Landwirte beraten über Schweinepest
Die Angst vor dem gefährlichen Virus

Münster -

„Bisher hatten wir wirklich Glück, dass noch kein Schweinepestfall in Deutschland aufgetreten ist.“ Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes, sorgt sich dennoch vor dem Ernstfall. 

Mittwoch, 06.02.2019, 19:44 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 19:46 Uhr
Sollte die Afrikanische Schweinepest in Deutschland ausbrechen, wären die Auswirkungen in den Ställen erheblich.
Sollte die Afrikanische Schweinepest in Deutschland ausbrechen, wären die Auswirkungen in den Ställen erheblich. Foto: dpa

„Dieser wäre da, wenn nur bei einem Tier in Deutschland die Afrikanische Schweinepest (ASP) nachgewiesen werden kann. Das hätte dramatische Folgen, für den gesamten Bereich der Tiererzeugung und Verwertung in ganz Nordwestdeutschland. Die Marktverwerfungen hätten erhebliche Auswirkungen“, ergänzt Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) am Rande eines Workshops in Münster, bei dem Landwirte, Seuchen-Experten und Politiker aus Deutschland und der EU über Schutzmaßnahmen beraten haben.

Dazu gehört unter anderem, dass Betriebsinhaber darüber wachen, wer Zutritt zu dem Hof hat. „In vielen Betrieben arbeiten auch viele Saisonkräfte aus dem Ausland mit. Diese sind aufgefordert, keine Nahrungsmittel aus ihren Heimatländern mitzubringen.“ In Osteuropa ist die Afrikanische Schweinepest nämlich längst ausgebrochen und breitet sich weiter aus. „In Rumänien zum Beispiel werden Tiere vereinzelt im Hinterhof eines Hauses gehalten und auch geschlachtet – das Risiko, dass sich das ASP-Virus dort ausbreitet, ist natürlich sehr groß“, erzählt Holzenkamp.

Gezielte Aufklärungsmaßnahmen sollen dafür sorgen, dass die Seuche doch noch aus Deutschland weggehalten werden kann. In NRW wurde bereits eine Tierseuchenvorsorgegesellschaft gegründet, zudem werden Musterkrisenhandbücher verteilt, EU-Experten bereisen die Krisenländer und werten die gewonnenen Erkenntnisse aus. Röring: „Die Eindämmung der ASP kann nur erfolgreich sein, wenn innerhalb und zwischen den EU-Staaten alle Interessengruppen koordiniert vorgehen.“

Afrikanische Schweinepest

Die für den Menschen ungefährliche und unschädliche Afrikanische Schweinepest (ASP) kursiert bereits seit 2014 in mehreren EU-Mitgliedsstaaten. Sie hat sich zunächst immer weiter nach Westen ausgebreitet, im Moment ist die Tierseuche 300 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze zu Polen und Tschechien entfernt bestätigt. Vor wenigen Monaten wurden infizierte Wildschweine auch in Belgien entdeckt. Bisher ist ein Ausbreiten auf Deutschland verhindert worden. Von der ASP wären in Deutschland knapp 24 000 Betriebe mit Schweinehaltung direkt betroffen – hinzu kommt ein nachgelagerter Bereich mit knapp 14 000 Beschäftigten und einem Jahres-Umsatz von fast fünf Milliarden Euro.

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