Polizei: Unbekannte haben Alarmanlage ausgeschaltet
Todesfalle Schweinestall

Vreden -

Wer auch immer in den Schweinestall von Christian Röring in Vreden eingestiegen ist: Mit Alarmanlagen muss er sich ausgekannt haben. Polizeisprecher Frank Rentmeister sagte am Dienstag, dass der oder die Einbrecher nicht nur den Strom, sondern auch die Alarmanlage abgestellt hätten. „Die ist manipuliert worden“, sagte er am Dienstag.

Dienstag, 15.01.2019, 13:33 Uhr aktualisiert: 15.01.2019, 19:45 Uhr
Polizei: Unbekannte haben Alarmanlage ausgeschaltet: Todesfalle Schweinestall
In diesem Stall auf dem Hof von Christian Röring sind die 900 Schweine erstickt. Foto: Wilfried Gerharz

Die Ermittler gehen davon aus, dass der oder die Täter wussten, wie sie damit umgehen müssen. „Da kann man nicht einfach einen Knopf ausschalten und schon klappt das“, meinte Rentmeister. Zurzeit würden die Ermittler überprüfen, wie genau die Täter vorgegangen sind. Sicher sei, dass es an einer Tür Aufbruchsspuren gegeben habe.

In Schweineställen ist es üblich, alte Luft abzusaugen und so einen Unterdruck zu schaffen. Dadurch strömt frische Luft durch spezielle Türen oder Klappen in der Decke oder in den Wänden in den Stall. Fällt die aus, können die Tiere innerhalb weniger Stunden verenden. Wie lange das dauert, hängt unter anderem davon ab, wie groß und schwer die Schweine sind. Die Tat muss sich nach Polizeiangaben zwischen 18 Uhr am Sonntag und 8.50 Uhr am Montag ereignet haben. Das sind fast 15 Stunden.

Röring nennt Vorfall „sehr bedrückend“

Der Landwirt Christian Röring hat den qualvollen Tod von rund 900 Schweinen in seinem Stall als für ihn und seine Familie „in vielfacher Hinsicht sehr bedrückenden Vorfall“ bezeichnet. Röring ist Sohn des westfälischen Bauernpräsidenten und CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Röring. In dem Stall in Vreden waren in der Nacht zum Montag 900 Tiere verendet, weil laut Polizei Unbekannte eine Tür aufgebrochen und den Strom abgestellt haben sollen. Dadurch sei die lebenswichtige Lüftung ausgefallen, sodass die Mastschweine erstickt sind.

In der Stellungnahme, die Christian Röring am Dienstag mehreren Journalisten zugeschickt hat, heißt es, dass eine Fachfirma die außer Kraft gesetzten Lüftungs- und Alarmanlagen „letztmalig im Dezember 2018 überprüft hat“. Dabei sei alles in Ordnung gewesen.

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Nach Informationen des Kreises Borken ist zwingend eine Alarmanlage vorgeschrieben, wenn ein Stall so dicht ist, dass er durch eine Lüftung mit Frischluft versorgt werden muss. Falls ein Landwirt bei einem Lüftungsausfall kein besseres Klima schaffen kann, indem er Fenster und Türen öffnet, ist zwingend ein Notstromaggregat vorgeschrieben. Das ist in dem betroffenen Hof vorhanden. Allerdings muss es von Hand eingeschaltet werden. Und solange niemand über den Stromausfall informiert wird, kann das Aggregat auch niemand aktivieren. Zum letzten Mal kontrolliert hat das Kreisveterinäramt den Hof 2017. Im Mittelpunkt der Untersuchungen hätten damals aber das Tierwohl und nicht die technischen Anlagen gestanden, sagte ein Kreissprecher.

Peta setzt Belohnung aus

Unterdessen hat die Tierschutzorganisation „Peta“ eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro ausgesetzt, die „entscheidend zur Aufklärung beitragen“ soll. „Die Umstände, die zu dem qualvollen Tod der Schweine geführt haben, müssen aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Außerdem betont Peta: „Ganz sicher haben Tierschützer nichts mit dem Tod der Schweine zu tun, denn für sie hat das Wohlergehen der Tiere höchste Priorität.“

Die Polizei in Borken hat nach eigenen Angaben auch die Staatsschutzabteilung des Polizeipräsidiums Münster mit in die Ermittlungen eingebunden. Der Staatsschutz ermittelt bei Straftaten mit einem politischen Hintergrund.

Die Tierkörperbeseitigungsanstalt hat die Kadaver nach Rörings Angaben in der Nacht zum Dienstag abtransportiert.

Bereits zwei frühere Zwischenfälle in den Ställen Rörings

Die Ställe der Familie Röring standen in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal in der Öffentlichkeit: Am 23. Juli 2013 sind dort 944 Schweine verendet. Ein Gutachter hat damals zwei technische Ausfälle gleichzeitig als Ursache ausgemacht. Demnach hatte ein Kurzschluss die Lüftungsanlage lahmgelegt. Ein Blitzeinschlag soll vorher die Alarmanlage, die den Ausfall hätte melden können, außer Gefecht gesetzt. Die Tiere waren letztlich durch einen zu hohen  Kohlendioxid-Gehalt in dem damals fast neuen Maststall verendet. Das Gutachten hatte der Kreis gefordert. An dem Tag war es in Vreden 32,5 Grad heiß. Am 22. September 2016 sendet „Panorama“ Bilder der Tierschutz-Organisation „Animal Rights Watch“ unter anderem aus einem Stall der Familie Röring. Die Bilder zeigen offenbar schwer verletzte Tiere. Johannes Röring weist die Vorwürfe am Tag danach zurück. In seinem Betrieb würden erkrankte Tiere rechtzeitig von gesunden abgesondert und vom Tierarzt versorgt. Josef Barnekamp / Stefan Werding

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