Stilberatung
Reden über Pastors Kragen

Susanne Niermann berät Priester, Diakone und Pastoralreferenten des Bistums Münster in Stilfragen. Heute Abend endet das zweitägige Seminar aus dem Fortbildungsprogramm des Bistums Münster. Unser Redaktionsmitglied Stefan Werding hat sie gefragt, ob es für Priester nicht wichtigere Themen gibt.

Dienstag, 19.02.2019, 06:44 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 07:41 Uhr
Susanne Niermann: „Priester machen es sich einfacher, wenn sie sich Ihrer Außenwirkung bewusst sind.“
Susanne Niermann: „Priester machen es sich einfacher, wenn sie sich Ihrer Außenwirkung bewusst sind.“ Foto: dpa

Sie beraten Priester in Stilfragen. Haben die das besonders nötig?

Susanne Niermann: Nein. Aber jeder Mensch hat eine Botschaft, die er vermitteln will und für die er steht. Jeder hinterlässt ein Image – ob er will oder nicht. Es macht Sinn, sich einmal klar zu machen ob die eigene Wirkung auch die ist, die man gerne hätte. Das Seminar soll die Teilnehmer dabei unterstützen, sich gut zu präsentieren.

Wie ist es denn um den Stil der Priester im Bistum Münster bestellt?

Niermann: Was ich so gesehen hab: gar nicht so schlecht. Wer zu mir in das Seminar kommt, hat sich auf jeden Fall schon Gedanken um sein äußeres Erscheinungsbild gemacht – das ist doch schon der erste Schritt. In einem meiner ersten Seminare hat ein Pastor mit schwarzem Anzug und weißem Kragen bereits so authentisch ausgesehen, dass er damit für jede Situation bestens gerüstet ist. Bei gutem Stil geht es hauptsächlich um das viel bemühte Wort „Authentizität“. Wer authentisch ist, kommt bei seinem Gegenüber sympathisch an, kann ihn einfacher „abholen“ und damit seine Botschaft viel leichter vermitteln.

Was macht „passenden Stil“ aus?

Niermann: Ein optimales Erscheinungsbild, das sich aus der optimalem Farbe und der optimalen Schnittführung zusammensetzt und die eigene Persönlichkeit zur Wirkung bringt. Während des Seminars versuchen wir zu klären, welche Farben und Schnitte zu den Teilnehmern passen. Kleidung, die zu weit ist, trägt auf und macht unförmig. Unförmigkeit geht immer zu Lasten der Wirkung und der Präsenz. Je präsenter jemand wirken möchte, desto besser trägt er Kleidung, die seiner Körperform entspricht. Jeder hat seine eigenen Proportionen und vielleicht figürlichen Herausforderungen. Ich zeige, wie sich Proportionen ausgleichen und figürliche Herausforderungen überspielen lassen.

Dann wird Pastors Bauch Thema.

Niermann: Genau. Und dass er nicht noch eine enge Weste mit einer Uhrenkette draufsetzt.

Stehen während des Kurses alle der Reihe nach vorm Spiegel und begutachten sich gegenseitig?

Niermann: Ja, wenn Sie so wollen. Alles was wir tun, tun wir natürlich in einem sehr wertschätzenden Miteinander. Zuerst aber berichte ich über die Themen Imagebildung und Selbstmarketing und erkläre, wie ein erster Eindruck entsteht. Dann gehen wir vor den Spiegel, um herauszufinden, ob den Teilnehmenden eher helle oder dunkle, warme oder kalte und leuchtende oder matte Farben stehen.

Warum ist das wichtig?

Niermann: Weil eine zu grelle Jacke mit einem Gesicht spazieren geht. Dann denkt das Gegenüber: „Guck mal, da kommt der Typ mit der grünen Jacke.“ Aber es denkt nicht mehr: „Das ist doch der und der.“ Deswegen ist es sinnvoll, Farben und auch Kontraste zu wählen, die nicht dem Gesicht vorauseilen.

Nun erwartet man von einem Pastor, dass der gerade nicht in den Spiegel guckt, sondern in die Seele.

Niermann: Vor meinem ersten Kursus war meine größte Angst, dass genau das Thema wird. Nach dem Motto: „Ich habe doch eine wichtige Botschaft. Ist mir doch egal, wie ich aussehe.“ So ist das aber nicht. Ein Pastor hat natürlich eine bestimmte Botschaft zu vermitteln. Er könnte sich aber überlegen, wie er das am einfachsten hinbekommt. Das steht nicht im Widerspruch zu seiner eigentlichen Aufgabe. Die bleibt ja unangefochten. Auch Priester haben das Bedürfnis, passend zur jeweiligen Aufgabe wahrgenommen zu werden. Und sie machen es sich einfacher, wenn sie sich Ihrer Außenwirkung bewusst sind.

Priester sind mit Missbrauch, Kirchenaustritten und Fusionen konfrontiert. Ist guter Stil da nicht banal?

Niermann: Natürlich sind Kleidung und Outfit nur ein ganz kleiner Part im Leben eines Priesters. Es gibt Tausende viel wichtigere Dinge. Nur leider funktioniert unsere Gesellschaft so. Wir werden in Schubladen gesteckt, und der erste Eindruck hat viel Gewicht. Wenn man sich von Anfang an so positioniert, wie man wahrgenommen werden möchte, tut mach sich einfach leichter seine Botschaft zu vermitteln. Da kommt die Kirche auch nicht dran vorbei.

Nachrichten-Ticker