Richter werten Geständnis zugunsten des Angeklagten
3,5 Jahre Haft für Vergewaltiger

Ibbenbüren/Westerkappeln/Münster -

Drei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe lautete am Ende das Urteil für den Westerkappelner, der eine Frau im Schlaf vergewaltigt hat. Dabei wertete das Gericht das Geständnis, das dem Opfer die Wiederholung der Details ersparte, „ganz erheblich“ zugunsten des Angeklagten.

Dienstag, 19.02.2019, 16:22 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 17:53 Uhr
Richter werten Geständnis zugunsten des Angeklagten: 3,5 Jahre Haft für Vergewaltiger
Weil er eine Frau vergewaltigt hat, ist ein Westerkappelner vom Landgericht Münster zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Foto: dpa

Dieses Mal hatte die Vorsitzende Richterin gleich einen Arzt als Sachverständigen in den Gerichtssaal geholt: Nachdem der Angeklagte im Prozess um eine Vergewaltigung in Ibbenbüren vor dem Landgericht Münster bei den beiden vorangegangenen Terminen zusammengebrochen war und mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurde (wir berichteten), war am fünften Verhandlungstag aber keine medizinische Hilfe mehr nötig.

Nach einem klärenden Gespräch zwischen dem 46-jährigen Westerkappelner und seiner Anwältin am Dienstag nahm der Mann seinen nunmehr dritten Antrag auf Auswechslung der Verteidigung zurück. Der Prozess konnte mit den Plädoyers weitergehen, die eigentlich schon vor zwei Wochen geplant waren.

Angeklagter wollte nicht von einer Frau verteidigt werden

Zwei Mal hatte das Gericht zuvor den Antrag auf eine neue Verteidigung mit dem Hinweis auf einen fehlenden wichtigen Grund abgelehnt. Er habe von vornherein von einem Mann verteidigt werden wollen, hatte der Angeklagte seine Forderung begründet. Eine Frau könne die „Tiefe seiner Situation“ nicht sehen. So habe seine Anwältin ihm geraten, ein Geständnis abzulegen, um eine mildere Strafe zu erzielen. Im Verlauf des Prozesses glaubte der Mann offenbar nicht mehr daran, dass das richtig war. Letztlich hielt er das Geständnis aber aufrecht. Zum Verhalten ihres Mandanten erklärte die Verteidigerin, der Mann habe in der Untersuchungshaft von anderen Urteilen erfahren. Er habe große Angst, die sich auch körperlich auswirke.

Das Urteil für den Westerkappelner

Drei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe lautete am Ende das Urteil für den Westerkappelner. Dabei wertete das Gericht das Geständnis, das dem Opfer die Wiederholung der Details ersparte, „ganz erheblich“ zugunsten des Angeklagten. Zudem wurde der Mann zur Zahlung von 10 000 Euro Schmerzensgeld verurteilt, die die Nebenklage für das Opfer gefordert hatte. Der 46-Jährige soll einen Alkoholentzug in einer Klinik machen.

Mit dem Urteil blieb das Gericht ein halbes Jahr unter dem Strafmaß der Staatsanwaltschaft. Diese hatte keine Zweifel mehr an der Vergewaltigung am 25. August 2018 in einer Wohnung in Ibbenbüren. Der Westerkappelner hatte die Wohnung am Abend betreten, nachdem ihm der vierjährige Sohn des späteren Opfers öffnete. Die junge Frau und ihr Freund schliefen. Beide waren alkoholisiert. Der 46-Jährige legte sich nach einiger Zeit zu der Frau aufs Sofa und vergewaltigte sie.

Opfer leidet unter psychischen Folgen

Die Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten zu Gute, dass es keine geplante Tat gewesen sei. Die psychischen Folgen für das Opfer seien jedoch erheblich. Das bekräftigte auch der Nebenklagevertreter. Die junge Frau leide unter Schlafstörungen und ekele sich vor sich selber, so dass sie sich eine Zeit lang mit Desinfektionsmittel wusch. Die Beziehung zu ihrem Freund sei zerbrochen. Sie könne derzeit nicht arbeiten.

Die Verteidigung betonte die schwierige Lebenssituation des Angeklagten, der seinen Job verloren hatte und von seiner Frau verlassen wurde. Er habe sich glaubhaft für seine Tat entschuldigt. Das bekräftigte der Mann in seinem Schlusswort. Er erkenne die Tat an und sei bereit, eine angemessene Strafe zu tragen.

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