Fachtagung in Münster
Naturschützer prüfen Volksbegehren zum Insektenschutz auch in NRW

Münster -

Wie kann man das Insektensterben aufhalten? Am Samstag diskutierten rund 200 Teilnehmer bei einer Fachtagung in Münster mit der Bundesumweltministerin, was sich in Politik, Landwirtschaft und Gesellschaft ändern muss. Herausgekommen sind einige ganz konkrete Vorschläge.

Sonntag, 17.02.2019, 12:38 Uhr aktualisiert: 17.02.2019, 15:24 Uhr
Fachtagung in Münster: Naturschützer prüfen Volksbegehren zum Insektenschutz auch in NRW
Rund 33.000 verschiedene Insektenspezies sind in Deutschland gelistet. Die Zahl der fliegenden Insekten hat laut einer 2017 veröffentlichten Studie in weiten Teilen der Bundesrepublik dramatisch abgenommen. Foto: dpa

Insektenhotelbetreiber, Agrarvisionäre und Ohnetorfgärtner wünscht sich der Nabu, um das akute Insektensterben aufzuhalten. Am Samstag diskutierten auf der zweiten Fachtagung des Nabu NRW rund 200 Teilnehmer mit Experten und Umweltministerin Svenja Schulze darüber, was sich dazu in Politik, Landwirtschaft und Gesellschaft noch tun muss.

Das massive Insektensterben steht stellvertretend für einen seit Jahrzehnten anhaltenden Rückgang der Artenvielfalt in Deutschland, aber auch weltweit. Laut einer Studie des Entomologischen Vereins Krefeld hat die Masse von Fluginsekten in Nordwestdeutschland in den letzten 27 Jahren um mehr als 75 Prozent abgenommen. Das Thema steht besonders seit dem Volksbegehren in Bayern wieder im Fokus der Öffentlichkeit, bei dem über 1,7 Millionen Menschen sich in die Unterstützerlisten für „Rettet die Bienen“ eintrugen.

Volksbegehren auch in NRW

Der Erfolg dort zeige, dass es in der Bevölkerung einen breiten Rückhalt für Verbesserungen im Insektenschutz gebe, betonte der NRW-Chef des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), Josef Tumbrinck. 

In diese Richtung wolle auch der Nabu in NRW gehen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Zuvor seien aber rechtliche und finanzielle Voraussetzungen zu prüfen. Außerdem solle die Landwirtschaft möglichst schon vorab ins Boot geholt werden. Verbündete sieht der Nabu bei SPD und Grünen. Für ein Volksbegehren wären in NRW gut eine Million Unterschriften nötig.

Nabu fordert Umstellung der Agrarförderung

„Nach wie vor sind Politik und Gesellschaft auf allen Ebenen gefordert, umgehend eine Trendwende der dramatischen Entwicklung einzuleiten“, so Tumbrinck. Als Hauptverursacher für die derzeitigen Probleme gilt die intensive Landwirtschaft mit ihrem Einsatz von Pestiziden, Überweidung, großflächiger Mahd und Grünlandumbruch. In NRW wird circa die Hälfte der Fläche für die Landwirtschaft genutzt.

Tumbrinck

Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Nabu NRW, sprach über die Herausforderungen des Insektenschutzes. Foto: Lena Sünderbruch

Der Nabu prangert vor allem an, dass die Biodiversität nur mithilfe einer naturverträglichen EU-Agrarförderung erhalten werden könne, an der sich schnell und grundlegend etwas ändern müsse. Fördergelder müssten stärker an naturnahe Landwirtschaft gekoppelt werden, was nach Expertenschätzungen rund 15 Milliarden Euro kosten würde. Für bestimmte Flächen wie beispielsweise Hecken oder Pufferstreifen zwischen Äckern und Gewässern müsse zudem ein absolutes Pestizidverbot gelten, so Tumbrinck weiter.

Insektensterben

Nach einer aktuellen Studie sind weltweit insbesondere Schmetterlinge, Mistkäfer und Hautflügler - wie Bienen und Ameisen - vom Rückgang betroffen. Die aktuelle Rote Liste NRW stuft 51,6 Prozent der Bienen- und Wespenarten als gefährdet ein. Ursachen sind Flächenverlust durch Bebauung, weniger Blütenpflanzen sowie der Einfluss von Pflanzenschutzmitteln und Klimaeffekten. Schutzgebiete müssten künftig komplett pestizidfrei bewirtschaftet werden und der Flächenverbrauch müsse eingedämmt werden, forderte Tumbrinck.

