Tierheim Lengerich
Auto für Hund, Katze, Kaninchen - nicht für Würgeschlangen

Lengerich/Westerkappeln -

Der Bereitschaftsdienst des Tierschutzvereins Lengerich-Westerkappeln wird schon mal mit ungewöhnlichen Anfragen konfrontiert. Jüngst bat ein Mann darum, seine Königspython ins Tierheim Lengerich geben zu dürfen.

Donnerstag, 07.03.2019, 06:09 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 06:55 Uhr
Freuen sich über den neuen Transporter: Ulla Mertin (vorne links), Vorsitzende des Tierschutzvereins Lengerich-Westerkappeln, und das Team des Tierheims um Leiterin Conny Backhaus (3. von rechts). Überreicht wurde das vom Deutschen Tierschutzbund bereitgestellte Fahrzeug von Judith Schönenstein (rechts), in der Organisation als Tierärztin für Tierheimbetreuung tätig.
Freuen sich über den neuen Transporter: Ulla Mertin (vorne links), Vorsitzende des Tierschutzvereins Lengerich-Westerkappeln, und das Team des Tierheims um Leiterin Conny Backhaus (3. von rechts). Überreicht wurde das vom Deutschen Tierschutzbund bereitgestellte Fahrzeug von Judith Schönenstein (rechts), in der Organisation als Tierärztin für Tierheimbetreuung tätig. Foto: Michael Baar

Die Zeit des Behelfs ist vorbei, sagt Ulla Mertin und blickt auf das nagelneue Auto vor dem Tierheim. Auf der Ladefläche stehen zwei Tier-Transportboxen. Eine große und eine kleine, dazu bleibt genügend Platz für weitere Dinge, beispielsweise Futter. Spender des Großraum-Wagens ist der Deutsche Tierschutzbund. Der Tierschutzverein Lengerich-Westerkappeln ist dort seit vielen Jahren Mitglied.

Das vorher genutzte Fahrzeug hatte der Verein – er ist Träger des Tierheims – über Spenden finanziert. Spätestens im vergangenen Sommer zeigten sich die Grenzen dieses Vehikels. „Ohne Klimaanlage war es fast nicht möglich, Tiere zu transportieren“, sagt die Vorsitzende. Im Winter habe sich das Blatt umgekehrt: „Da war es fast zu kalt im Auto, um Hunde oder Katzen zu fahren.“

Keine Routine-Einsätze 

Neben dem Bereitschaftsdienst des Vereins wird der Wagen für Fahrten zum Tierarzt oder Futter holen eingesetzt. Letzteres sind Routine-Angelegenheiten, was man von den Einsätzen des Bereitschaftsdienstes nicht sagen kann. „Hinfahren, das Tier mitnehmen, fertig – so einfach ist das nicht immer“, erzählt Ulla Mertin. So sei es vor etlichen Jahren nicht gelungen, einen wild lebenden Hund einzufangen. „Wir haben versucht, ihn anzufüttern. Das gelang ebenso nicht wie andere Tricks“, erinnert sie sich.

In einem anderen Fall sei es einem Nachbarn gelungen, einen frei herumlaufenden Hund nach und nach an regelmäßige Futtergaben zu gewöhnen. „Nach viereinhalb Wochen haben wir ihn dann mitnehmen können.“ Der Vierbeiner ist heute noch im Tierheim, „weil er extrem menschenscheu ist“. Was sich bei einem Gang durch die Anlage bestätigt.

Der Fall Königspython

Es sind nicht nur Hunde, wegen denen der Bereitschaftsdienst angerufen wird. Ein Klassiker sei die Taube, die gegen ein Fenster geflogen ist und benommen am Boden liegt. „Da rufen die Leute an, beschreiben das und bitten uns zu kommen. Die Taube anfassen, das könnten sie nicht, heißt es dann am Telefon“, berichtet die Vorsitzende.

Doch es gibt auch Fälle, in denen das Tierheim nicht die richtige Anlaufstelle ist. Jüngstes Beispiel: Der Besitzer einer Königspython wollte sein Reptil loswerden und im Tierheim unterbringen. „Darauf sind wir nicht eingerichtet und haben ihm geraten, sich an einen Zoo zu wenden“, erläutert Ulla Mertin. Ob der Mann damit Erfolg hatte, weiß sie nicht. „Ich bin Tierschützerin, frage mich aber doch, wie kann man sich so ein Tier ins Haus holen?“

Die Lage im Tierheim

Momentan sei die Lage im Tierheim entspannt, erzählt sie im WN-Gespräch mit Blick auf aktuell zwölf Hunde und 35 Katzen sowie einige Kaninchen, die am Setteler Damm leben. Dafür beschäftigt den Verein ein anderes Projekt: der Anschluss ans Wasserversorgungsnetz. Aus Sicht der Vorsitzenden ein unabdingbarer Schritt. Nicht nur, weil mit den Wasserrohren auch Glasfaserkabel von der Teutel, dem Tochterunternehmen der Stadtwerke Lengerich, ins Haus kämen. „Im vergangenen Jahr haben wir zwei Mal Filter in unseren Brunnen einspülen lassen, weil wir zu wenig Wasser hatten.“ Wenn sich noch einige Sponsoren fänden, hätte es damit, ebenso wie mit der lahmen Internetverbindung, ein Ende.

Fundtiere aus sieben Kommunen

Der Tierschutzverein Lengerich-Westerkappeln ist Träger des Tierheims am Setteler Damm 75 in Lengerich. Die Einrichtung hat Verträge mit den Städten und Gemeinden Lengerich, Tecklenburg, Hörstel, Hagen a.T.W., Lienen, Hopsten und Westerkappeln über die Aufnahme von Fundtieren. Die Kommunen zahlen dafür eine Kostenpauschale. Neueste Errungenschaft im Tierheim ist ein Raum, in dem Fundkaninchen untergebracht werden.

...
Nachrichten-Ticker