Neue Ideen für den Nahverkehr
Die Mobilität von morgen

Münsterland -

Die Zukunft der Mobilität im ländlichen Raum neu zu denken ist leichter gesagt als getan. Städte wie Münster stehen vor dem Verkehrskollaps, gleichzeitig ist auf dem Land der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) künftig nicht mehr zu finanzieren. Beides steht fest, alles andere ist offen. Aber es gibt viele Ideen . . .

Dienstag, 05.03.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 14:15 Uhr
Münster 2035: Elektrobusse steuern Knotenpunkte an, in denen Menschen ihre Verkehrsmittel wechseln. So wie in dieser Skizze könnte es aussehen.
Münster 2035: Elektrobusse steuern Knotenpunkte an, in denen Menschen ihre Verkehrsmittel wechseln. So wie in dieser Skizze könnte es aussehen. Foto: dd

Das Land NRW hat darum 2018 beschlossen, das Münsterland zum Musterland für eine neue Mobilität im ländlichen Raum zu machen. 335 000 Euro gab’s vom Ver kehrsministerium dafür, verbunden mit der Bitte, ruhig quer zu denken.

Weg von starren Fahrplänen

Bahn, Bus, Fahrrad, E-Au­to. Alles klug vernetzt, so individuell wie möglich und wo möglich auf Abruf ab Haustür – also frei von starren Fahrplänen, das könnte die Lösung sein. Die obendrein einfach, attraktiv und zeitsparend sein muss, „ansonsten nutzt das nämlich niemand“, sagt Klaus Effing. Der ist im ersten Beruf Landrat in Steinfurt und nebenbei Vorsteher des Zweckverbandes Schienen-Personennahverkehr (ZVM). Als solcher hat er beim Nachdenken über die Mobilität von morgen den Hut auf.

Mobilität ist längst ein Trend-Thema: Also gab’s am Anfang Gerangel um Einfluss und Meriten. Münsterland e.V. sollte, die Bezirksregierung wollte, die Landräte auch. Letztlich rauften sich alle zusammen und dockten die Projektgruppe beim ZVM an, der ist schließlich verantwortlich für den Eisenbahnverkehr in der gesamten Region – und bewegt sozusagen schon eine Menge.

Individuelle Lösungen

Das mobile Grundgerüst ist das alte, weil bewährte: den Verkehr aus den ländlichen Räumen auf Hauptachsen bringen, die wiederum vernetzt sind. Das Wie jedoch soll neu sein. Wie das Wie aussehen könnte, weiß derzeit niemand. „Hier sind die Kommunen gefordert“, sagt Projektmanagerin Alina Klanke. Da jede Gemeinde und jede Stadt eigene Bedürfnisse hat, müssen auch die Lösungen individuell sein. Zentrales Element sind die Knotenpunkte. Dort soll alles zusammenlaufen. Diese sogenannten Hubs soll es in jedem Ortsteil geben, sagt Effing.

Vernetzen ist das eine, Digitalisieren das andere. Den Überblick über den stets besten Weg von A nach B soll ei­ne App behalten, betont ZVM-Geschäftsführer Micha­el Geuck­ler. „Bus und Bahn im Münsterland“, die Bubim-App, könnte hier die Basis sein, die jedoch kräftig gepimpt werden muss.

Ausdenken ist das eine, ausprobieren das andere. Durchexerziert werden soll das Neue ab 2020 mit der Schnellbuslinie S 90 / S 91 von Olfen nach Münster. Die wird dann in X 90 umgetauft, sagt Gerrit Tranel, beim ZVM für den Busverkehr zuständig. Dort soll dann ein Wasserstoffbus weniger Haltepunkte anfahren, damit es schneller geht.

Erste Hubs

Etabliert werden dann auch erste Hubs, „als Blaupause für andere Strecken“, ergänzt Ute Schmidt-Vöcks, die für Münsterland e.V. in der Mobilitäts-AG sitzt. In Senden-Bösensell ist so eine Station geplant und am Ortseingang Münsters.

Die sollen mehr als Um- und Einsteigestationen sein. „Wir wollen sie perspektivisch zu „Orten der Daseinsvorsorge ausbauen“, erzählt Klanke weiter. Zu Pickup-Stationen, an die man sich beispielsweise auch Pakete liefern lassen kann.

Welche Städte mitmachen

Mobilität ist längst ein Standortfaktor: Das haben viele Gemeinden erkannt und machen darum mit. Ibbenbüren ist dabei, Nordkirchen, Münster, Ostbevern, Ladbergen, Havixbeck, Billerbeck. Die kritische Masse scheint also groß genug zu sein. Das ist wichtig, da „wir darauf angewiesen sind, dass die konkreten Ideen vor Ort erarbeitet werden“, sagt Effing.

Innovation ist nicht nur hier ein Stichwort. Das gilt auch für die Technik. Integriert werden sollen irgendwann auch autonom fahrende Autos und Busse. „Die werden wir zeitnah testen“, sagt Tranel – und im April auf einer Mobilitätsmesse präsentieren. Eine Idee von vielen: Die Anschaffung von „e-GO Movern“. Elektrische Kleinbusse sind das, die gefahren werden können – und selber fahren können.

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