Das Land fördert zahlreiche Programme zum Erhalt der Insektenvielfalt. Unter anderem soll bis 2022 die Zahl der flugfähigen Insekten auf insgesamt 120 Flächen erfasst werden. Mit Millionen-Investitionen wird der Erhalt der Ökosysteme in der Landwirtschaft - etwa blumenreiche Ackerränder - gefördert.Insekten gelten als lebenswichtige „Dienstleister am Ökosystem“, denn sie bestäuben Obstbäume und Gemüsepflanzen, zersetzen Aas, Totholz und Kot. Außerdem sind sie eine Nahrungsquelle vieler anderer Tiere, etwa von Vögeln. Auch deren Zahl hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen.

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Schulze will Glyphosatnutzung stoppen

Umweltministerin Schulze stimmte der Forderung zu, dass einerseits die Menge der verwendeten Pestizide reduziert werden und man andererseits strengere Zulassungsregeln für neue Pestizide schaffen müsse. Im Rahmen des „Aktionsprogramms Insektenschutz“ wolle sie noch in dieser Legislaturperiode dafür sorgen, die Nutzung glyphosathaltiger Pestizide zu beenden.

Auch das Problem der Überdüngung der Äcker, das vom Europäischen Gerichtshof moniert worden war, müsse behoben werden. „Wir wissen genug, um zu handeln“, räumte Schulze ein. Trotzdem setzt sie zusätzlich auf weitere Forschung und ein bundesweit einheitliches Insekten-Monitoring, das derzeit im Aufbau ist.

Schulze

Umweltministerin Svenja Schulze stellte die Eckpunkte des "Aktionsprogramms Insektenschutz" vor. Foto: Lena Sünderbruch

Auf Dauer müssten allerdings EU-weite Standards und Einigkeit unter den Mitgliedsstaaten her, so Schulze. Laut Koalitionsvertrag ist das Ziel, einen EU-Naturschutzfonds zur Finanzierung dieser Vorhaben zu schaffen. Die Idee wird auf europäischer Ebene bisher jedoch kaum unterstützt.

Landwirte äußern Kritik

Anwesende Landwirte äußerten sich kritisch zu Schulzes Plänen. Sie vermissten kooperative Lösungen statt Ordnungspolitik und bemängelten die ihrer Meinung nach übermäßige Bürokratie in der EU, die Naturschutz erschwere statt fördere.

Seltene Tiere und Pflanzen in NRW

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  • Der Raufußkauz gilt als gefährdete Art, die in Nordrhein-Westfalen ausschließlich in den Mittelgebirgsregionen vorkommt. Schwerpunktmäßig verbreitet ist die Eulenart noch im Sauer- und Siegerland. Bedroht ist der Raufußkauz durch einen Mangel an geeignetem Lebensraum.

    Foto: Marcin Bielechi
  • Der Hirschkäfer ist der größte Käfer Europas. Männchen werden 30 bis 75 mm und Weibchen bis zu 40 mm groß. Er kann bis zu acht Jahre alt werden, verbringt jedoch den größten Teil seines Lebens als Larve. Kernvorkommen liegen im Weserbergland – unter anderem im Kreis Lippe –, im Kreis Wesel, im Münsterland, im Bergischen Land sowie am Nordrand der Eifel und im Köln-Bonner Raum.

    Foto: A9999 Andreas Malten/Senckenberg
  • Der Weißstorch ist ein wahrer Weltenbummler: Er überwintert im tropischen Afrika und kehrt jedes Jahr im April aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurück, um zu brüten und Junge zur Welt zu bringen. Vor allem im Kreis Minden-Lübbecke kann man den bis zu 110 cm großen Schreitvogel durch feuchte Wiesen und Weiden schreiten sehen.

    Foto: Walter Weigelt
  • Noch in den 80er Jahren kamen Feldhamster auf dem Gebiet der ehemaligen DDR so häufig vor, dass ihr Fang staatlich organisiert werden musste. Heute hingegen ist der Nager in der gesamten EU eine streng geschützte Art. Aktuell ist nur noch eine einzige Feldhamsterpopulation im Zülpicher Raum im Kreis Euskirchen bekannt. Der Gesamtbestand liegt bei unter 50 Tieren.

