindergruppe mit Bombe bedroht

Kurzerhand wurde die Bahnhofstraße weiträumig abgeriegelt, Spezialkräfte der Polizei rückten mit schwerem Equipment an – Szenen wie aus einem Film. Schnell herrschte in der Bevölkerung Verunsicherung. Doch der Polizei gelang schließlich ein rasches und vor allem unblutiges Ende dieses Einsatzes, obwohl sich die schlimmsten Gerüchte schließlich in weiten Teilen bestätigten. Ein 25-jähriger Mann hatte damit gedroht, in der Halle deponierte Sprengsätze zu zünden.

Nachdem Polizei-Pressesprecher Reiner Schöttler bereits frühzeitig vor Ort erste Informationen herausgegeben hatte, äußerte er sich dann gegen 21.30 Uhr, als die Sperrungen rund um die betroffene Sporthalle gerade aufgehoben waren, ausführlich in einem Pressegespräch: „Am frühen Abend hat ein 25-jähriger Mann aus dem Kreis Steinfurt hier die Sporthalle betreten und eine etwa 40-köpfige Trainingsgruppe mit dem Zünden einer Bombe bedroht.“ Bei der Trainingsgruppe handelte es sich nach Informationen unserer Zeitung um Einrad-Sportler im Alter von zwölf bis 18 Jahren. 

Großeinsatz: Geiselnahme in Sporthalle

1/23
  • Am frühen Montagabend hat ein 25-jähriger Mann aus dem Kreis Steinfurt die Sporthalle in Lengerich betreten.

    Foto: Jens Keblat
  • Dort bedrohte er eine etwa 40-köpfige Übungsgruppe mit dem Zünden einer Bombe, teilte die Polizei mit.

    Foto: Jens Keblat
  • Der Mann hat die Kinder dann nach und nach gehen lassen.

    Foto: Jens Keblat
  • Kurze Zeit später ließ er auch die beiden Betreuerinnen der Kindergruppe frei.

    Foto: Jens Keblat
  • Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos konnten den Mann noch in der Sporthalle festnehmen.

    Foto: Jens Keblat
  • Bei der Geiselnahme wurde nach Informationen der Polizei niemand verletzt.

    Foto: Jens Keblat
  • Die betroffenen Kinder wurden nach ihrer Freilassung betreut.

    Foto: Jens Keblat
  • Die Polizei geht aktuell von einem Einzeltäter aus.

    Foto: Jens Keblat
  • Gerüchte, dass es noch einen zweiten Täter geben könnte, bestätigten sich somit nicht.

    Foto: Jens Keblat
  • Die Bahnhofstraße war für die Zeit der Spurensicherung gesperrt.

    Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat

Der Mann habe zunächst einige „zusammenhanglose Forderungen“ gestellt, wie Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am späten Abend mitteilte. Glücklicherweise habe sich die Lage dann jedoch nicht weiter zugespitzt: „Der Täter ließ zunächst die Kinder und Jugendlichen gehen. Die beiden 23-jährigen Betreuerinnen konnten kurze Zeit später ebenfalls die Halle verlassen.“

„Spezialeinheiten der Polizei Münster haben den Täter um 18.20 Uhr im Eingangsbereich der Turnhalle überwältigt und festgenommen“, erklärte der Einsatzleiter der Polizei, Polizeidirektor Martin Mönnighoff. „Der Mann hatte bei seiner Festnahme keine Waffen dabei. Sicherheitshalber haben Polizisten mit Sprengstoffspürhunden die Sporthalle abgesucht, jedoch keinen verdächtigen Gegenstand gefunden.“ 

Laut Informationen unserer Redaktion sollen zwei SEK-Teams im Einsatz gewesen sein. Der Täter soll ein Essens-Messer und eine Fernbedienung bei sich geführt haben.

Während des Einsatzes der Spezialkräfte in der Sporthalle habe man sofort damit begonnen, die 43 Kinder entsprechend zu betreuen. Dafür wurde ein benachbarter Baumarkt genutzt. 

Der 25-Jährige wurde noch am Abend vernommen. Sein Motiv liegt noch im Dunkeln. „Die Ermittler haben bislang noch keine Hinweise auf die Motivation des Täters“, fasste der Oberstaatsanwalt den bisherigen Ermittlungsstand am Abend zusammen. „Sie gehen aktuell dabei auch Hinweisen auf eine psychische Erkrankung des Mannes nach.“ Am Dienstag seien weitere Vernehmungen geplant, sagte ein Polizeisprecher am Morgen nach der Tat, dabei werde auch der Festgenommene weiter befragt.

Polizei geht von Einzeltäter aus

Mit Bezug auf die Frage, weshalb auch längere Zeit nach der Festnahme augenscheinlich noch intensive Fahndungsmaßnahmen der Polizei im Stadtgebiet Lengerichs liefen, sagte Schöttler lediglich: „Wir gehen im Moment davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.“  Es habe sich nicht etwa um die Suche nach einem weiteren Täter gehandelt, wie vor allem in sozialen Netzwerken postwendend spekuliert wurde. Auch habe man den Tatort, die Sporthalle, noch umfangreich untersucht. 

Die Polizei meldete wenige Stunden nach dem Ende der Geiselnahme, dass alle Kinder und Jugendlichen inzwischen in der Obhut ihrer Eltern seien. Auch die beiden Frauen, die die Gruppe betreuten, seien „augenscheinlich unverletzt“.

Nachrichten-Ticker