Raubüberfälle vor dem Landgericht
Einer von drei Angeklagten legt ein Geständnis ab

Ascheberg/Dortmund/Drensteinfurt -

Eine Raubserie aus dem Jahr 2017, bei der Discounter in Ascheberg, Drensteinfurt, Hamm und Herbern brutal überfallen worden waren, wird seit Donnerstag vor dem Landgericht Dortmund verhandelt. Einer der drei – mit Hilfe von Aktenzeichen XY ermittelten – Angeklagten legte gleich zum Auftakt ein Geständnis ab.

Donnerstag, 07.03.2019, 17:06 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 17:47 Uhr
In Ascheberg ließ sich die Kasse nicht öffnen. Deswegen gingen die Täter hier leer aus.
In Ascheberg ließ sich die Kasse nicht öffnen. Deswegen gingen die Täter hier leer aus. Foto: hbm

Skrupellos, brutal und eiskalt: Drei junge Männer aus Lünen sollen im Jahr 2017 acht Lebensmitteldiscounter in Ascheberg, Herbern, Drensteinfurt und Umgebung überfallen haben. Zu Prozessbeginn am Donnerstag vor dem Dortmunder Landgericht hat bereits einer ein Geständnis abgelegt.

„Ich habe mich mitziehen lassen“, sagte der 22-jährige Auszubildende den Richtern. „Ich war zu der Zeit immer klamm, wollte aber meine Eltern nicht anpumpen.“ Das Gehirn hinter der Raubserie sei jedoch der mit 21 Jahren jüngste Angeklagte gewesen. „Er hatte die Idee und hat auch die Tatorte festgelegt“, behauptete der Lüner.

Kurz vor Ladenschluss am 8. Mai 2017 schlugen die Täter in Herbern zu. Wie normale Kunden stellten sie sich an der Kasse des Aldi-Marktes an und warteten, bis sie an der Reihe waren. Dann ging alles ganz schnell. Mit einer ungeladenen Softair-Pistole bedrohten sie die Angestellten und zwangen diese in den Personalraum. Dort musste ein Mann den Tresor aufschließen. Währenddessen spürte er den kalten Stahl der Waffe in seinem Nacken.

Attacken auf Angestellte

In Herbern raubten die Täter rund 6000 Euro, im Lidl-Markt in Drensteinfurt 1500 Euro und bei Aldi in Ascheberg nichts, weil sie die Kasse nicht aufbekamen. Insgesamt sollen sie bei der Raubserie jedoch fast 20. 000 Euro erbeutet haben. Und nicht immer soll alles nur mit Drohungen und Einschüchterungen abgelaufen sein.

Laut Anklage schlugen die Räuber mehreren Angestellten mit der Waffe ins Gesicht oder in den Nacken. Ein Mann wurde getreten, zwei weitere Opfer mit Pfefferspray malträtiert.

Spätestens nach diesem Vorfall will der 22-Jährige dann aber eingesehen haben, dass er sich auf dem falschen Weg befand. „Ich habe erst spät verstanden, was das alles für mich bedeutete“, sagte er den Richtern am Donnerstag. In diesem Moment habe er seinen Bekannten mitgeteilt, dass er keine weiteren Raubzüge mehr verüben werde. „Danach habe ich dann eine Ausbildung angefangen“, sagte er.

Aktenzeichen XY hilft beim Lösen des Falles

Festgenommen wurde das Trio, nachdem die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ über den Fall berichtet hatte. Zeugen gaben den Ermittlern den entscheidenden Tipp. Anders als seine beiden mutmaßlichen Komplizen wurde der 22-Jährige jedoch schon bald wieder von der Untersuchungshaft verschont. Jetzt hofft er auf eine Bewährungsstrafe, um seine Ausbildung abschließen zu können. „Danach will ich dann ein vernünftiges Leben führen, ohne anderen etwas wegzunehmen“, sagte er. Seinem Arbeitgeber hat er jedoch noch nichts von dem laufenden Strafverfahren erzählt.

Die beiden Mitangeklagten wollen sich erst am nächsten Verhandlungstag, dem 27. März, zu den Vorwürfen einlassen. Nach Angaben der beiden Verteidiger Ina Klimpke und Ralph Giebeler können die Richter der 31. Jugendstrafkammer dann auch weitgehend geständige Angaben erwarten.

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