Fünf Jahre Gefängnis
Gericht urteilt: Es war doch versuchter Mord

Ahlen / Münster -

Hat der Fahrer versucht, den neuen Partner seiner Ex-Freundin umzubringen, als er ihn mit einem Mietwagen an der Kruppstraße vom Rad holte? Ja, urteilte am Montag das Landgericht Münster im Fall des versuchten Mordes in Ahlen. Fünf Jahre und drei Monate Gefängnis legte die Schwurgerichtskammer als Strafe für den 40-Jährigen fest.

Montag, 18.02.2019, 21:22 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 22:18 Uhr
Fünf Jahre Gefängnis: Gericht urteilt: Es war doch versuchter Mord
Foto: dpa (Symbolbild)

Der Fall hatte auch deshalb für Aufmerksamkeit gesorgt, weil der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil einer anderen Kammer aufgehoben und ihn zur Neuverhandlung an das Landgericht zurückverwiesen hatte. Urteil damals: fünfeinhalb Jahre für versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und vorsätzlichen Eingriff in den Verkehr.

"Wieder bei Null angefangen"

„Wir haben wieder bei Null angefangen und uns nicht vom Urteil und nicht von Feststellungen im ersten Durchlauf leiten lassen“, sagte der Vorsitzende Richter am Montag. „Wir haben uns auch nicht leiten lassen von der Aufhebung durch den BGH.“ Der habe „keine Vorgaben“ gemacht, wie die Kammer vorzugehen habe.

Sicher war für die drei Berufsrichter und zwei Schöffen, dass der 40-Jährige „die Kollision bewusst herbeigeführt“ und „dabei in Kauf genommen“ hat, dass das Opfer stirbt. Der Täter habe „erheblich beschleunigt“ und nicht gebremst – „damit ist der Vorsatz gegeben“, so der Richter weiter. Auch das Mordmerkmal „Heimtücke“ sei erfüllt: „Kein Radfahrer rechnet damit, dass er absichtlich angefahren wird.“

Opfer absichtlich angefahren 

Nach der Kollision, durch die das Opfer „15 Meter weit geschleudert“ (und nur leicht verletzt) wurde, habe der Fahrer Wagen vor ihm „in halsbrecherischem Tempo“ rechts überholt.

Unabhängig von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung und Depressionen sei der 40-Jährige „intelligent“, hieß es, und habe gewusst, dass „ein Sturz mit dem Kopf auf die Windschutzscheibe oder den Asphalt tödlich sein kann“.

Der Täter habe vermutlich gar nicht dem neuen Freund der Ex schaden, sondern die Frau „bestrafen“ wollen. „Indem er ihren neuen Freund und dann sich selbst umbringt.“ Der 40-Jährige hatte sich im Meer bei Cuxhaven ertränken wollen. Zeugen hatten ihn – unbeschadet – im Watt liegend gefunden.

Wieso die Strafe niedriger ausgefallen ist:

Das Gericht traf im Wesentlichen die gleichen Feststellungen wie im ersten Verfahrensdurchlauf. Die Strafe fällt niedriger aus als zuvor, weil seit dem ersten Urteil „Zeit vergangen“ sei, so der Richter und weil durch die Revision von Seiten des Angeklagten ein „Verschlechterungsverbot“ gelte.

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