Patientenbeförderung auf Rezept
Neue Regeln zur Kostenübernahme

Gronau -

Wer krank oder in seiner Mobilität eingeschränkt ist, benötigt oft eine Transportmöglichkeit für den Weg in die behandelnde Praxis, ins Krankenhaus oder zur Reha-Maßnahme. Das kann schnell teuer werden. Seit Januar ist die Kostenübernahme neu geregelt.

Dienstag, 19.02.2019, 08:30 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 10:33 Uhr
Für die Kostenübernahme einer Patientenbeförderung gibt es bestimmte Regeln.
Für die Kostenübernahme einer Patientenbeförderung gibt es bestimmte Regeln. Foto: Matthias Ahlke

Damit die Kosten für die Fahrten nicht aus dem Ruder laufen, ist bei den gesetzlichen Krankenkassen die Übernahme der Kosten für eine Patientenbeförderung eng geregelt: „Ärzte dürfen Krankentransporte nur verordnen, wenn die Fahrt medizinisch notwendig ist. Seit Januar beschert eine erweiterte Regel auch Pflegebedürftigen eine Entlastung: Wer über den Pflegegrad 4 und 5 oder eine Schwerbehinderung mit dem Merkzeichen ‚aG‘, ‚BI‘ oder ‚H‘ verfügt, kann für medizinisch notwendige Fahrten zum Arzt oder Zahnarzt auch ohne vorherige Erlaubnis seiner gesetzlichen Krankenkasse ein Taxi nehmen, für das die Kasse anschließend die Kosten übernimmt“, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. „Diese Regelung gilt auch für Betroffene mit Pflegegrad 3, wenn sie zusätzlich mobilitätseingeschränkt sind.“ Fahrten zum Abholen von Rezepten oder Erfragen von Befunden werden jedoch nicht erstattet. Die Verbraucherzentrale NRW gibt einen Überblick über die geltenden Regeln:

 Stationäre Behandlung: Voraussetzung für die Übernahme der Fahrtkosten zu einer Klinik ist immer, dass die Fahrt zu einer Behandlung aus medizinischen Gründen notwendig ist. In einem solchen Fall dürfen behandelnde Ärzte für den Krankentransport ein Rezept ausstellen, das hinterher mit der gesetzlichen Kasse abgerechnet werden kann. Patienten müssen diese Verordnung nicht vorab bei der Krankenkasse zur Genehmigung vorlegen. Dies gilt auch für vor- und nachstationäre Behandlungen.

► Ambulante Behandlung: Die Krankenkassen übernehmen nur in wenigen Fällen die Kosten für Fahrten zum Arzt oder Zahnarzt. So zum Beispiel, wenn durch eine ambulante Operation ein stationärer Aufenthalt verkürzt oder vermieden werden kann. Auch für Patienten, die sich einer Dauerbehandlung – wie etwa einer Strahlentherapie – unterziehen müssen, werden die Kosten übernommen.

Für den Weg zu anderen therapeutischen Behandlungen – wie zum Beispiel zur Massage oder Physiotherapie – kommen die gesetzlichen Kassen nicht auf. Voraussetzung für die Übernahme der Fahrtkosten ist immer eine Verordnung des Arztes. Achtung: In den meisten Fällen muss die Krankenkasse diese Fahrten vor Antritt genehmigen. Es gibt aber auch Ausnahmen.

 Art der Beförderung: Ob ambulante oder stationäre Behandlung – die Auswahl des Beförderungsmittels dorthin richtet sich stets nach dem individuellen Bedarf und Gesundheitszustand der Patienten. Ärzte und Patienten sollten deshalb zunächst prüfen, ob eine Fahrt mit Bus und Bahn oder dem eigenen Auto aus eigener Tasche bewältigt werden kann. Wenn dies nicht in Frage kommt, können Taxi, Mietwagen oder Krankentransporter genutzt werden. Gesetzliche Kassen bezahlen jedoch nur für die kürzeste Strecke und prüfen dies gegebenenfalls auch nach.

► Zuzahlung und Abrechnung: Versicherte müssen einen Teil der Beförderungskosten selbst schultern. Die Zuzahlung beträgt unabhängig von der Art des Fahrzeugs – auch für Kinder und Jugendliche – zehn Prozent der Fahrkosten, mindestens jedoch fünf Euro und höchstens zehn Euro pro Fahrt. Diesen Betrag erhält der Fahrer sofort nach der Beförderung. In einigen Fällen rechnet das Transportunternehmen mit der zuständigen Krankenkasse direkt ab. In anderen Fällen beantragt der Patient die Übernahme der Fahrtkosten bei der Krankenkasse schriftlich mit den Belegen (Taxiquittungen, Bahnfahrkarten oder Kilometernachweisen). Die Krankenkasse informiert auf Nachfrage, wie die Abrechnung abläuft.

► Erweiterte Fahrten ohne Genehmigung der Krankenkasse: Seit Januar 2019 brauchen viele schwerbehinderte und pflegebedürftige Patienten für Fahrten zur Facharztbehandlung keine Kassenerlaubnis mehr. Das trifft zu für Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis, der das Merkmal „aG“ für außergewöhnliche Gehbehinderung, „Bl“ für Blindheit oder „H“ für Hilflosigkeit enthält. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3, bei denen eine dauerhafte Mobilitätsbeeinträchtigung vorliegt, sowie Betroffene mit Pflegegrad 4 oder 5 profitieren ebenfalls von dieser Regelung. Eine Verordnung vom erstbehandelnden Arzt reicht für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse aus. Allerdings werden nur Fahrten mit dem Taxi oder Mietwagen übernommen. Wer unsicher ist, in welchen Fällen dies gilt, sollte die Kostenübernahme mit der Krankenkasse vorab klären.

Weitere Hinweise zu den Rechten von Patienten und Pflegebedürftige gibt die Verbraucherzentrale NRW im Internet. Neutralen und kundigen Rat bieten auch fünf örtliche Gesundheitsberatungen der Verbraucherzentrale NRW. Auch diese Adressen sind online zu finden.

 

Nachrichten-Ticker