Prozess um mutmaßliche Vergewaltigung in Ibbenbüren
Rettungswagen bringt Angeklagten aus Westerkappeln in die Klinik

Westerkappeln/Ibbenbüren/Münster -

„Der Antrag wird abgelehnt.“ Als die Richterin diese Entscheidung aus der vorherigen Beratung der 1. Großen Strafkammer verkündete, ging der Angeklagte im Saal A 11 des Landgerichts Münster zu Boden. Der 46-jährige Westerkappelner, der wegen Vergewaltigung einer Ibbenbürenerin angeklagt ist, fiel unter den Tisch und stand nicht wieder auf.

Donnerstag, 07.02.2019, 16:28 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 16:55 Uhr
Vor dem Landgericht Münster muss sich derzeit ein 46-jährige Westerkappelner wegen des Vorwurfes einer Vergewaltigung verantworten. Der dritte Verhandlungstag nahm einen überraschenden Verlauf.
Vor dem Landgericht Münster muss sich derzeit ein 46-jährige Westerkappelner wegen des Vorwurfes einer Vergewaltigung verantworten. Der dritte Verhandlungstag nahm einen überraschenden Verlauf. Foto: Linda Braunschweig

Weil er dabei Symptome eines medizinischen Notfalls zeigte, ließ die Richterin Rettungswagen und Notarzt rufen. In Begleitung von zwei Justizbeamten wurde der Westerkappelner anschließend ins Krankenhaus gebracht. Die Verhandlung war damit am dritten Prozesstag beendet.

Wie berichtet , soll sich der alkoholkranke Westerkappelner im August vergangenen Jahres zu einer schlafenden Bekannten in deren Ibbenbürener Wohnung aufs Sofa gelegt und sie dann vergewaltigt haben.

Angeklagter wollte Pflichtverteidigerin austauschen

Nachdem am Montag zwei Zeugen, darunter das Opfer selbst, sowie Gutachter gehört worden waren, sollten am Donnerstag eigentlich die Plädoyers gehalten werden. Doch schon zu Beginn der Verhandlung hatte der Angeklagte, der offensichtlich sehr aufgebracht war, der Richterin ein Schreiben überreicht. Darin forderte er, seine Pflichtverteidigerin auszutauschen. Er werde nicht richtig verteidigt.

„Sie hat gesagt, dass alles besser wird, aber ich glaube ihr nicht mehr“, sagte der Mann, der in Untersuchungshaft sitzt. Die Verteidigerin war davon ebenso überrascht wie das Gericht. Gründe nannte er nicht, bekundete aber, dem Prozess nicht weiter folgen zu wollen. Er wolle in seine Zelle gebracht werden.

Notarzt statt Beruhigung

Der Westerkappelner weigerte sich, sich zu setzen. Nur mühsam konnte die Richterin ihn so lange aufhalten, bis sie verkündet hatte, das Gericht werde über den Antrag beraten. Sie hoffe, der Angeklagte beruhige sich unterdessen. Das war jedoch nicht der Fall.

Für eine Entpflichtung der Anwältin sah das Gericht keinen Grund. Es sei nicht ersichtlich, warum das Verhältnis erschüttert sein sollte. Geplant ist, das Verfahren am kommenden Montag fortzusetzen. Man gehe nicht davon aus, dass der Angeklagte dauerhaft verhandlungsunfähig sei, erklärte ein Sprecher des Landgerichts im Anschluss der Verhandlung.

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