    Foto: Uwe Anspach
  • Weil er sich auf Nahrungssuche durch den Sand kaut, heißt dieser kleine Fisch Steinbeißer. Die aktuell bekannten Vorkommen sind lückenhaft über NRW verteilt. Der Schwerpunkt liegt jedoch in den Bächen der Münsterländer Bucht und im Wesereinzugsgebiet.

    Foto: Bezirksregierung
  • Das Leberblümchen wurde im Mittelalter zur Heilung von Leberleiden eingesetzt und blüht nur eine Woche. In NRW kommt die Pflanzenart neben dem Teutoburger Wald noch in den Kalkgebieten von Weser und Diemel, im östlichen Hochsauerland sowie in den Beckumer Bergen vor. Es gilt als „besonders geschützt“ und darf weder gepflückt noch ausgegraben werden.

    Foto: Marion Nickig
  • Der Feuersalamander darf heutzutage weder eingefangen noch verletzt oder gar getötet werden. Das sahen die Menschen im Mittelalter noch ganz anders: Sie glaubten, der Feuersalamander besäße die Gabe, Brände zu löschen. Also warf man ihn ins Feuer, wenn es irgendwo brannte. Neben dem Ennepe-Ruhr-Kreis gibt es größere Vorkommen des schwarz-gelben Lurches vor allem im Weserbergland, der Eifel und dem Niederrhein.

    Foto: David Ebener
  • Die Europäische Wildkatze wird fälschlicherweise oft als Vorfahre aller heimischen Hauskatzen bezeichnet. Aber schon beim Aussehen gibt es Unterschiede: Die Wildkatze hat ein gelblichgrau bis bräunlich gefärbtes Rückenfell, das mit einem undeutlichen schwarzen Tigermuster gezeichnet ist. Sie ist eine hochmobile Art, deren Bestände sich in großen Waldgebieten wie dem Rothaargebirge, dem Egge-Gebirge oder der Eifel erholt haben.

    Foto: A3587 Ronald Wittek
  • Mit einer Körpergröße von 53 bis 58 Zentimetern ist der Große Brachvogel die größte in Mitteleuropa brütende Watvogelart. Ob sich der Große Brachvogel weiter im Bestand erholen wird, ist noch nicht vorhersagbar, denn er ist vom Klimawandel besonders betroffen. Verbreitungsschwerpunkte sind das Münsterland und Ostwestfalen.

    Foto: Thomas Starkmann
  • Wer in Aachen genau hinschaut, kann sie mit viel Glück - es gibt nur etwa 75 Exemplare - an Mauern, Felswänden oder Holzbalken entlangklettern sehen: die Mauereidechse, die ihrem ausgeprägten Klettervermögen auch ihren Namen verdankt. In NRW kommt die Mauereidechse natürlicherweise nur in der Eifel, dem Siebengebirge sowie im Einzugsbereich des Rheins bis Höhe Bonn vor.

    Foto: A3471 Boris Roessler
  • Mit seinem exotischen Aussehen macht der Eisvogel seinem Beinamen „fliegender Edelstein“ alle Ehre. Leverkusen und Umgebung bilden wichtige Lebensräume für den Eisvogel. Dort brütet er bevorzugt an vegetationsfreien Steilwänden aus Lehm oder Sand in selbst gegrabenen Brutröhren.  

    Foto: Friedrich-Wilhelm Kölle
  • Sie kann vergiften – aber auch heilen. Früher wurde die Herbstzeitlose als Mittel gegen die Pest um den Hals getragen – ohne Erfolg. Heute werden ihre Wirkstoffe zielführender in der Therapie von Gicht angewendet. Nur essen sollte man die Pflanze nicht, weil ihre Wirkstoffe höchst giftig sind. Die Herbstzeitlose ist heute laut Roter Liste eine äußerst gefährdete Pflanze. Dem Krokus sehr ähnlich kommt das Liliengewächs in der Urdenbacher Kämpe in Düsseldorf vor.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand
  • Die Ringelnatter hat ein beeindruckendes Repertoire an Abwehrmechanismen. Trifft sie auf einen Feind bläht sie sich auf, faucht, setzt Scheinbisse ein und sondert ein übel riechendes Sekret ab. Hilft das alles nichts, legt sie sich auf den Rücken, zeigt ihre Zähne und stellt sich tot. Auf gar keinen Fall sollte man das ungefährliche Tier töten. Nach dem Bundesartenschutzgesetz ist die Ringelnatter nämlich besonders geschützt. Die Ringelnatter kommt verstärkt nur noch in den Mittelgebirgen unseres Landes vor, zum Beispiel im Bonner Kottenforst.

    Foto: Annika Keil
  • Im antiken Griechenland galt sein Gesang als Unglücksbringer und als Vorbote eines nahen Todes. Wer den Gesang jedoch heute hört, kann wohl eher von einem Glücksfall sprechen. Denn das Rufen des Raufußkauzes ertönt nur noch äußerst selten - schwerpunktmäßig im Sauer- und Siegerland.

    Foto: Axel Roll
  • Sein leuchtend rotes Kopfhaar erinnert aufgestellt an einen Irokesen. Leider kann man den agilen und quirligen Mittelspecht nur noch selten beobachten. Der Kreis Warendorf ist einer der bevorzugten Lebensräume des Mittelspechts.

    Foto: Friedrich-Wilhelm Kölle
  • Tagsüber ist er fast nicht zu entdecken: Das graubraune Gefieder des Ziegenmelkers hebt sich kaum vom Untergrund ab, wenn er regungslos auf Zweigen oder am Boden sitzt. In der Regel hört man ihn nur nachts, wenn sein markantes und lang andauerndes monotones Schnurren erklingt. In NRW kommt der Ziegenmelker nur noch sehr lokal vor, zum Beispiel auf dem ehemaligen Flughafengelände Elmpt im Kreis Viersen, in der Wahner Heide bei Köln oder auf den Truppenübungsplätzen in der Senne.

    Foto: Reinhard Walther
  • Vor 80 Jahren kam er überall in NRW vor und machte insbesondere durch seine nächtlichen Konzerte auf sich aufmerksam. Doch mit zunehmenden Landschaftsveränderungen verstummte der Laubfrosch vielerorts. 1979 wurde er in der Roten Liste der gefährdeten Arten als „stark gefährdet“ eingestuft, 1986 sogar als „vom Aussterben bedroht“. Heute ist der „Froschkönig“ jedoch auf gutem Wege, wieder auf die Sprünge zu kommen, vor allem im Kreis Unna.

    Foto: Stefan Sauer
  • Seit knapp 500 Jahren spielt die Arnika eine Rolle in der europäischen Medizin: Ihre sonnengelben Blüten werden äußerlich angewendet, zum Beispiel bei Prellungen, rheumatischen Beschwerden oder Entzündungen im Rachenraum. 2001 wurde sie „Arzneipflanze des Jahres“ und war zwischenzeitlich als Arzneipflanze so begehrt, dass die Art kurz vor dem Aussterben stand. Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist einer der bevorzugten Lebensräume der Arnika.

    Foto: verschiedene
  • Die Grauammer fühlt sich wohl im offenen Ackerland, wo sie inmitten der Felder brüten und dort auch ihre Nahrung suchen kann. Ehemals kam sie flächendeckend in NRW vor, gab nach dem großräumigen Verlust geeigneter Habitate jedoch weite Bereiche des Landes als Bruträume auf. Heute ist sie nur noch sehr lokal in NRW zu finden, und zwar in den ausgedehnten Bördelandschaften im Raum Zülpich und Jülich sowie in den Vogelschutzgebieten ‚Hellwegbörde’ und ‚Unterer Niederrhein’.

    Foto: Joachim Weiss
  • Der Name ist Programm: Die Gelbbauchunke fällt auf durch ihre hellgelb bis orange gefärbte Bauchseite mit dunkleren Flecken. Sie ist ein kleiner Froschlurch, der eine Länge von nur 3,5 bis 4,5 Zentimeter erreicht und in Nordrhein-Westfalen seine nördliche Verbreitungsgrenze erreicht. Hier kommt die Gelbbauchunke vor allem im Rheinisch-Bergischen-Kreis in den Randlagen der Mittelgebirge vor. Quelle: www.umwelt.nrw.de

    Foto: Jochen Lübke
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